In Bamberg treten am Sonntag (26. September 2021) 14 Kandidaten und Kandidatinnen zur Bundestagswahl an und kämpfen um das Direktmandat. Doch die aktuellen Wahlkreisprognosen aller Plattformen kennen nur einen Sieger - das Ergebnis der Vorhersagen stimmt nicht mit dem Bundestrend überein. Außerdem: Welche Aussagekraft die Prognosen auf regionaler Ebene haben. 

Bundestagswahl in Bamberg: Holt Thomas Silberhorn (CSU) zum sechsten Mal den Direktsieg?

Das Prognoseportal election.de sagt im Bundestagswahlkreis Bamberg-Forchheim einen klaren Sieger voraus: Thomas Silberhorn von der CSU. Silberhorn sitzt bereits seit 2002 im höchsten deutschen Parlament und vertritt dort die Wählerschaft der Stadt Bamberg sowie der Landkreise Bamberg und des Kreises und der Stadt Forchheim. Laut der Plattform hat SPD-Kandidat Andreas Schwarz kaum eine Chance. Die Website gibt für Silberhorn eine 94-prozentige Wahrscheinlichkeit aus, das Direktmandat zu gewinnen. Ähnlich deutlich wird das Dashboard der Süddeutschen Zeitung bei der Wahlkreisprognose. Die Wahrscheinlichkeit, dass Thomas Silberhorn für die CSU den Sieg nach Hause trägt, sei so hoch, wie "die Wahrscheinlichkeit, bei einem Würfelwurf keine Sechs zu werfen", heißt es.

Weder Andreas Schwarz (SPD) noch Lisa Badum (Grüne) hätten somit reelle Chancen auf das Mandat. Die einzige der drei Prognosen, die den Mitbewerbenden noch Hoffnung machen könnte, ist die Vorhersage von Wahlkreisprognose.de. Hier geht man davon aus, dass der Vorsprung für Thomas Silberhorn am Ende bei maximal sechs bis zwölf Prozent der Erststimmen liegen dürfte. 2017 hatte Silberhorn seinen damaligen und heutigen Hauptkonkurrenten Schwarz mit über 20 Prozent Vorsprung besiegt. Obwohl dieser Abstand stark abgebaut haben könnte, sieht Wahlkreisprognose.de noch immer eine 89-prozentige Wahrscheinlichkeit für einen Sieg des CSU-Rechtsanwalts. Sorgen müssten sich schwarz und Badum aber kaum machen: Sie haben hohe Listenplätze und würden nach aktuellen Umfragen wieder in den Bundestag einziehen. 

Doch die Prognosen der Wahlkreise werden auch häufig kritisch gesehen. Sie beruhen nämlich nicht auf Umfragen vor Ort. Stattdessen berechnen die Analyse-Portale mithilfe von Algorithmen, wie der Bundestrend ist, wer in der jeweiligen Region lebt, ob der Kandidat oder die Kandidatin bereits gewählt ist und weiteres. So kommen die Vorhersagen letztlich zustande. Gegenüber der Zeit hatte der Berliner Politikprofessor Dr. Simon Munzert allerdings bestätigt, dass es möglich sei, ohne Befragungen "Wahlkreistrends zu modellieren". Dabei komme es aber auf die Methodik an. Und die verraten die Plattformbetreibenden äußerst ungern - denn sie sind schließlich ihr Geschäftsmodell. Ob sie für Bamberg stimmen, kann man kommenden Sonntag bei der Bundestagswahl sehen. 

Lest auch: Bundestagswahl im Wahlkreis Bamberg - Alle Kandidaten im Überblick