• Nürnberg: Chef von Traditionsunternehmen macht sich wegen Energiekrise "große Sorgen"
  • Geschäftsführer hält komplette Produktionsausfälle in seiner Branche für möglich
  • "Sand muss aus Getriebe der Behörden heraus": Scharfe Kritik an Politik und Bürokratie
  • Beschlossene Gasumlage stößt indes auf Zustimmung: "Zumindest kurzfristig richtig"

Der Ukraine-Krieg hat zu explodierenden Energiepreisen geführt. Der Kostenanstieg stellt neben den privaten Haushalten auch zahlreiche Betriebe vor immense Herausforderungen. Vor allem der Chemiebranche setzt der drohende Gasmangel drastisch zu. "Mit Blick auf die Chemieindustrie, deren Produkte wir vertreiben, mache ich mir große Sorgen", betont Robert Späth, Geschäftsführer der CSC Jäklechemie in Nürnberg, gegenüber inFranken.de. An den politischen Entscheidungsträgern übt er teils harsche Kritik. Vor allem ein Punkt ist ihm dabei ein Dorn im Auge.

Energiekrise: Nürnberger Geschäftsführer kritisiert Bürokratie - "Sand muss aus Getriebe der Behörden heraus"

"Der Sand muss aus dem Getriebe der Behörden heraus", fordert Späth. "Bürokratie wuchert immer noch wie ein Krebsgeschwür." Sein Standpunkt: Digitalisierung müsse endlich Prozesse beschleunigen, anstatt sie zu verkomplizieren. "Genehmigungsverfahren sollten keine Investitionen behindern." Den Verantwortlichen wirft er diesbezüglich unzureichenden Weitblick vor. 

"Leider werden Gesetze viel zu wenig auf ihre Wirksamkeit hin überprüft", beklagt der Chef des 1886 gegründeten Nürnberger Chemie-Handelshauses. "Konsequenterweise müsste man unwirksame Regelungen wieder abschaffen." Ein weiterer Kritikpunkt: Kurzfristige Einsparungen im Personal vernichteten oft wertvolles Know-How, sodass es in den Behörden am Ende an Kapazitäten fehle. "Langfristiges Denken über eine Legislaturperiode hinaus, ist leider selten zu finden", moniert Späth.

Laut Späths Auffassung übt Putin durch das Drehen am Gashahn massiven Druck auf den Westen und insbesondere auf Deutschland aus. "Man kann lange diskutieren, wie gerade Deutschland in so eine starke Abhängigkeit geraten ist, aber es ist nun einmal der Fall", konstatiert der Geschäftsführer der CSC Jäklechemie. Sein Lösungsansatz: "Will man dem standhalten, muss man sehr schnell reagieren, um nicht den Zusammenbruch der Energieversorgung zu riskieren."

"Zumindest kurzfristig richtig": Gasumlage stößt grundsätzlich auf Zustimmung

Um die exportierenden Energieunternehmen zu entlasten und das deutsche Energiesystem vor dem Kollaps zu bewahren, hat die Bundesregierung nun eine sogenannte Gasumlage beschlossen. Diese sieht vor, dass sämtliche Gaskunden pro Kilowattstunde 2,4 Cent mehr bezahlen müssen. Neben den Privathaushalten werden auch Firmen zur Kasse gebeten. Für viele Unternehmen stellt die Maßnahme in ihrer ohnehin prekären Lage eine zusätzliche Belastung dar.

"2,4 Cent sind schon ein massiver Betrag", betont Robert Späth. Langfristig wäre dies sicher nach seinem Ermessen nicht für alle Verbraucher tragbar. "Unser Gasverbrauch ist allerdings kein kritischer Kostenfaktor, da wir als Großhändler es nicht als Rohstoff oder Treibstoff nutzen." Die von der Politik auf den Weg gebrachte Gasumlage kann er derweil nachvollziehen. "Energieunternehmen gehören zur kritischen Infrastruktur", hält Späth fest. Die Einbeziehung der Gasverbraucher sei deshalb "zumindest kurzfristig richtig". Späths Überzeugung: "Der Gaspreis wird in absehbarer Zeit nicht wieder auf das alte Niveau sinken. Jeder muss mithelfen, um den Gasverbrauch zu reduzieren."

Der Blick in die Zukunft seiner Branche fällt indes nicht allzu rosig aus. Die chemische Industrie benötigte nach Späths Einschätzung noch acht bis zehn Jahre, um die Produktion auf erneuerbare Energien umzustellen. "Es ist nicht absehbar, ob es gelingt, das Herunterfahren von Produktionen oder gar komplette Ausfälle zu verhindern." Auch die Chemiebranche zähle zur kritischen Infrastruktur, sodass Ausfälle "massive Auswirkungen auf nahezu alle Branchen" hätten. 

"Auch unsere Möglichkeiten sind begrenzt": Nürnberger Chemieunternehmen bangt um Lieferfähigkeit

Hinsichtlich der Energieversorgung sieht Späth vor allem im Freistaat noch Luft nach oben. "Mittelfristig hoffe ich, dass es gelingt, unser Stromnetz in Bayern stabil zu halten und größere Stromausfälle zu vermeiden. Leider sehe gerade das bayerische Energiekonzept bislang vor allem Gas als Übergangslösung vor. "Das ist eine sehr große Herausforderung für die Energieversorger."

Die Wirtschaft müsse deshalb fortan kreativ und innovativ agieren dürfen. Von der Öffentlichkeit erhofft sich Späth hierbei die entsprechende Unterstützung. "Das verlangt von allen, einen Beitrag zu leisten, wenn wir eine große Rezession vermeiden wollen."

Mit Blick auf sein eigenes Großhandelsunternehmen hält der Chef der CSC Jäklechemie fest: "Wir werden unser Bestes geben, um die Lieferfähigkeit aufrechtzuerhalten, aber auch unsere Möglichkeiten sind begrenzt."

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