Etwa jeder vierte Deutsche leidet unter einer gestörten Nachtruhe. Die Ursachen dafür zu diagnostizieren braucht Geduld: Aus klinischer Sicht gibt es über 50 Formen von Schlafstörungen. Betroffene können in einen erheblichen Leidensdruck geraten und körperliche oder seelische Probleme bekommen. Das zeigte sich auch bei der Telefonaktion, die diese Zeitung zum Thema "Endlich besser schlafen" für ihre Leser angeboten hatte: Pausenlos standen unsere Experten Rede und Antwort.

Rat und Hilfe gab es von zwei Chefärzten des Bezirksklinikums Obermain in Kutzenberg. Dort leitet Dr. Saleh Al Hamoud die Lungenfachklinik und das Schlaflabor, wo er sich auf Schlafapnoe, Atemaussetzer im Schlaf und Schnarchen spezialisiert hat. Dr. Nedal Al-Khatib ist Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik und behandelt Schlafstörungen aufgrund psychischer Erkrankungen.

Die Mediziner kennen die Nöte der Betroffenen aus ihrer täglichen Praxis und wissen, dass so mancher Patient an seiner gestörten Nachtruhe verzweifelt. Diese Erfahrung spiegelte sich auch in der Telefonaktion wider: "Schlechter Schlaf ist für viele Menschen ein großes Thema", sagen Al Hamoud und Al Khatib. Sie freuten sich darüber, dass sie in den zahlreichen Telefonaten vielen Menschen zuhören und helfen konnten. Einige Fragen unserer Leser und die Antworten der Ärzte fassen wir im Folgenden zusammen.

Ich habe nachts schlecht geschlafen und hatte sieben Atemaussetzer pro Stunde. Am Tag war ich oft müde. Jetzt habe ich eine Schlafmaske, die kann ich ab er höchstens eine Stunde tragen. Jetzt geht es mir besser. Aber reicht es, die Maske nur so kurz zu tragen?

Es ist schön, dass es Ihnen jetzt besser geht. Das ist allerdings eher ein psychologischer Effekt. Sie sollten die Maske mindestens vier Stunden tragen, um einen langfristigen Effekt zu erzielen. Außerdem bezahlt die Krankenkasse das nicht, wenn sie die Maske zu kurz verwenden.

Ich bin seit zwei Jahren heiser. Kann das mit dem Schnarchen zusammenhängen?

Nein. Schnarchen verursacht keine Heiserkeit. Gehen Sie mal zu einem HNO-Arzt und lassen das untersuchen. Möglicherweise helfen auch Übungen, die Ihnen ein Logopäde zeigen kann.

Meine Schlafmaske ist teilweise defekt, aber mein Arzt will mir kein neues Rezept ausstellen. Was tun?

Sie haben einen Anspruch auf eine Schlafmaske im Jahr. Wenn die Form nicht passt, etwas kaputt ist oder sie eine andere Maske brauchen, muss der Arzt das verordnen.

Ich bekomme Herzrasen, sobald ich meine Schlafmaske trage. Das Gerät wurde kontrolliert, da ist nichts kaputt.

Lassen Sie sich einen Termin bei einem Kardiologen geben. Vielleicht hilft es, einen Event-Rekorder (einführbarer Herzmonitor, Anm. d. Red.) zur Überwachung des Herzschlags zu implantieren.

Ich habe seit vier Wochen eine Schlafmaske, weil bei mir 30 Atemaussetzer pro Stunde festgestellt wurden. Ich finde die Maske unangenehm. Gibt es da keine Alternativen?

Eine anerkannte Therapieoption wäre beispielsweise ein Zungenschrittmacher. Aber das ist aufwändig und mit einer Operation verbunden. Vielleicht versuchen Sie doch zunächst einmal, sich mit der Maske anzufreunden.

Ich nehme ein Medikament gegen unruhige Beine. Das hilft jetzt aber nicht mehr.

Das ist normal, irgendwann sind diese Medikamente ausgereizt. Dann muss man auf ein anderes Medikament umstellen. Besprechen Sie das mit Ihrem Arzt.

Ich nehme seit einiger Zeit Schlafmittel, habe aber Angst, abhängig davon zu werden.

Es gibt durchaus Medikamente, die ein Abhängigkeitspotenzial in sich bergen. Zum Beispiel Zopiclon, das auch nur für eine kurzzeitige Einnahmedauer zugelassen ist. Wenn hier der Arzt nicht aufpasst, muss der Patient die Dosis immer mehr steigern.

Grundsätzlich gilt übrigens, dass die Schlafqualität mit Medikamenten anders ist als ohne. Die Schlafarchitektur, die ein Gesunder hat, wird durch künstliche Schlafmittel sehr gestört. Schlaf mit Schlafmitteln ist nie so erholsam wie ein Schlaf ohne Medikamente.

Ich habe gerade eine Trennung hinter mir, jetzt kann ich nicht mehr schlafen. Was tun?

Hier muss diagnostiziert werden, ob eine primäre und damit hoffentlich vorübergehende Störung vorliegt. Ein solches Ereignis kann aber auch eine depressive Entwicklung in Gang setzen, bei der die Schlafstörung das Hauptsymptom wird. Eine Depression wird anders behandelt als eine isolierte Schlafstörung.

So schlafen Sie besser: Tipps unserer Experten Schlafhygiene Folgende Regeln sollte man beachten, um vor dem Schlafengehen den Organismus herunterzufahren:

- Immer denselben Rhythmus ohne Abweichungen für das Zubettgehen einhalten.

- Vier Stunden vor dem Zubettgehen kein Alkohol, nicht rauchen.

- Zwischen der letzten Mahlzeit und dem Schlafengehen sollten vier Stunden Pause liegen. - 30 Minuten vor dem Zubettgehen nicht mehr fernsehen.

- Hörbuch anhören oder im Bett noch ein bisschen lesen.

Bettrituale So wie man kleine Kinder in den Schlaf wiegt, ihnen vorsingt oder -liest, können sich auch Erwachsene Rituale gönnen. So kann etwa allabendlich ein warmes Kirschkernkissen beim Einschlafen helfen. Oasen Wer viel Stress hat, sollte nicht gleich zu Schlafmitteln greifen, sondern sich Oasen schaffen. Die Experten sagen: Entspannung ist das A und O, zum Beispiel mit der Methode "Progressive Muskelentspannung" (in Kursen oder Anleitungen zum Download im Internet). Grundsätzlich ist viel Bewegung an der frischen Luft angesagt, um nachts schlafen zu können.