Das Sonnenlicht fällt durch die großen Fenster und taucht den Raum in ein angenehm warmes Licht. In der Raummitte hängt ein prunkvoller Kronleuchter, die Decke ist mit Schwänen verziert. Zwei Büsten von Goethe und Schiller stehen an gegenüberliegenden Enden des Zimmers. In den Regalen reiht sich Buch an Buch. Was früher das Musikzimmer der Coburger Herzöge war, ist heute ein Lesesaal der in der Ehrenburg angesiedelten Landesbibliothek.

An einem der Lesetische im Raum steht Silvia Pfister. Seit 18 Jahren ist die zierliche Frau mit Brille und grauen Haaren Direktorin der Landesbibliothek Coburg. Zum Schutz der Bücher trägt Pfister weiße Handschuhe. Denn die Exemplare, die sie an diesem Morgen begutachtet, lagern normalerweise im Magazin gut verschlossen hinter dicken Tresortüren.

Parallel zum Bau von Schloss Ehrenburg entstanden

"1543 wurde mit dem Bau der Ehrenburg begonnen, parallel entstand auch die Bibliothek", erzählt die Direktorin. Bauherr war Herzog Johann Ernst von Sachsen-Coburg, aus dessen Besitz heute noch vier Bücher erhalten sind, wie Pfister berichtet. Die ältesten Werke im Magazin der Landesbibliothek stammen indes aus dem 15. Jahrhundert.

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Die Geschichte und der Bestand der Bibliothek sind eng mit den politischen Ereignissen der jeweiligen Zeit verbunden. Im Schmalkaldischen Krieg (1546 bis 1547) etwa verloren die Ernestiner ihre Kurfürstenwürde und die damit verbundene Möglichkeit, das Erstgeburtsrecht einzuführen. "In der Folge entstanden viele kleine Herzogtümer, welche immer wieder geteilt und neu zusammengesetzt wurden. Davon betroffen waren auch die Büchersammlungen."

"Im 17. Jahrhundert brachte dann Herzog Albrecht einen Schwung Bücher aus Gotha mit nach Coburg", erzählt Pfister. "Wir haben auch Bücher, die vorher am Weimarer Hof waren." Durch die engen historischen Verbindungen nach Mitteldeutschland ist die Landesbibliothek Coburg, was ihren historischen Bücherbestand betrifft, "keine bayerische Bibliothek", wie Pfister erklärt. "Etwas über die Wittelsbacher finden Sie hier nicht."

100 Jahre "Coburg zu Bayern"

Am 1. Juli 1920 vereinigte sich der Freistaat Coburg mit dem Freistaat Bayern. Die Coburger Bevölkerung hatte sich im Jahr zuvor bei einer Volksbefragung gegen einen Zusammenschluss mit Thüringen und damit für einen Zusammenschluss mit Bayern ausgesprochen. Um das Kulturgut des einstigen Herzogtums und kurzzeitigen Freistaats zu schützen, wurde die Coburger Landesstiftung gegründet.

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Erst 1973 ging die Landesbibliothek in die Verwaltung des Freistaats Bayern über - "unter Wahrung ihrer historisch-traditionellen Bindung an Coburg", wie es im zugehörigen Übereinkommen heißt. Der Übereinkunft vorausgegangen waren lange und zähe Verhandlungen. Denn: "Bei vielen Büchern aus der Hof- und Staatsbibliothek ließ sich nicht mehr klären, wem die Bücher gehören", berichtet Pfister. "Die Eigentumsfrage ist bis heute unklar."

Die besondere Rolle der Coburger Büchersammlung wird auch in deren Namen deutlich. Sie ist die einzige Landesbibliothek in Bayern und erinnert so noch heute an den einst selbstständigen Coburger Staat.