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Kronach
Coronavirus

Fränkischer Fitnessstudio-Betreiber bangt um Existenz: "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand"

Der Kronacher Thomas Kaiser kritisiert die Entscheidungen der Politik im Zuge der Lockerungen in der Corona-Krise. Als Betreiber eines Fitnessstudios fühlt er sich ungerecht behandelt. Für ihn und seine Mitarbeiter geht es um die Existenz.
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Thomas Kaiser sieht Fitnessstudios gut gerüstet für Hygieneauflagen. Aus seiner Sicht wäre es schon früher möglich gewesen, die Fitnesscenter in Bayern wieder zu eröffnen.  Foto: Veronika Schadeck
Thomas Kaiser sieht Fitnessstudios gut gerüstet für Hygieneauflagen. Aus seiner Sicht wäre es schon früher möglich gewesen, die Fitnesscenter in Bayern wieder zu eröffnen. Foto: Veronika Schadeck

Trotz umfangreicher Lockerungen in Corona-Zeiten dürfen Fitnessstudios in Bayern erst später als andere öffnen. Das stößt bei manchen Betreibern in der Region auf Unverständnis. Auch eine andere Fitnessstudio-Betreiberin aus Franken meint: "Trotz Corona muss man sich an Wiedereröffnung herantasten."

Einer der Betreiber ist Thomas Kaiser, der zusammen mit seiner Frau Daniela zwei Fitnessstudios in Kronach und Lichtenfels betreibt. Er ist ratlos. Warum andere Branchen wie die Gastronomie und Friseure wieder öffnen durften, die Fitnessstudios aber nicht, ist für ihn nicht nachvollziehbar.

Fitnessstudios seit 17. März geschlossen

Seit 17. März sind seine beiden Studios geschlossen. Zwei Tage vorher hatte er in Lichtenfels neue Räumlichkeiten bezogen. Er hatte dort eine sechsstellige Summe in ein größeres Fitnessstudio investiert, unter anderem in neue Geräte und Ausstattung. Schon beim "Tag der offenen Tür", als er seinen Kunden und der Öffentlichkeit sein neues Studio vorstellen wollte, habe er anhand der Besucherzahl die Auswirkungen des Coronavirus gespürt, erzählt der 52-Jährige.

Seit über 25 Jahren betreibt Thomas Kaiser sein Fitnessstudio in Kronach. So eine schlimme Krise habe er in seiner beruflichen Laufbahn noch nie erlebt, erklärt er. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand."

Er freue sich für jeden, der sein Geschäft wieder öffnen konnte. Aber dass Fitnessstudios dabei so lange außen vor blieben, ärgert ihn. Hier werde Politik auf dem Rücken seiner Mitglieder, seiner Mitarbeiter und seiner Familie gemacht.

Auflagen sind kein Problem

Fitnessstudios hätten schon von Grund auf hohe Hygienestandards, erklärt er. Geräte würden regelmäßig desinfiziert und gereinigt. Jedes Mitglied würde schon immer sein eigenes Handtuch auf sein Trainingsgerät legen. Für ihn sei es ein Leichtes, in seinen Fitnessstudios die Auflagen einzuhalten. Auch die Abstandsregelungen wären für ihn keine Herausforderung. Bei 40 Leuten hätte jeder Einzelne 30 Quadratmeter zur Verfügung, weist er auf die Größe seiner Räumlichkeiten hin.

Zudem wäre durchaus auch bereit, keine Getränke auszuschenken, keine Massagen anzubieten und die Nassbereiche geschlossen zu halten. Es sei viel früher möglich und an der Zeit gewesen, es auch den Fitnessstudios zu gestatten, sich an den Alltag mit Corona heranzutasten, sagt Thomas Kaiser. Das Hygienekonzept stehe seit vielen Wochen und garantiere ein sicheres und gesundes Training. Außerdem: Auch im Alltagsleben könne sich keiner hundertprozentig schützen.

Der Kronacher betont, dass er Mitte März großes Verständnis die angeordnete Schließung seiner Studios hatte. Mittlerweile seien für ihn die Entscheidungen der Politik jedoch nicht mehr nachvollziehbar und vor allem - die Lockerungen betreffend - weder fair noch gerecht.

Festangestellte in Kurzarbeit

Thomas Kaiser betont, dass für kleine und mittelständische Unternehmen im Fitnessbereich eine frühere Wiedereröffnung nicht nur überlebenswichtig sei, sondern es hängen auch Arbeitsplätze und Existenzen davon ab. In seinem Fall sind es über 30 Mitarbeiter. Die Festangestellten befinden sich in Kurzarbeit, erklärt er.

Der Unternehmer betont weiter, dass die Sicherheit und Gesundheit der Mitglieder und Mitarbeiter für ihn oberste Priorität hätten. Gerade deshalb hätten auch die Fitnessstudios viel früher wieder öffnen können und müssen.

In diesem Zusammenhang weist seine Frau Daniela darauf hin, dass es in Fitnessclubs schon lange nicht mehr um einen "schönen Body" gehe, sondern, dass die Mehrheit der Mitglieder diese Einrichtung für die Linderung von körperlichen Beschwerden beziehungsweise zur Gesundheits-Präventation nutzen. Denn nur professionell gesteuertes Muskeltraining verbessere das Immunsystem nachhaltig. Und was seine Mitarbeiter betreffe: "Auch Existenzsorgen können krank machen!"

Betreiber tun sich zusammen

Thomas Kaiser spricht davon, dass in den vergangenen Wochen rund 450 Fitnessstudiobetreiber zusammen Vorschläge zur Wiedereröffnung ihrer Studios an die Landespolitik gerichtet haben. Auch er habe sich an die hiesige Lokalpolitik gewandt. Außer Standardantworten habe er bisher nichts bekommen. Nur die Lichtenfelser Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner hätte das Gespräch gesucht. Dankbar ist er für die überwältigende Solidarität seiner Mitglieder, die schon zahlreich erklärt haben, auf die Erstattung der weitergezahlten Beiträge zugunsten von Gutscheinen und Bonusleistungen verzichten zu wollen.

Er hofft nun, dass seine Branche in Zukunft in München mehr Anerkennung findet. Denn sowohl vor dem Bundesverfassungsgericht als auch vor dem Oberverwaltungsgericht stünden Klagen von ihm und seinen Kollegen zur Entscheidung an, "um in Zukunft solche ungerechten Fehlleistungen der Politik zu verhindern", wie er erklärt. Denn die Monate dauernden Zwangsschließungen der Fitnessclubs könnten für viele seiner Kollegen und eventuell auch für ihn das "Aus" bedeuten. "Und so weit darf man die Verantwortlichen nicht wieder gehen lassen", sagt Kaiser.