Kein Zweifel, zwischen Ebelsbach, Eltmann, Zeil und Knetzgau liegt im Moment ein Straßenbau-Knotenpunkt im Landkreis; theoretisch könnte man den Mainbrückenbau zwischen Unter- und Obertheres dazurechnen. Es sind natürlich unterschiedliche Baustellen, doch die Auswirkungen auf den Autofahrer sind alle gleich. Hier geht's nicht weiter.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Die Sanierung der Brücke Zeil-Sand ist beendet, das Gerüst zum Wochenende abgebaut und die Straße somit wieder frei. Bahn frei demnächst auch zwischen Ebelsbach und Eltmann, wenn der Rest der bisherigen Bundesstraße 26 hergerichtet ist, damit sie als künftige Staatsstraße an den Freistaat Bayern übergeben werden kann. Einzig ein Verkehrshindernis wird 2021 erhalten bleiben: die Sander Straße in Zeil.

Schneller geht's einfach nicht

Stimmen, wonach man das doch alles hätte anders terminieren und planen können, treten die Verantwortlichen entgegen. So unterstreicht Alfons Schanz, der Leiter des Kreistiefbauamtes, dass man "mit Herzblut" Woche für Woche vor Ort diskutiere und immer dran sei, die Abläufe zu koordinieren und zu überprüfen. Firmen könnten nicht zu bestimmten Zeitpunkten, Maßnahmen müssten verschoben werden. Solche Stressmomente kennt auch der private Häuslebauer.

Schanz versicherte auf Anfrage, es werde jede Möglichkeit für kurze Wege genutzt. Beispielsweise wird die Sander Straße mindestens über die Weihnachtswochen geöffnet, weil es da keine Bauaktivität gibt. Vorher soll die Asphaltdecke, auch eine Qualitätsfrage, in großen Flächenabschnitten und mit wenigen Fugen gezogen werden.

Neue Uferbereiche

Eingeplant und fachlich abgesprochen war ferner die Ufersicherung zur Altach. Die Böschungen, so Schanz, "waren ausgekolkt, neues Flussbaumaterial ist wieder neu eingebaut worden". Da sprachen die Fachleute von Wasserwirtschaftsamt und Unterer Naturschutzbehörde ein Wörtchen mit. "Das wird hinterher alles nicht gesehen", meint Schanz.

Nach dem Jahreswechsel sollen mögliche milde Wintertage genutzt werden, um früh wieder einzusteigen. Schanz kann etliche Gründe nennen, warum man die Sander Straße, wie von manchem Zeitgenossen leichthin gefordert, nicht einfach in einem Zug zackzack durchsanieren kann. "Bautechnisch geht das gar nicht", erklärt der Straßenbaufachmann grundsätzlich. Zum einen muss man bei einem "Vollausbau" ja das alte Material ausbauen, Boden verbessern, mit Baufahrzeugen rangieren und Material lagern. Würde man das alles in einem Zug machen wollen (über eine Tiefe von teilweise fünf Metern), so hätte man dazu gar keinen Platz.

Arbeit am "offenen Herzen"

Dazu kommt, dass gerade bei Erneuerung und Sanierung eines ganzen Leitungsnetzes wie hier die reguläre Funktion erhalten bleiben muss. Hauptkanalstrang, Wasserleitung, Gas, Strom, Telefonkabel, Breitband, Beleuchtung - dies alles auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen bei gleichzeitiger Leitungsnutzung, das erfordert teilweise Umleitungen und Ringschlüsse. Der Hauptabwasserkanal liegt mittig in der Sander Straße, und gerade im Bahnbereich wegen der nötigen Sicherheitsabstände bis zu fünf Meter tief. Zeit und genaue Absprachen wird es im Frühjahr brauchen, wenn man das Leitungsnetz peu a peu unter der Bahn durchpresst. Auf jeder Seite der Bahnlinie werden dann zwei große Kopfgruben gebaggert. "Es wird beidseitig der Bahn alles neu durchgepresst und beidseitig neu angebunden. Damit werden die Leitungsnetze auf beiden Seiten der Bahn vollständig erneuert. Das passiert alle 50 Jahre", betont Alfons Schanz und findet den Begriff der Arbeit am "offenen Herzen" gar nicht so unpassend.

Zum Straßenbau skizziert Schanz, dass der moderne Aufbau einer Straße mit Unterschicht (Erdplanum), Frostschutzmaterial (Schotter) und Asphalt ein Garant für eine lange Lebensdauer einer Straße ist. Durch den planen Unterbau müssen Schotter und Asphalt auf Dauer trockengelegt werden, der Straßenkörper muss erst komplett aus und neu eingebaut werden. Dazu kommen regelmäßige Festigkeits- und Tragfähigkeitsprüfungen. "Das kostet alles Zeit. So viel neue Infrastruktur fällt nicht vom Himmel, das muss nach geltenden Regelwerken fachlich ordnungsgemäß durchgeführt werden. Zeil hat hier jedenfalls für viele Jahrzehnte Ruhe."

Tolle Leistung

Der Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann war zu vielen Jour Fixes an der Baustelle. Die Stadt erneuert alle Gehsteige.

Für ihn ist es in der Zusammenschau die große Leistung, dass in der Kombination mit den vielen Bauabschnitten unter Aufrechterhaltung des alten Versorgungsnetzes und der Zufahrten zu allen Grundstücken (vor allem der Gewerbetreibenden) die Baumaßnahme funktioniert und voll im Zeitplan liegt. Zeil hat sich bei der Sander Straße schon gut auf die Zukunft eingerichtet, denn mitverlegt werden Leerrohre, in denen künftig notwendige Leitungen verlegt werden können. Dass die Anlieger bei alledem viel Geduld bewiesen, ist ihm eine Freude.

Unter dem Strich läuft das Vorhaben. 70 Prozent Zuschuss gibt es für die Straßenbaumaßnahmen, die Stadtverwaltung wird baldmöglichst kalkulieren, wie der Kanalbau (Hauptstrang) am besten auf alle umgelegt wird. Möglich sind Beitragsbescheide oder aber eine Erhöhung der Abwassergebühren.