Das Tatort-Outfit gibt es nur in Einheitsgröße. Haarhaube und Schuh-Überzieher sitzen perfekt, der weiße Schutzanzug dagegen hat um die Hüfte herum noch deutlich Luft. "Beim Anziehen darauf achten, dass die Ärmel nicht den Boden berühren!", warnt Dr. Werner Hornung. Seinen Augen entgeht nichts. Egal ob Staub auf den Spinden, Spritzer an den Wänden oder Insektenflügel in der Fliegenfalle - in seinen zwölf Jahren als Chef des Haßfurter Verbraucherschutzes hat sich Hornung einen gnadenlosen Blick für Details zugelegt. Doch seine Abteilung steht angesichts der Corona-Krise vor neuen Herausforderungen. Kontrolliert werden muss trotzdem.

Normalerweise würde Hornung komplett unangekündigt auftauchen. Mit einem kurzen Anruf gibt er jedoch Bescheid, diesmal in Begleitung zu erscheinen. Zuvor hatte sich der Amtstierarzt noch bei Landrat Wilhelm Schneider erkundigt, ob die Lebensmittelkontrollen angesichts der Ansteckungsgefahr weiterhin stattfinden können. Die Antwort war ein klares Ja. Das war vor einer Woche. Kurz darauf verschärfte das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz die Regelungen nochmals.

Lebensmittelkontrolle: Betrieb ist nicht gleich Bude

"Bei großen Betrieben laufen Besichtigungen immer unter dem Vier-Augen-Prinzip ab", erklärt Hornung, während er seinen Koffer samt Schutzausrüstung im Auto verstaut. "Bei der kleinen Pommes-Bude ums Eck reichen dagegen zwei Augen." Auch beim Ziel der heutigen Lebensmittelkontrolle haben sich die Einlassbedingungen verschärft: Besucher der Haßfurter Konfitüren-Manufaktur "Maintal" erwartet im Eingangsbereich zunächst ein großer Desinfektionsmittel-Spender. Dann folgt der Corona-Check: Gäste müssen versichern, keinen Kontakt mit infizierten Personen gehabt oder sich kürzlich in Risikogebieten aufgehalten zu haben. "Eigentlich lassen wir mittlerweile niemand Externen mehr rein", erklärt Lebensmitteltechnologe Christan Hastedt zur Einlasskontrolle. Hornung bildet natürlich eine Ausnahme.

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Mit einem lauten "Achtung" kündigt sich der Kontrolleur beim Betreten der Umkleide an, um keinen Mitarbeiter unglücklich zu überraschen. Beim Inspizieren der Schränke achte er vor allem auf die Trennung von Arbeits- und Straßenkleidung und darauf, das letztere nicht allzu verdreckt im Spind hängt. Ein zusätzliches Regal als Schuhablage würde der Umkleide guttun, lautet das Urteil. Ansonsten sei er zufrieden.

In der großen Lagerhalle nebenan zeichnen sich unschöne Spuren auf dem Linoleumboden ab und ein Wasserschaden hat einen Fleck an der Decke hinterlassen, bemerkt Hornung, während sein Blick routiniert den Raum abtastet und seine Taschenlampe in jede Ecke leuchtet. "Das hat aber alles keinerlei Beeinträchtigungen für die Produktion, hier ist alles verpackt." Ein Grundrisiko für eine Kontamination bestehe bei allen Betrieben, bei hochsensiblen Produkten, wie Babynahrung oder Hackfleisch, falle dieses jedoch deutlich höher aus.

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"In einer Molkerei wären die Anforderungen noch viel höher", bestätigt Hastedt, während er Hornung durch die einzelnen Schritte der Produktionskette führt. "Hier könnte man beispielsweise keine Milch produzieren." In welchen Abständen ein Betrieb kontrolliert wird, hängt auch davon ab, ob dieser in der Vergangenheit negativ aufgefallen ist. "Wenn man hier etwas anmerkt, sind die Mängel nach ein paar Wochen behoben", lobt Hornung die Maintal-Manufaktur. "Das ist nicht bei allen Betrieben so."

Die Angst vor einer drohenden Ausgangssperre beschere dem Marmeladen-Hersteller gerade steigende Verkaufszahlen: "Das sind eben Konserven", erklärt Hastedt die Hamstereinkäufe. "Im Sommer wird es wahrscheinlich weniger, wenn dann alle ausgestattet sind."

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Die verschärften Vorschriften, um die Corona-Verbreitung zu minimieren, wirken sich auch auf den Arbeitsalltag des Betriebs aus. "Aufgrund der aktuellen Lage haben wir unsere internen Regelungen noch etwas verschärft. Wir versuchen, einen Mindestabstand von 1,5 Metern zu halten. Das ist in der Produktion etwas schwierig, aber alle Mitarbeiter wurden darauf geschult und wir schauen regelmäßig, ob es eingehalten wird", beschreibt Hastedt.

Maintal-Mitarbeiter nach Hause geschickt

Einige Mitarbeiter aus dem kaufmännischen und dem Personalbereich arbeiten nun von zuhause aus, um für Notfälle gegebenenfalls als Ersatz einzuspringen. "Unsere Produktionsmitarbeiter sind sensibilisiert, dass sie Erkrankungen der Atemwege - auch wenn diese banal erscheinen - melden sollen. Zum aktuellen Zeitpunkt können wir noch zweischichtig ohne Einschränkungen produzieren", versichert Hastedt. Im Liefer- und Abholungsbereich wurden für die Fahrer separate Pulte zum Unterschreiben aufgestellt, zudem gibt es mobile WCs, wo sich Mitarbeiter die Hände waschen und desinfizieren können. "Damit wir die Kontamination möglichst gering halten."

Nach rund zwei Stunden ist Hornungs Kontrolle beendet, mit dem Zustand des Betriebes sei er sehr zufrieden. Die wenigen Mängel wird er nun in seinem Kontrollbericht vermerken. Normalerweise hätte er sich zum Abschluss eine Tasse Kaffee gegönnt. Doch die nächste Besprechung der Corona-Koordinierungsgruppe wartet schon.

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~2200 Betriebe aus dem Landkreis Haßberge sind im System des Verbraucherschutzes eingetragen, die regelmäßig kontrolliert werden müssen. Das kann von Besichtigungen von Gastwirtschaften bis zu Warenrückrufen oder Fällen von Tierseuchen reichen.

1/1000 der Gläser wird bei jeder Kochung aussortiert: Eine Kochung ergibt rund 2000 Gläser, durchschnittlich zwei davon gelten aufgrund von Fehlern bei der Verpackung oder Konsistenz als Ausschuss. Festgestellt wird dies durch einen Fremdkörpertest.

Strengere Vorschriften für Verbraucherschutz

Um gesundheitliche Risiken möglichst gering zu halten, hat das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mitgeteilt, die bisherigen Kontrollen der Veterinärämter weitestgehend einzuschränken.

Weiterhin stattfinden müssen alle Tätigkeiten, die nötig und unaufschiebbar sind. Dazu zählen Kontrollen, die den sicheren Warenverkehr von Lebensmitteln und lebensmittelliefernden Tieren gewährleisten, beispielsweise Fleischuntersuchungen an Schlachthöfen, Tiergesundheitsuntersuchungen, Zertifizierungstätigkeiten sowie Importkontrollen. Dies gilt auch für Tierseuchen-Kontrollen in Verdachts- oder Ausbruchsfällen.

Die Kontrolleure müssen dabei entsprechende Sicherheitsmaßnahmen einhalten, wie einen Mindestabstand zu wahren, direkten Körperkontakt zu vermeiden und Schutzkleidung zu tragen. Eine spezielle Corona-Schutzkleidung gebe es allerdings nicht.

Ebenso werden Betriebe weiterhin kontrolliert, in denen die Lebensmittelsicherheit direkt betroffen ist, beispielsweise durch nicht sichere, gesundheitsgefährdende oder nicht verkehrsfähige Lebensmittel. Hier ist im Einzelfall abzuwägen, ob eine Kontrolle vor Ort notwendig ist oder ob die Maßnahmen auch anderweitig umgesetzt werden können. Auch Anlasskontrollen bei Hinweisen auf erhebliche Tierschutzverstöße finden weiterhin statt.