"Ich bin überzeugter Wurst-Esser. Und mei Vadder hat immer gsacht: Kinner, esst die Wurscht, des Brot müssmer kaaf." Sandra Böllner ist ein echter Typ. Die Steigerwäldlerin lacht so herzlich über diesen Familienwitz, ist doch der Papa Theo gelernter Fleischermeister und brachte als solcher mit Mama Helga den Betrieb mit der einfachen Schankerlaubnis von Oma und Opa in Dankenfeld seit 1977 immer höher. Bis ihn die Tochter Sandra übernahm. Quasi ehrenamtlich sind ihr Bruder Johannes und seine Tanja mit im Boot. Mittlerweile hat man bei Böllner 25 Mitarbeiter.

Es ist ja auch lustig: Die 46-Jährige ist Küchenmeisterin und Chefin des Familienbetriebs Böllner in Dankenfeld.Den "Küchenmeister" zu machen, als Nachweis und Auszeichnung für ihre Fähigkeiten, war ihr wichtig, als sie sich vor über fünf Jahren der Herausforderung stellte, obwohl sie es gar nicht nötig gehabt hätte. Hat sie doch außerdem das "Grüne Abitur", den Jägerschein.

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Doch die Frau, die mit Hingabe alle fränkischen Braten in ihrer Küche sonntags rauf- und runterdekliniert, Burger en passant als Kunstwerke auf den Tellern arrangiert und sich auch noch als Grillmeisterin am Outdoorgrill im Biergarten über die Schulter blicken lässt, ist eben auch eine Meisterin, wenn es um Vegetarisches geht. Bei Böllners haben Hochzeitsfeiern Tradition ("im Sommer an fast jedem Samstag"). Und diese Hochzeiten werden mehr und mehr auch mit vegetarischem Essen, sogar ausschließlich vegetarisch gewünscht. "Wir hatten sogar schon eine vegane Hochzeit!"

Vegetarische Gerichte überzeugen

Zwar hat die passionierte Jägerin es auch schon geschafft, manchem Paar einen regionalen "Anstandsrehbraten" unterzujubeln. Doch sie erzählt gerne und mit Stolz von den Momenten am Büfett, wo jemand sagt: "Was is'n des? Ich waas ned, ob ich des mooch." Wer das Vegetarische gekostet hat, kommt wieder und will genau davon einen Nachschlag. Gefülltes Gemüse mit Couscous, Rosinen und Mandeln in Tomatensugo etwa, oder vielleicht Kürbis-Gnocchi mit Ofengemüse? Oder lieber Spargelcremesuppe und Gemüsepastete? "Das macht Spaß", lacht Sandra Böllner, selbst wenn sie aus Sojamilch Sauce Hollandaise zaubern muss.

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Die Hochzeiten bekommen manchmal intern einen Spitznamen, das sei aus dem Gespräch mit ihr verraten. Klar, was die "Leberkäs-Hochzeit" war. Als Nacht(!)speise gab es 13 Sorten Leberkäse. "Der Vadder hätte 20 gemacht, wenn ich ihn gelassen hätte!" Oder die "amerikanische Hochzeit": Zwei New Yorker kamen durch ihr Studium nach Bamberg und auch in den Steigerwald durch eine Wanderung. In den Biergarten Böllner verliebten sie sich und machten einen Termin aus. Doch es kam nicht dazu, Sandra Böllner steht mit ihnen in telefonischem Kontakt. Schnell ist sie wieder ganz ernst: "Ich hab mit denen gegrinna", sagt sie und da spürt man ihr großes, mitfühlendes Herz. Von beiden Partnern sind Vater und Mutter an Corona erkrankt, Freunde, Verwandte, ihre Schilderungen sind erschütternd.