Verstaubte Familienalben oder verloren gegangene Bilder gibt es beim Eberner Steffen Schanz nicht. Tausende Aufnahmen hat der Fotograf und Stadtführer zuhause in einem kleinen Zimmer, seiner "Bilderkammer", archiviert. Auf den Regalen an der Wand tummelten sich früher etliche Dias, Filmstreifen und Fotoboxen. Heute sind viele der Regale verschwunden, die Wände deutlich leerer. Doch noch immer beinhaltet die "Bilderkammer" abertausende Fotos - gesammelt auf dem Computer. Dank vier interner und vier externer Festplatten ist das Archiv "doppelt und dreifach gesichert", wie Schanz erklärt.

Qualität der Aufnahmen variiert

Der Fotograf klickt sich durch die vielen digitalen Ordner. Sortiert sind sie nach den Familiennamen der Privatleute, die ihre Familienalben zum Einscannen zur Verfügung stellen. Egal ob Bilderplatten, Filmstreifen, Negative oder Fotos: Mit speziellen Scannern schafft es Schanz, die Bilder in guter Qualität zu digitalisieren. Film-Negative seien immer in schwarz-weiß und in super Qualität, so der Fotograf. Der gelbliche Farbton Sepia entstehe beispielsweise dann, wenn Bilder einer Lichtquelle ausgesetzt sind. Dank spezieller Computer-Programme kann die Qualität aber nachgebessert werden. "Am besten ist es, alte Fotos in Boxen dunkel und trocken zu lagern", weiß der Mitbegründer und heutige Vorsitzende des Foto-Creativ-Kreises.

Erinnerungen wecken

Damit die Bilder gesehen und Erinnerungen lebendig bleiben, hält er ab und an einen Vortrag mit dem Titel "Ebern im Wandel der Zeit", welcher aus einer gleichnamigen Ausstellung des Fotoclubs hervorgegangen ist.

Auch auf seiner Facebookseite veröffentlicht Schanz gerne alte Fotos und tauscht mit den anderen Nutzern Erinnerungen aus. Der Eberner weiß, welche Motive große Neugierde wecken. "Bilder vom Eberner Schwimmbad gehen immer", da viele Bürger positive Gefühle mit dem Freibad verbinden. Auch Aufnahmen vom alten Bahnübergang oder dem Bahnhof samt ehemaliger Kneipe sind gefragt. "Da gab es aus dem Fenster heraus immer Pommes und Gögerla", sagt Schanz mit einem Grinsen. Beliebt seien auch die Bilder vom Marktplatz, bevor dieser durch den Straßenbau 1954-57 "sterilisiert" wurde. "Man erkennt auf den Bildern noch Bäume, Vorgärten, Treppen und den Athene-Brunnen", schwärmt Schanz. Die älteste und noch gut erhaltene Aufnahme stammt aus dem Jahr 1894 vom Eisenbahnbau.

Solche historischen Aufnahmen gibt es selten, schließlich war das Fotografieren längst nicht so selbstverständlich und einfach wie heute. "Es war früher völlig anders. Da hat man untereinander im Fotoclub gefragt, welchen Film man benutzt oder darüber diskutiert, welcher Entwickler der Beste ist. Man hat auch oft nach Essig gerochen, weil man viel Zeit in der Dunkelkammer verbracht hat", sagt der Fotograf und lacht.

Die große Mühe, die hinter jeder einzelnen Aufnahme steckt, und die vielen Stunden, die Schanz ins Digitalisieren investiert hat, sollen nicht umsonst gewesen sein. Eines Tages möchte er sein Archiv dem Eberner Heimatmuseum überlassen. Doch zunächst steht ein neues Projekt an: "Ich weiß noch nicht wann, aber ein Buch über besondere Eberner Bilder wird kommen", verkündet Schanz.