• Erlangen: Städtepartnerschaft mit russischem Wladimir soll aufrechterhalten werden
  • Stadtrat verurteilt "völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der russischen Armee"
  • "Kontakt zu offiziellen Stellen notwendig": Gremium begründet Entscheidung trotz Ukraine-Krieg
  • Eine Konsequenz soll aber gezogen werden - sie betrifft das 40-jährige Jubiläum 

Erst Anfang März hatte die FDP-Fraktion im Erlanger Stadtrat gefordert, die Städtepartnerschaft mit dem russischen Wladimir, einer Großstadt mit knapp 350.000 Einwohnern und Einwohnerinnen nahe Moskau, zu beenden. Nun hat sich der Stadtrat in seiner Sitzung am 31. März 2022 mehrheitlich gegen diesen Schritt entschieden und dies auch begründet. Die gemeinsame Jubiläumsfeier mit der russischen Stadt steht wegen des Ukraine-Kriegs aber auf der Kippe. 

Erlangen: Stadtrat will Partnerschaft zu russischem Wladimir nicht kündigen - "notwendig"

In der entsprechenden Resolution heißt es, die Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir könne "nur in einer Atmosphäre des Friedens gedeihen". Der Stadtrat spricht von einem "völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der russischen Armee gegen die Ukraine". Denn "Putins verheerender Feldzug" richte sich nicht nur gegen die Ukraine, sondern "gegen Frieden, Freiheit und Demokratie in Europa und auch in Russland", heißt es aus der Erlanger Politik.

"Die Partnerschaft zu Wladimir steht - ähnlich übrigens wie der Partnerschaften zu San Carlos oder Shenzhen - seit ihrer Gründung in einem Spannungsverhältnis", so der Wortlaut in der Resolution. Der Kontakt zu den offiziellen Stellen sei aber "notwendig, um die Partnerschaft gestalten zu können", auch wenn der "Schwerpunkt der Partnerschaft" bewusst auf den Kontakten zur russischen Zivilgesellschaft liege. Dieser aber sei ohne offiziellen Kontakt "unmöglich", so der Erlanger Stadtrat und spricht von einer "realistischen Abwägung", die es brauche.

Eine andere Konsequenz will man in Erlangen aber ziehen: So sei es "aus heutiger Sicht nicht vorstellbar, zum 40-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir im kommenden Jahr ein Jubiläum in klassischer Form durchzuführen". Die Vorbereitungen dafür fänden auch weiterhin nicht statt.

Stadtrat in Erlangen entscheidet sich gegen Druck auf Partnerstadt - plant Jubiläum aber nicht zu feiern

Komplett abreißen sollen die Verbindungen aber nicht. Denn eine "kritische Stellungnahme" zum Ukraine-Krieg zu verlangen, würde aus Sicht des Gremiums "den notwendigen Rahmen für alle zivilgesellschaftlichen Kontakte langfristig (...) zerstören und höchstwahrscheinlich (...) beenden".

Man wolle in Erlangen stattdessen zeigen, dass sich die Sanktionen "nicht gegen alles Russische, sondern gegen die Führungselite in Russland, die diesen Krieg verantwortet", richten würden. Deshalb setze die Stadt "ihre Anstrengungen fort, die Kontakte zur Zivilgesellschaft in Waldimir zu halten", so der Beschluss.

Die Stadt Erlangen handle damit "in Übereinstimmung mit den Empfehlungen des Deutschen Städtetags", heißt es vom Stadtrat. Und: "Die Erlanger Stadtverwaltung, insbesondere der Partnerschaftsbeauftragte, wird weiterhin als Vermittler zwischen der Zivilbevölkerung Erlangens und Wladimirs eingesetzt."

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