Conti Temic in Nürnberg wird geschlossen: Das Unternehmen Continental zieht die Folgen aus der Automobil-Krise und verschärft sein bestehendes Sparprogramm. Der Standort Conti Temic in Nürnberg soll vollständig geschlossen werden. In Deutschland seien insgesamt 13.000 Arbeitsplätze von den Maßnahmen betroffen. Sie sollen "verändert, verlagert oder aufgegeben" werden, teilt das Unternehmen mit.

"Die gesamte Autoindustrie hat derzeit gewaltige Herausforderungen zu bewältigen. Keine ihrer Krisen der vergangenen 70 Jahre war größer und schärfer. Sie trifft die Zulieferer besonders hart. Sie verlangt uns kurzfristig schon sehr viel ab und fordert uns auf Jahre bis zum Äußersten", kommentierte der Vorstandsvorsitzende von Continental, Dr. Elmar Degenhart, das Vorhaben. 

Stadt Nürnberg stellt sich auf die Seite der Mitarbeiter

Alle Standorte im In- und Ausland seien von den Einsparungen betroffen. Unrentable Geschäftsstellen sollen verkauft werden. Standorte mit dauerhaft zu hohen Kosten, auslaufenden Technologien oder mit unwirtschaftlicher Auslastung sollen geschlossen oder verlagert werden. 

Von dieser Strategie ist auch der Standort Nürnberg betroffen. Dieser soll bis Ende 2022 geschlossen werden. Die 229 Mitarbeiter werden ihren Arbeitsplatz verlieren, wie die IG Metall mitteilt. "Erst wurde der alte Continental Standort in Nürnberg in zwei Teile zerlegt und nun wird der kleinere Teil davon geschlossen. Diese Salami-Taktik nehmen wir nicht hin. Die Beschäftigten beider Standorte – Conti Temic und Vitesco – verdienen Verlässlichkeit und eine sichere Zukunft. Continental darf sich in Zeiten von Transformation und Corona nicht aus der Verantwortung stehlen und die Menschen auf die Straße setzen", teilte Andreas Weidemann, erster Bevollmächtiger der IG Metall Nürnberg, mit. Man sei empört über die Maßnahmen und fordere die Konzernleitung auf, über die Zukunft der Beschäftigten und der Standorte zu verhandeln. 

Auch die Stadt Nürnberg kritisiert die Maßnahmen des Unternehmens. Nürnbergs Wirtschaftsreferent Dr. Michael Fraas stellt sich auf die Seite der Mitarbeiter: "Auch wenn Continental vom Transformationsprozess in der Automobilindustrie und von der Corona-Krise betroffen ist, so ist nicht zielführend, jetzt Beschäftigte und damit wertvolles Know-how abzubauen, das bei einer Besserung der wirtschaftlichen Lage nicht schnell wieder aufgebaut werden kann.

Linke "empört und erschüttert" über Vorhaben

Die Schließung stößt auch bei der Linken in Nürnberg auf massive Kritik. "Wir sind empört und erschüttert über die Kürzungsmaßnahmen von Continental", kommentiert Titus Schüller, Stadtrat der Linken in Nürnberg. "Ein Konzern, der Mitten in der Corona-Krise 600 Milliarden Euro an Dividende ausschüttet, sollte sich besser um seine Beschäftigten kümmern und für die Zukunft notwendige Arbeitsplätze sichern." Man fordere, dass Conti das bestehende Know-How der Mitarbeiter nicht in den Sand setze, sondern sie auf die neuen Herausforderungen in der Automobilbranche vorbereite und weiterbilde. 

Mitten in der Corona-Pandemie hat ein deutscher Youtube-Star für einen Massenauflauf in Nürnberg gesorgt. Der Influencer Claudius Vertesi hatte zu einem Treffen in einem Skatepark aufgerufen. Zum Teil waren 500 Follower vor Ort.