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Automobilkrise

Schaeffler Höchstadt: Industrie-Sparte zieht ab - wie geht es weiter?

Die Schaeffler Gruppe kündigt einen größeren Stellenabbau an. Herzogenaurach und Höchstadt sind auch betroffen - wie geht es künftig für die betroffenen Standorte weiter?
 
Im Schaeffler-Werk in Höchstadt soll sich in nächster Zeit einiges ändern.  Foto: Christian Bauriedel
Im Schaeffler-Werk in Höchstadt soll sich in nächster Zeit einiges ändern. Foto: Christian Bauriedel

Das Schaeffler-Werk in Höchstadt am späten Mittwochnachmittag: Arbeiter verlassen das Gelände in den Feierabend. Einige wissen es schon, andere haben noch nichts mitbekommen. Während der Schicht liest nicht jeder den News-Ticker. Ein junger Mann in weißem Hemd und Anzughose winkt ab, will lieber nichts dazu sagen. Ein Staplerfahrer fährt vorbei. Lieber kein Kommentar.

Die aktuelle Lage in der Automobilindustrie und vor allem bei den Zulieferern schlägt jetzt auch auf Herzogenaurach und Höchstadt durch. Wie die Schaeffler Gruppe am Mittwoch in einer Pressemitteilung verlauten ließ, müssten Kapazitäten abgebaut, Standorte konsolidiert und lokale Kompetenzen ausgebaut werden.

Verwaltung betroffen

4400 Stellen will der Konzern in Deutschland und Europa abbauen. Dabei kommen wohl auch die Standorte Herzogenaurach und Höchstadt nicht ungeschoren davon.

Wie sich die von Schaeffler als "Transformation" bezeichneten Maßnahmen ganz konkret auf die Arbeitsplätze in den beiden Werken auswirken, war am Mittwoch noch nicht zu erfahren. Die Herzogenauracher Betriebsratsvorsitzende Hanna Köhler und ihr Höchstadter Kollege Roland Holler waren bis in den Abend hinein in Sitzungen und wollen sich am Donnerstag zu den Entscheidungen der Unternehmensleitung äußern.

Wie aus der Pressemitteilung hervorgeht, ist geplant, "die Verwaltungsbereiche der Zentralfunktionen und der Sparten zu reduzieren". Das betrifft vor allem auch die Zentrale am Standort Herzogenaurach.

Positive Aspekte

In Herzogenaurach und Höchstadt sollen aber auch lokale Technologie- und Produktionskompetenzen gebündelt werden. In Herzogenaurach will die Schaeffler Gruppe "neben dem Aufbau eines hochmodernen Zentrallabors künftig das Kompetenzzentrum für Wasserstofftechnologie ansiedeln".

Höchstadt soll ein Kompetenzzentrum für den Werkzeugbau bekommen, das die vorhandenen Kapazitäten aus Herzogenaurach übernimmt. "Im Gegenzug werden die Aktivitäten der Sparte Industrie von Höchstadt nach Schweinfurt verlagert, sodass Höchstadt ein reiner Automobil-Standort wird", heißt es weiter in der Pressemitteilung.

Die Bürgermeister der beiden Städte wurden von der Nachricht gestern ebenso überrascht wie die Belegschaft in den Schaeffler-Werken. Die Bedeutung von Schaeffler für Herzogenaurach und die ganze Region ist für Bürgermeister German Hacker (SPD) "viel mehr als hoch". Hacker zitiert seinen Vorgänger Hans Lang (CSU): "Wenn Schaeffler einen Schnupfen hat, bekommt Herzogenaurach eine Lungenentzündung."

Ausfälle in Millionenhöhe

Hacker erinnert an die aktuell schwierigen Zeiten, in denen die Automobil-Zulieferindustrie weltweit steckt. Man habe auch schon öfter schwierige Zeiten mit Schaeffler erlebt. Der Herzogenauracher Bürgermeister sieht aber auch positive Aspekte. So beschäftige sich der Konzern seit über zehn Jahren mit dem Thema Elektromobilität und sei hier "extrem breit aufgestellt". Zuversichtlich mache ihn, dass Herzogenaurach Schwerpunkt in der Wasserstofftechnologie werden soll. Hacker sieht Schaeffler vor einer schwierigen Übergangsphase, "da müssen wir durch". Man könne froh sein, dass es bei uns keine kompletten Werksschließungen gibt.

In Höchstadt sieht Bürgermeister Gerald Brehm (JL) die Firma Schaeffler "über Jahrzehnte als Garant für die positive Entwicklung der Stadt". Das Unternehmen sei größter Arbeitgeber und größter Steuerzahler. Auch Brehm hat in Höchstadt schon Schaeffler-Krisen erlebt und hofft, dass diese für die Region Höchstadt glimpflich verläuft und einmal mehr nur vorübergehend ist. Würden Arbeitsplätze wegfallen, wäre es für Höchstadt ein schwerer Schlag, sagt Brehm. Bisher habe man immer den Eindruck gehabt, die Familie Schaeffler stehe hinter dem Standort. Er werde jetzt Gespräche mit Firmenleitung und Betriebsrat suchen.

Für die Stadt erwartet er einen Ausfall von Steuereinnahmen in Millionenhöhe. Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation der Automobilindustrie dürfe das aber niemanden verwundern. Brehm: "Es ist klar, dass Schaeffler an die Kostenschraube ran musste."