Eine grausige Entdeckung machte der Umweltpädagoge Jan Ebert, als er vor einigen Wochen unter der Maintalbrücke bei Kösten spazieren ging. Er ist Mitglied beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) und beobachtet mit seinem Fernrohr gerne die heimischen Vögel. "Durch Zufall sah ich, dass da oben etwas baumelte. Ich dachte mir, dass da etwas nicht passt und griff zum Fernglas." Aus dem Taubennest hing ein toter Turmfalke, der sich mit dem Fuß in einer Kunststoffschnur verfangen hatte.

Das Nest wurde ursprünglich von Tauben gebaut, die als Nistmaterial diese Plastikschnüre verwendet hatten. Turmfalken haben das Nest bezogen und dort gebrütet. Zwei der Jungvögel verfingen sich in dem Bindegarn und konnten sich nicht mehr befreien. "Sie bewegen sich noch unbeholfen. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich Jungvögel in den Schnüren verfangen oder erhängen, weil sie ja permanent in dem Nest sind", erklärt Jan Ebert.

Er handelte sofort: "Ich habe gleich darauf die entsprechenden Stellen angerufen." Er initiierte gemeinsam mit der Untere Naturschutzbehörde Lichtenfels und der Autobahndirektion Nordbayern eine Hilfsaktion, bei der das Nest entfernt und ein Nistkasten angebracht wurde. Das Ingenieurbüro Hofmann führte die Aktion im Rahmen einer Brückenüberprüfung durch. Der tiergerechte Nistkasten wurde von der Initiative Artenschutz in Franken finanziert. "Ich stieß sofort auf offene Ohren und Handlungsbereitschaft", sagt der Umweltpädagoge. Selbstverständlich sei das nicht, betonte er.


Neues Nest schnell besetzt

Seit April hängt das neue Vogelhaus. "Es ist schnell besetzt worden", freut er sich. Vorsorglich überall Nistkästen aufzubauen würde, so der Initiator, nicht viel helfen. "Die Turmfalken kann man durch Nistkästen schützen, weil sie ihre Nester nicht selber bauen. Andere Vögel bauen sich aber Nester. Es liegt an uns, dass die Vögel kein gefährliches Nistmaterial finden." So veranstaltet beispielsweise der Verein Flussparadies Franken jedes Jahr die Müllsammelaktion "Mein Main muss sauber sein".


Viel illegal entsorgter Müll

"Manches wird durch Hochwasser angeschwemmt, vieles ist aber einfach illegal in der Natur entsorgt worden", berichtet Jan Ebert. Von sämtlichen Plastikabfällen über Farbeimer bis hin zu Terpentinersatz sei alles dabei. "Innerhalb von drei Stunden sammelt man immer einen gehäuften Traktoranhänger voll Müll ein." Der Umweltpädagoge klagt, dass vielen Menschen das Bewusstsein für diese Problematik fehlt: "Viele wählen leider, obwohl es die Möglichkeiten gibt, den bequemen Weg und werfen ihre Sachen einfach in die Natur. Es ist jedes Jahr etwa dieselbe Menge an Müll, die wir finden."

Ginge es nach ihm, müssen solche Müllsammelaktionen öfter stattfinden. Er führt einigeUmweltbildungsprojekte beim Bund Naturschutz Bamberg und spricht aus eigener Erfahrung. "Ich bin oft an Schulen unterwegs. Das Schöne ist, man lässt die Kinder nicht mit den schlimmen Bildern stehen, sondern man kann direkt mit ihnen raus gehen und etwas dagegen machen." Das sei eine einfache Möglichkeit, einen Beitrag zu leisten: "Ich renne auch nicht mit Mülltüten rum und suche alles ab. Aber wenn ich im Vorbeigehen etwas sehe, dann packe ich es ein und entsorge es im Mülleimer." Wenn das jeder tun würde, so wäre mit wenig Aufwand viel erreicht.


Unerforschtes Ausmaß

Nicht nur die Umwelt und Tiere seien davon betroffen, sagt er, sondern jeder einzelne Mensch. Denn die kleinen Plastikpartikel können nicht zersetzt werden. Diese dringen in die Zellen ein. "Was das letzten Endes mit uns anstellt, ist nicht bekannt", sagt Ebert. Im Trinkwasser und in Meeresfrüchten seien diese Plastikpartikel bereits nachgewiesen worden, bei Muscheln haben sich beispielsweise Entzündungsherde um die Fremdkörper gebildet.

Er appelliert: "Wenn man sich das bis zur letzten Konsequenz überlegt, fressen wir unser eigenes Plastik wieder auf." Er hofft, dass seine Worte Anklang finden. "Wenn man das alles beachtet, dürfte es wenig Leute geben, die dann noch sagen, das ist mir egal", sagt er und fügt hinzu: "Das will ich zumindest stark hoffen."