Dicht an dicht beisammen sitzen, in geselliger Runde anstoßen und später vielleicht zum Klang der Band tanzen: In der anhaltenden Corona-Krise mit Mundschutzpflicht und Abstandsregeln scheint so ein ausgelassenes Szenario surreal. So wurden auf Anordnung der Bundesregierung am 15. April alle Großveranstaltungen bis einschließlich 31. August 2020 untersagt. Getroffen hat das auch traditionelle Feste im Landkreis Haßberge, darunter die Weinfeste in Zeil und Sand sowie die Eltmanner Biertage.

Altstadt-Weinfest im Herbst?

"Leider muss das Zeiler Altstadt-Weinfest 2020 wegen der Corona-Pandemie entfallen", ist auf der Homepage des Traditionsfestes zu lesen. Statt vom 1. bis 3. August 2020 findet das 36. Altstadt-Weinfest erst vom 31. Juli bis 2. August 2021 statt.

Die Absage ist "mit Bedauern aber viel Verständnis" von Veranstaltern, Mitwirkenden und Gästen aufgenommen worden, wie Thomas Fensel vom Förderkreis Zeil berichtet. In finanzieller Hinsicht hat der Ausrichter aber wenig zu bedauern: "Für uns als Veranstalter ist es kein großer Schaden." Die Verträge wurden wegen der Coronapandemie unter Vorbehalt geschlossen - und gelten auch im nächsten Jahr. "Die Arbeit ist also nicht umsonst gemacht."

Doch nicht alle können so einfach eine Absage des gesamten Festes verkraften, wie Fensel erklärt: "Vereine, Zulieferer, und viele mehr trifft es schlimm, denn sie haben ja kein Geschäft in diesem Jahr."

Eine Terminverlegung in den Herbst kam für das Komitee nicht in Frage. "Es ist ein Open-Air-Sommerfest und die Wetterlage ist im Herbst viel zu unstabil", sagt Fensel. Hätte er selbst die Entscheidung treffen müssen, ob das Zeiler Altstadt-Weinfest ausfällt, so hätte er sich auch für eine Absage stark gemacht: "Wer ned ganz blöd ist, akzeptiert die Entscheidung." Denn die Gesundheit gehe vor. So betont er, dass nicht nur die Besucher, sondern vor allem auch die vielen ehrenamtlichen Helfer andernfalls einem großen Ansteckungsrisiko ausgeliefert wären.

Dienstleister trifft es hart

Auch auf der Homepage des Altmain-Weinfestes in Sand werden Besucher mit folgenden Worten begrüßt: "Liebe Weinfest-Freunde, aufgrund des Beschlusses der Bundesregierung vom 15. April 2020 müssen wir leider mitteilen, dass das Altmain-Weinfest dieses Jahr nicht stattfinden kann."

Roland Mahr, Vorsitzender des Organisationskomitees, sagt dazu, dass "es eigentlich alle Schade finden, dass man heuer nicht feiern kann oder darf". Der Veranstalter sei natürlich enttäuscht, müsse sich aber den gegebenen Umständen anpassen. "Alternativtermine kamen schon aufgrund der weiterhin unsicheren Lage nicht in der Diskussion", sagt der Vorsitzende.

"Organisatorisch waren die Vorbereitungen ziemlich abgeschlossen - bis auf den Endspurt." Überraschend kam die Anordnung von oben aber nicht: "Wir hatten eigentlich schon seit längerem damit gerechnet und dementsprechend unsere Planungen gestaltet." So dürfen, wie Mahr erzählt, auch im Jahr 2022 Bands und Dienstleister quasi als Ausgleich für dieses Jahr auftreten. Dennoch ist das - ähnlich wie in Zeil - für diese nur ein schwacher Trost: "Finanziell trifft es hauptsächlich unsere Lieferanten und Dienstleister. Für alle Lieferanten ist der entgangene Umsatz ein schwerer Schlag. Den Umsatz unseres Festwochenendes machen sie sonst nur in einem längeren Zeitraum." Für die Vereine und das Organisationsteam seien bisher geringere Summen, etwa 2000 Euro, angefallen.

Mahr und sein Team bitten auf der Homepage deshalb darum, die regionalen Lieferanten zu unterstützen und zum Beispiel Weine für Zuhause einzukaufen, damit das Altmain-Weinfest 2021 wie gewohnt stattfinden kann.

Eltmanner Biertage

Auch die 28. Eltmanner Biertage, die seit den 90ern jährlich stattfinden, fallen heuer aus. Das Fest wurde vom 18. und 19. Juli 2020 auf das Wochenende vom 24. und 25. Juli 2021 verschoben. "Die Verlegung auf einen späteren Zeitpunkt im laufenden Jahr gestaltete sich nicht nur termin- und wetterbedingt äußerst schwierig, sondern auch hinsichtlich der Veranstaltungsvorbereitungen", sagt Claudia Reinwand von der Stadt Verwaltung Eltmann.

"Musikgruppen sind seit letztem Jahr unter Vertrag, der Programmablauf für die zwei Tage stand fest und die verschiedenen Eltmanner Vereinen und Gruppierungen mit den Essensständen und Getränkeständen haben bereits Vorbereitungen getroffen", schildert sie die Situation vor dem 15. April. Dann kam die Pressekonferenz und einhergehend damit die große Absagewelle. Doch viele Firmen und bereits gebuchte Bands seien laut Reinwand sehr kulant gewesen und hätten unter anderem auf Stornierungsgebühren verzichtet.

Auch in Eltmann steht man hinter der Entscheidung der Bundesregierung: "Wir sollten kein Risiko eingehen, die Gesundheit geht vor, somit waren wir erleichtert, dass die Bundesregierung bis zum 31. August 2020 Veranstaltungen untersagt", sagt Reinwand. Zwar sei es schade, "aber wir blicken voraus". So wurden beispielsweise die Musikgruppen, die in diesem Jahr gebucht waren, bereits für die Eltmanner Biertage im kommenden Jahr unter Vertrag genommen.

Die Absage der Feste - und somit die Entscheidung der Bundesregierung - wird von den Veranstaltern im Landkreis im Hinblick auf das Ansteckungsrisiko befürwortet. Schade ist es aber, dass die Dienstleister unter der Krise leiden müssen, wie Fensel meint. Er befürchtet, dass die Absagewelle diese Betriebe sehr hart treffen wird. Ob alle Dienstleister dann im nächsten Jahr noch dabei sein werden, das bleibe zu hoffen.

Für die Bürger im Landkreis und die Veranstalter ist es das erste Mal, dass ihre traditionellen Feste nicht stattfinden können. Doch Fensel bleibt optimistisch: "Die Sandkerwa in Bamberg gab es auch einmal nicht, davon ist die Welt auch nicht untergegangen."