Bamberg
Richtiges Verhalten

Aggressive Bettler in Bamberg unterwegs - Polizei mit dringendem Appell an Bevölkerung

In bestimmten Teilen Bambergs sind in den vergangenen Wochen vermehrt Personen durch aggressives Betteln aufgefallen. Damit die Polizei handeln kann, richtet eine Sprecherin einen Appell an die Anwohnerschaft.
Bamberg: Aggressive Bettler in der Stadt unterwegs - Polizei mit dringendem Appell
In Bamberg werden derzeit vermehrt Vorfälle mit aggressiven Bettlern beobachtet. Foto: Collage inFranken.de: Daniel Reinhardt/dpa ; Ronald Rinklef (Archiv)
  • Bamberg: Personen fallen vermehrt durch aggressives Betteln auf 
  • Zwei Stadtviertel augenscheinlich besonders betroffen 
  • Polizei richtet dringenden Appell an Bevölkerung 
  • Steht Ankerzentrum in Zusammenhang? Behörden äußern sich

Die Dame mit dem roten Zopf steigt kaum aus dem Auto - und wird prompt angesprochen: "Bitte". Eine ältere Frau im Kleid mit Blümchentuch über dem Kopf hält die Hand auf. Doch weil sie nicht beachtet wird, läuft sie der Dame hinterher, klebt Schritt für Schritt an ihren Fersen, fragt immer wieder nach Geld. Zuvor hatte sie eine junge Frau bis zum Kofferraum ihres Wagens verfolgt - und auch während des Einladens von Einkäufen nicht lockergelassen. Als sie auf das aggressive Betteln angesprochen wird, flüchtet sie plötzlich schnell. Der Schauplatz: ein Einkaufsareal in der Pödeldorfer Straße in Bamberg am vergangenen Samstag (30. Juli 2022). 

Vor der Haustür um Geld angebettelt - Beobachtungen vor allem in der Innenstadt und Bamberg-Ost

Schilderungen wie diese sind in der inFranken.de-Redaktion in den vergangenen Wochen immer häufiger zu hören. Meist betreffen sie die Innenstadt und den Osten Bambergs. Hierbei ist auffällig, dass sich die bettelnden Personen besonders dreist und aufdringlich verhalten - und offenbar aus dem Ausland stammen. So schildert eine Anwohnerin gegenüber inFranken.de, sie sei geradewegs vor der Haustür von einem Mann um Geld gefragt worden - man sei ein "Ukrainian Refugee". Bereits im Mai hatten wir über wiederholte Beobachtungen einer Mitarbeiterin zu bettelnden Kindern im Stadtgebiet berichtet - und ähnliche Rückmeldungen aus der Leserschaft erhalten. 

Vorfälle, die das Sicherheitsgefühl vieler Menschen nicht gerade stärken dürften. Denn auch die Ladendiebstähle sind in Bamberg im vergangenen Jahr massiv angestiegen. Trotz verhältnismäßig hoher Polizeipräsenz liegt Bamberg bayernweit regelmäßig bei den Städten mit der höchsten Kriminalitätsrate - auch, wenn die Straftaten insgesamt rückläufig sind. So wurden in Bamberg auf 100.000 Einwohner*innen 2021 8026 Straftaten begangen. Zum Vergleich: In München waren es laut Zahlen der jeweiligen Polizeistatistik 5144, in Nürnberg 6449 und in Leipzig 8226 Delikte

Am 17. Juli 2022 vermeldete die Polizeiinspektion Bamberg eine besondere Masse an Fällen von Ladendiebstählen innerhalb eines Tages. Ob diese Delikte in den vergangenen Monaten weiter zugenommen haben, zeige sich letztendlich aber erst in der Jahresbilanz, erklärt eine Sprecherin gegenüber inFranken.de. "Dazu liegen uns derzeit noch keine Daten vor. Wir haben durch die Nähe der Asylunterkunft in Bamberg-Ost hier aber einen Schwerpunkt", so die Sprecherin. 

Polizei richtet dringenden Appell an Bevölkerung - besonders bei Personen, die "öfter auffallen"

Was aggressives Betteln angeht, habe man im gesamten Jahr 2022 aber noch keinen einzigen Fall registriert, so die Polizeisprecherin. "Das bedeutet nicht, dass es diese Fälle nicht gibt, sie werden uns offenbar einfach nicht gemeldet", erklärt sie. Gemäß der Stadtsatzung Bamberg stellt aggressives Betteln eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer Sicherstellung von Geld und einem Ordnungswidrigkeitsverfahren geahndet werden kann.

Auch eine Strafanzeige ist unter Umständen möglich - und laut Caritas geboten, wenn etwa der Verdacht auf Betrug durch Vortäuschung von Blindheit oder anderen falschen Lebensumständen besteht. Aber wie soll man sich in der konkreten Situation verhalten? "Wir appellieren dringend an die Bevölkerung, bei uns anzurufen, wenn aggressives, aufdringliches Betteln vorkommt", so die Polizeisprecherin.

"Wenn es etwa in Richtung Nötigung geht, dann sind auch Fotos der Personen in Ordnung", sagt sie. Wichtig sei es in jedem Fall, sich zu melden - gerade, wenn "diese Leute öfter auffallen". Aber wie ist dieser zumindest subjektiv beobachtete Anstieg an aggressiver Bettelei zu erklären? Besteht hier auch ein Zusammenhang mit dem Ankerzentrum?

Ankerzentrum Bamberg kämpft mit deutlich gestiegener Zahl an Asylbewerbern 

"Auf dem Gelände selbst betteln die Betroffenen ja nicht", sagt Ulrike Tontsch, die im Ankerzentrum das sogenannte "Café Willkommen" betreibt und die Asylsuchenden unterstützt. Sie selbst habe allerdings in den vergangenen Wochen "keine besonderen Auffälligkeiten" erlebt, was bestimmte Gruppen betrifft, die die Räumlichkeiten besuchen. Auf eine Anfrage von inFranken.de bestätigte die Regierung von Oberfranken gleichzeitig Anfang Juli 2022, dass es derzeit eine "stark ansteigenden Zahl an Asylbewerbern aus anderen Herkunftsländern" als der Ukraine gebe.

Die Hauptherkunftsländer seien Syrien, die Republik Moldau, Georgien, Russland, der Irak und der Iran, heißt es. Dies spiegelt sich auch in den Belegungszahlen. Das Ankerzentrum Bamberg war am 4. Juli 2022 mit 1847 Bewohnern belegt, so die Regierung von Oberfranken - im Regelfall sollten hier nicht mehr als 1500 Menschen untergebracht sein. 

"Konflikte sind leider nie ganz zu vermeiden. Der Schutz und die Sicherheit der Menschen in der AEO (Anm. d. Red.: Anker-Einrichtung Oberfranken) und in deren Umfeld ist uns ein großes Anliegen. Wir setzen auf einen stetigen engen Austausch mit allen Beteiligten, also den Bewohnerinnen und Bewohnern, Ehrenamtlichen, Nachbarn und Anwohnern sowie der Stadt", heißt es aus Bayreuth gegenüber inFranken.de. Man habe "ein funktionierendes Sicherheitskonzept, das in Zusammenarbeit mit der Polizei und weiteren Sicherheitsbehörden entstanden ist, sowie ein Schutzkonzept für besonders vulnerable Personengruppen."

Bamberger Polizei auf Mitwirkung der Bevölkerung angewiesen

Wenn es darum geht, Gruppen von aggressiven Bettlern und Bettlerinnen zu identifizieren, braucht die Polizei Bamberg aber zunächst vor allem eines: die Mitwirkung der Bevölkerung. 

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