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Nürnberg
Politik

Franke gibt Lebensretter-Medaille zurück - aus Protest gegen aktuelle Politik

Aus Protest gegen die aktuelle Politik gab Jürgen Müller aus der Nähe von Nürnberg seine Lebensretter-Medaille am Montag in München zurück. Der heute 55-jährige Familienvater hatte bei einer Kanu-Fahrt auf dem Fluss Regen einem Kind das Leben gerettet.
 
Weil er gegen die aktuelle politische Lage protestieren will, gibt Jürgen Müller aus Mittelfranken seine Lebensrettermedaille zurück. Foto: Peter Kneffel/dpa
Weil er gegen die aktuelle politische Lage protestieren will, gibt Jürgen Müller aus Mittelfranken seine Lebensrettermedaille zurück. Foto: Peter Kneffel/dpa

Der Familienvater Jürgen Müller (55) hat in seinem Leben schon ordentlich Mut bewiesen. Er rettete einem Kind das Leben und bekam dafür die Lebensretter-Medaille verliehen. Jetzt hat er diese zurückgeben - aus Protest gegen die aktuelle Politik.

Heldentat: Müller rettete Kind aus eiskaltem Fluss - und sucht jetzt Öffentlichkeit

2006 rettet Müller bei einer Kanu-Tour ein Kind aus dem eiskalten Fluss Regen vor dem Ertrinken. Ende 2019 will Jürgen Müller ein Zeichen gegen die aktuelle Politik setzen und gibt die Lebensretter-Auszeichnung zurück, die ihm der Freistaat nach der Heldentat verliehen hat. Damals hatte Müller aus Respekt vor den Angehörigen der Opferfamilie - der Vater des geretteten Kindes war bei der Kanu-Tour tragischerweise ums Leben gekommen - noch bewusst auf Publicity verzichtet. Jetzt sucht Müller ganz bewusst genau diese Öffentlichkeit, um eine politische Botschaft zu transportieren.

Termin beim Staatsminister: Müller trifft sich mit Herrmann

Am Montag (09. Dezember) hatte Jürgen Müller einen Termin in der Staatskanzlei in München. Der Leiter der Regierungszentrale, Staatsminister Florian Herrmann (CSU), hatte Müller in die Landeshauptstadt gebeten. Mitten im Machtzentrum der bayerischen Politik konnte Müller über die aktuelle politische Situation debattieren. Auch dem Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte Müller einen Brief geschrieben - aber nur eine ausführliche Standardantwort der Regierungspolitik ohne Einladung zum Gespräch zurückerhalten.

Müller nach Diskussion mit Staatsminister erleichtert - "wichtig, den Mund aufzumachen"

Nach einem 45-minütigen Gespräch mit Staatsminister Florian Herrmann sagte der Lebensretter, er sei froh, diesen "Fremdkörper der Auszeichnung" endlich loszusein. Die Ehrung habe sich für ihn immer falsch angefühlt, erklärt Müller. Diesem Gedanken habe auch Herrmann zugestimmt. Auch wenn er sich vom Gespräch mehr konkrete Maßnahmen gegen Fluchtursachen erhofft hätte, habe er sein Ziel erreicht: "Es war mir wichtig den Mund aufzumachen", dafür habe er viel positives Feedback erhalten.

"Ich bin kein Politiker. Ich bin Ingenieur": Müller will Politik die Leviten lesen

Am Montag in München hatte Jürgen Müller zumindest die Chance, der bayerischen Spitzenpolitik die Leviten zu lesen. Vorschläge brachte er allerdings nicht mit nach München. "Ich bin kein Politiker. Ich bin Ingenieur", sagt Müller. Was ihn treibt, sei Kritik am Verhalten des Staates.

Warum sind Menschenleben hier wichtig und dort nicht?

"Tatenlos" lasse dieser Bootsflüchtlinge im Meer untergehen. München, Berlin, Brüssel: Die Regierungen würden unisono wegsehen, wenn Menschen auf den nassen Fluchtrouten ihr Leben lassen. Müller wollte dem Staat am Montag eine einfache Frage stellen: Warum werden Lebensretter hier in Bayern ausgezeichnet und Seenotretter dort im Mittelmeer nicht? Oder noch einfacher ausgedrückt: Warum sind Menschenleben hier wichtig und dort nicht?

Er sieht einen Widerspruch darin, dass er für die Rettung eines Mädchens aus einem bayerischen Fluss geehrt wurde, während Seenotretter im Mittelmeer diskriminiert und strafrechtlich verfolgt werden. Dabei sei ein Leben immer gleich viel wert.

Müller will nicht mehr zuschauen

Erlebtes und Empfundenes verweben sich bei Müller im Trauma des Ertrinkens. Hier die persönliche Rettung des Kindes aus dem eiskalten Strom. Dort die passive Fassungslosigkeit über die nicht enden wollenden Horrornachrichten aus dem Mittelmeer. Obwohl die Zahl der Ankünfte über die Mittelmeerroute seit 2016 stark gesunken ist (2016: 373.652 Menschen; bis Sept. 2019: 80.800 Menschen), bleibe der Weg über das Mittelmeer laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) die "tödlichste Seeroute der Welt". In diesem Jahr hätten laut UNHCR bereits 1.041 Menschen die Flucht über das Mittelmeer mit dem Leben bezahlt.