Laden...
Coburg
Sehenswürdigkeit

Schloss Ehrenburg in Coburg: Wo sich einst Queen Victoria und Kaiser Wilhelm II. trafen

Seit Ende Mai steht das Coburger Schloss Ehrenburg wieder für Besucher offen. Mit Maske und Abstand finden Führungen durch die historischen Räume statt, in denen schon Queen Victoria und Kaiser Wilhelm II. weilten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Ehrenburg in Coburg hat wieder für Besucher geöffnet. Eigentümer des Schlosses ist die Bayerische Schlösserverwaltung. Fotos: Rebecca Vogt
Die Ehrenburg in Coburg hat wieder für Besucher geöffnet. Eigentümer des Schlosses ist die Bayerische Schlösserverwaltung. Fotos: Rebecca Vogt
+1 Bild

Auf diese Gästeliste wäre wohl so ziemlich jeder, der sich für Geschichte begeistert, neidisch: 1894 heirateten in Coburg Prinzessin Victoria Melita und Großherzog Ernst Ludwig von Hessen. Gefeiert wurde im Riesensaal des Coburger Schlosses Ehrenburg. Unter den Gästen der europäische Hochadel: von Kaiser Wilhelm II. über den späteren russischen Zaren Nikolaus II. bis hin zu Queen Victoria.

Die Hochzeitsfeier war nicht das einzige Mal, dass sich historische Persönlichkeiten in Coburg die Ehre gaben. 1863 etwa trafen im Riesensaal der Ehrenburg Kaiser Franz Joseph von Österreich und Queen Victoria aufeinander. Eine Wandtafel erinnert daran.

Nach Corona-Lockerungen: Führungen wieder möglich

Franziska Bartl, Mitarbeiterin im Schlossbetriebsdienst, verweist auf die Tafel, während sie von den illustren Gästen der Ehrenburg erzählt. Sie kennt die Geschichte des historischen Baus in- und auswendig. In Führungen gibt sie ihr Wissen an die Besucher weiter. Aufgrund der Corona-Pandemie musste das Schloss Ehrenburg im März seine Türen für Besucher schließen. Seit dem Pfingstwochenende sind unter Auflagen wieder Führungen erlaubt, wie Bartl berichtet.

Vier Personen dürfen maximal an einer Führung teilnehmen, bei Familien sind es sechs. Vor Corona bestand eine Führung aus bis zu 25 Personen. Der Rundgang beschränkt sich aktuell auf das obere Stockwerk, im unteren seien die Räume zu klein, erklärt Bartl. Es werde aber nach wie vor "ein Großteil der normalen Standardführung" gezeigt.

Das Tragen einer Mund-Nase-Maske ist Pflicht. Die Fremdenführer tragen während der Führung ein durchsichtiges Visier vor dem Gesicht. Auch die Abstandsregeln müssen bei den Führungen eingehalten werden. In den Zimmern sind dazu bunte Punkte auf dem Boden ausgelegt.

Ab neun Uhr Führungen im Halb-Stunden-Takt

"Das Angebot wird überraschenderweise gut angenommen", freut sich Bartl. "Ich hatte es anders eingeschätzt und gedacht, die Leute wären zurückhaltender." Ab neun Uhr morgens werden aktuell alle halbe Stunde Führungen angeboten. Eine Führung dauert rund 45 Minuten. (An Montagen ist die Ehrenburg meist geschlossen.)

Lesen Sie auch: Besucherzahlen brechen ein: So hart trifft Corona die Bamberger Tourismusbranche

Besucher müssen sich vorab nicht anmelden. Ist aufgrund der Teilnehmerbegrenzung die nächste Führung schon belegt, könne man sich vor Ort für eine bestimmte Zeit in eine Liste eintragen und müsse so nicht bis zum Beginn der Führung am Schloss warten, erklärt Bartl.

Die Coburger Ehrenburg ist reich an Historie. Herzog Ernst I. dient als Leitfigur für die Führungen, wie Bartl erzählt. Er ist der Vater Prinz Alberts, dem späteren Ehemann Queen Victorias. Ernst I. sei der große Bauherr der neueren Zeit in der Ehrenburg gewesen, berichtet Bartl. So ließ er etwa die Spiegel im Riesensaal einbauen.

Aufzug und Toilette: Im 19. Jahrhundert hielt die Technik Einzug

In einem der Zimmer, die während der Führung gezeigt werden, verweist Bartl auf eine ins Zimmer ragende runde Wand. Im 19. Jahrhundert erhielt die Ehrenburg einen Aufzug. "Er wurde zur Zeit Queen Victorias eingebaut, aber nicht für sie, was gerne erzählt wird", sagt Bartl.

Auch interessant: Post von der Queen: Fränkischer Künstler erhält Brief aus Windsor Castle

Die berühmte englische Königin weilte einige Male in der Vestestadt. In der Ehrenburg nächtigte sie im herzoglichen Schlafzimmer. Eine Zeichnung von Schloss Windsor hängt über dem Bett, wie Bartl anmerkt.

Neben dem Bett steht indes eine Toilette aus England, die in den 1860er Jahren in der Coburger Ehrenburg aufgestellt wurde. Sie hat sogar eine Spülung und war äußerst fortschrittlich für die damalige Zeit.