"Ein grundlegender Wandel", sagt Steffen Schanz. Das einstmals kostenintensive Hobby Fotografie hat sich dank der Digitaltechnik zu einem Massenphänomen entwickelt. War früher aufwendige Ausrüstung erforderlich, um mit der Spiegelreflexkamera anspruchsvolle Fotos zu schießen, so steckt heute schon raffinierteste Kameratechnik in Smartphones der mittleren Preisklasse. "Knipsen" ist kinderleicht und für jedermann möglich geworden.

Steffen Schanz aber steht für anspruchsvolle, qualitativ hochwertige Fotografie. Der Mitbegründer und heutige Vorsitzende des Foto-Creativ-Kreises in Ebern hatte 1975 erste Erfahrungen mit einer geliehenen Spiegelreflexkamera gesammelt. "Das war eine Minolta, die ich mir von einem Freund geliehen habe, weil ich mir nach dem Abi und dann beim Bund selbst keinen Fotoapparat leisten konnte." Die Begeisterung für das Fotografieren hat den damals 21-Jährigen nicht mehr losgelassen. Die erste eigene Kamera, eine Olympus OM2, dazu ein Normal- und ein Teleobjektiv, erwarb er 1980 mit Geld, das er sich als Aushilfstankwart nebenher verdient hatte.

Damals war noch alles analog und statt eines Chips mit soundsovielen Gigabit Speicherkapazität mussten damals Filmspulen mit 36 Aufnahmen ins Kameragehäuse eingefädelt werden. Auf gut Glück drauflos knipsen, wie man dies heute kennt, weil Speicherkarten problemlos wieder gelöscht werde können, war damals aus Kostengründen nicht möglich. Motive wurden mit Bedacht ausgewählt, Blende und Belichtungszeit sorgfältig eingestellt. Trotzdem war das Ergebnis, das der Fotograf nicht sogleich auf einem Display betrachten konnte, oftmals eine Überraschung, erinnert sich der heute 65-Jährige.

Seit den 70er Jahren feierte die Farbfotografie ihren Triumphzug, doch die Welt des begeisterten Jungfotografen Schanz blieb zunächst weitgehend eine Frage der nuancierten Weiß-, Schwarz- und Grautöne. Farbfilme waren teuer und Schwarz-Weiß-Bilder konnte man im eigenen Labor herstellen.

Schanz zeigt die metallene Entwicklungsdose, in die der belichtete Film bei absoluter Dunkelheit gespult werden musste, um ihn nach exakten Zeitvorgaben in Entwickler- und in Fixierflüssigkeit zu bewegen und anschließend ausgiebig zu wässern. Bei Rotlicht verbrachten Schanz und Freunde oft Stunden im Fotolabor, um mit Hilfe von Fotopapier (bevorzugt aus Osteuropa), Entwickler- und Fixierbad Schwarz-Weiß-Abzüge zu fertigen. "Das Zeug hat gestunken", erinnert sich Schanz. Und oft genug störte eine Wimper oder eine Fluse auf dem Negativ das mühsam erarbeitete Gesamtergebnis. Auch berichtet der Ruheständler von den engagierten Diskussionen unter den Mitgliedern des 1979 gegründeten Fotoclubs. Man philosophierte über den Film mit der feinsten Körnung, den besten Entwickler und das geeignetste Fotopapier. "Zu der Zeit haben wir unheimlich viel experimentiert", sagt Schanz.

Heute spricht man nicht mehr von Korn, sondern von Pixeln, um die technische Qualität eines Bildes zu bewerten.

"Fotografieren kann ganz schön teuer sein", gesteht der Eberner, der seine Brötchen als Elektroingenieur bei der Firma Kugelfischer/FTE verdiente. Er erinnert sich, bei einer Fotoreise des Clubs, die als Safari nach Namibia führte, mehr als 50 Filme "verschossen" zu haben - inzwischen bereits Diafilme und in Farbe. "Pro Film musste man damals sechs Mark rechnen, das gleiche nochmal für Entwicklung und Rahmung." Gutes Material zu wählen und die Bilder lichtgeschützt aufzubewahren, zahlte sich aus, wie Schanz vor allem dann feststellte, als er in späteren Jahren rund 30 000 Dias einscannte. Billiges oder schlecht fixiertes Material war verblichen oder rötlich verfärbt.

Seit Mitte der 90er Jahre standen Programme zur Bildbearbeitung am PC zur Verfügung und die analoge Fotografie kam mit Fortschreiten der Digitaltechnik zunehmend aus der Mode. Sie war auch durch Innovationen wie einem vergrößerten Sensorformat (APSC) nicht mehr zu retten. Viele Hersteller gaben auf, Geschäfte schlossen und Fotoclubs, deren altgediente Mitglieder sich der neuen Technik verweigerten, verschwanden von der Bildfläche. Eine ganze Branche stand am Scheideweg.

Die Foto-Creativen in Ebern machten digital weiter und erarbeiteten sich durch den Austausch im Club, durch Workshops, Wettbewerbe, ständiges Üben und technisches Aufrüsten hohe Qualitätsstandards. Dabei hat ihr ambitioniertes Hobby bis heute einen stattlichen Preis. Für eine richtig gute Spiegelreflexkamera kann man laut Steffen Schanz heute "locker 3000 bis 4000 Euro" hinblättern.

Dabei macht es die Technik nicht allein, denn zu einem guten Fotoergebnis tragen gemäß seiner Einschätzung zu 50 Prozent auch die Bildidee und das Motiv bei. Weiterhin erledigt der Fotograf heute die Hauptarbeit nicht mit dem Auge hinter dem Sucher und dem Finger am Auslöser, sondern zu mindestens genauso großen Teilen auch beim Bearbeiten am PC. "Puristen bei uns im Verein bearbeiten höchstens die Helligkeit und den Kontrast, aber richtig kreative Bilder, die auch zu Wettbewerben eingereicht werden, sind eigentlich immer stark bearbeitet", berichtet er.

Viele seiner eigenen Werke haben schon Preise gewonnen. Viele zeigt er auf Instagram und schätzt die spontanen Reaktionen. "Das gehört zum Hobby", findet er: "so eine Art Jagdfieber auf der Suche nach Motiven und genauso, der Wunsch seine Bilder zu zeigen und beurteilen zu lassen." Er hat rund 1800 Bewunderer bzw. "Follower".

Im ehemaligen Xaver-Mayr-Haus am Fuße des Stadtbergs trug Schanz mit Unterstützung von Club-Kollegen und Mitgliedern des Bürgervereins 2013/14 eine sehenswerte Sammlung zusammen - eigene Kameras, Schenkungen aus der Bevölkerung, die Sammlung des früheren Creativ-Kreis-Vorsitzenden Gunther Ziegler und Relikte aus dem 2018 geschlossenen Photo- und Kameramuseum in Zeil. Demnächst wird er seine Vitrinen verlagern müssen, weil der Xaver-Mayr-Galerie ein Umbau bevorsteht, doch die Rückkehr ins erste Stockwerk des einstigen Modehauses ist geplant. "Vielleicht", hofft Schanz, "wird mal eine kleine Abteilung des Heimatmuseums draus". Wer die Gelegenheit nutzen und sich eine Vorstellung von der rasanten Entwicklung der Fototechnik verschaffen will, kann sich über den Bürgerverein, Rufnummer 09531/4756, mit Steffen Schanz in Verbindung setzen.

Wenn der zweifache Vater und Großvater heute Fotos von seinen Enkeln schießt, dann nimmt er öfter mal das Smartphone zur Hand. Einerseits überzeugt ihn die ausgereifte Technik, die automatisch drei mögliche Belichtungsstufen in ein Bild einrechnet. Zudem ist das kleine Ding eben schneller zur Hand. "Fotografieren ist zu einem Massenphänomen geworden", bestätigt er und empfindet dies als Bereicherung.