Laden...
Nürnberg
Corona-Krise

Maskenpflicht auf Wochenmärkten? Stadt Nürnberg rudert auf Hauptmarkt zurück

Nach unterschiedlichen Ansagen ist die Verwirrung auf dem Hauptmarkt in Nürnberg groß: Gilt nun in Bayern eine Maskenpflicht auf Wochenmärkten - oder nicht?
 
Wirrwarr auf Hauptmarkt in Nürnberg: Gilt auf Wochenmärkten in Bayern eine Maskenpflicht? Verkäuferin Susanne trägt zur Sicherheit einen Mundschutz. Foto: Nikolas Pelke
  • Auf Wochenmärkten in Bayern gilt doch keine Maskenpflicht
  • Stadt Nürnberg nimmt Aufforderung zurück: Keine Mundschutz-Pflicht auf Hauptmarkt, aber Empfehlung Schutzmaske zu tragen
  • Nach „widersprüchlichen“ Ansagen von Ministerien: Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU) klärt Frage bei Bayerischer Staatsregierung

Maske oder nicht Maske - das ist auf dem Hauptmarkt in Nürnberg derzeit die aktuelle Frage. Das Marktamt der Stadt hat die Gemüsehändler zunächst aufgefordert, nicht ohne Mund-Nasen-Schutz an den Marktständen zu stehen. „Wir haben ein Schreiben vom Marktamt bekommen, dass wir die Maske beim Verkaufen tragen sollen“, sagt Susanne hinter ihrem Gemüsestand und legt ein paar Kartoffeln auf die Waage. Inzwischen ist die Stadt in der Maskenfrage auf dem Hauptmarkt zurückgerudert. 

Stadt Nürnberg war zunächst von Maskenpflicht auf Wochenmärkten ausgegangen

Anfragen von Bürgern haben den Wirbel um die Mund-Nasen-Bedeckung laut Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU) ins Rollen gebracht. Dabei ist es um die Frage gegangen, ob das Tragen von Masken auf Wochenmärkten eine Vorschrift oder eine Empfehlung ist. Die zuständigen Ministerien hätten sich „widersprüchlich“ geäußert, sagt Fraas, der für die Märkte in Nürnberg zuständig  ist. Konkret sei es um die Auslegung eines einzelnen Paragraphen der vom Bayerischen Gesundheitsministerium erlassenen Zweiten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnunggegangen.  

Bis zur letzten Woche sei die Stadt Nürnberg, wie auch viele andere Kommunen in Bayern, von einer Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung auf städtischen Wochenmärkten ausgegangen. In dieser Einschätzung hätte sich Fraas auf die offiziellen Auslegungshinweise des bayerischen Gesundheitsministeriums unter der Überschrift „Corona-Krise und Wirtschaft“ gestützt. Demnach hätte auf Wochenmärkten – trotz des Geschäftes unter freiem Himmel -   die Maskenpflicht bestanden.

Nach Rückfrage bei Staatsregierung: Nürnberg lässt Maskenpflicht auf Hauptmarkt fallen

Auch auf der Katastrophenschutz-Homepage des bayerischen Innenministeriums  sei  unter der Rubrik  „Maskenpflicht"  folgender Satz zu lesen gewesen: „Die Mund-Nasen-Bedeckung gilt bis auf Weiteres für Kunden, ihre Begleitpersonen und für das Personal in Geschäften, Einkaufscentern, Märkten sowie in Bussen und Bahnen des Öffentlichen Personennahverkehrs, in Zügen, Taxis und in von Chauffeuren gelenkten Mietwagen“, zitiert Fraas wortwörtlich einen Auszug der offiziellen Verhaltensanweisung  aus dem Innenministerium.

So  weit, so klar: Bis schließlich per Twitter die Meldung vom Innenministerium aus München verbreitet worden sei, das angeblich keine Maskenpflicht bei Verkaufsständen im Freien mehr bestehe. Daraufhin habe Fraas in einem Schreiben an die Staatsregierung um Klarstellung gebeten und schließlich den Entschluss gefasst, die Maskenpflicht auf dem Hauptmarkt fallen zu lassen. „Wir haben jetzt aus der – wie wir zunächst angenommen haben – Pflicht, eine Bitte und Empfehlung zum Tragen von Mund-Nase-Bedeckung auf den Wochenmärkten gemacht”, erklärt Fraas inFranken.de.

Mundschutz beim Einkaufen: Aus Pflicht wird Bitte

Masken auf dem Hauptmarkt nimmt Michael Fraas mit Humor. „Hätte nicht Franz Kafka bereits geniale Romane geschrieben, wäre selbst ich als trockener Jurist letzte Woche zum Romancier geworden“, ist sich der Wirtschaftsreferent sicher. Die Suche nach einem „Schuldigen“ will sich die Stadt offensichtlich ersparen.  „Das kommt vor. Wir haben nun einmal eine besondere Situation“, betont Fraas und erklärt, dass die Stadt angesichts der rechtlichen Unklarheit jetzt nicht mehr von einer Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung auf den städtischen Märkten ausgeht. „Aber wir bitten die Bürger eine Maske zu tragen.“ Aus der Pflicht sei lediglich eine Bitte geworden.

Das Ansteckungsrisiko wolle Fraas auf den Märkten weiterhin minimieren. Zumal sich die grünen Verkaufsstände mit den Produkten aus der Region derzeit offensichtlich wachsender Beliebtheit erfreuen. „Ich habe den Eindruck, die Menschen haben gerade während der Corona-Krise die Wochenmärkte wieder schätzen gelernt“, freut sich Fraas.