• Mordprozess in Nürnberg: Liebestoller Mann soll Nebenbuhler in Lauf an der Pegnitz getötet haben
  • Zum Auftakt lässt Staatsanwalt Chat-Protokolle vor Mordnacht verlesen
  • Opfer wurde auf brutalste Art und Weise getötet
  • Freundin soll Täter zur Bluttat angestiftet haben
  • Verteidiger der Frau spricht von konstruierter Märchengeschichte

Mord aus Liebe in Lauf an der Pegnitz? Diese blutige Geschichte könnte den perfekten Plot für einen Fernsehkrimi abgeben. Dieser "Tatort" soll allerdings tatsächlich so in Lauf an der Pegnitz stattgefunden haben.

Im Sommer letzten Jahres soll eine Frau ihren hörigen Geliebten als Handlanger missbraucht haben, um zunächst ihren Freund und danach ihren Ehemann aus dem Weg zu räumen. Dem Mord an dem Ehemann soll die Polizei noch zuvor gekommen sein.  Den Mord am 27-jährigen Freund hat die Polizei laut Staatsanwaltschaft nicht verhindern können. Erst nach der grausamen Tat in einem Waldstück bei Lauf haben die Handschellen bei dem Angeklagten geklickt. Ein Pilzsammler entdeckte am Morgen nach der mutmaßlichen Mordnacht den blutüberströmten Tatort

Angebliche Mord-Anstifterin versteckt sich hinter Aktenordner

Zum Prozessauftakt wirkt der 32-jährige Angeklagte fast schon gelassen. Ohne eine Reaktion zu zeigen, lässt der glatzköpfige Mann mit der Statur eines "Panzerknackers" das Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen. Die gleichaltrige Mitangeklagte, die ihren Bewunderer um die Freveltat regelrecht angefleht haben soll, versteckt sich dagegen hinter einem Aktenordner. Nur die feuerrote Mähne der angeblichen Mord-Anstifterin ist zu sehen.  

Nachdem die Kameraleute aus dem Gerichtssaal in dem Nürnberger Justizpalast wieder verschwunden sind, hat der Staatsanwalt  seinen großen Auftritt. Simon Kroier entwirft in seiner Anklage das Bild eines hörigen Geliebten, der für seine Angebetete sogar zum Mörder geworden sei.

Beinahe genüsslich zitiert der Staatsanwalt aus Chatprotokollen, die sich das ungleiche Pärchen auf der Anklagebank vor der Mordnacht im Internet zugeschickt haben.

"Alle beide bitte wegmachen": Chat-Verlauf belastet Angeklagte

Mit modernen Symbolen der Zuneigung wie Kussmund-Emoticons und Herzchen-Symbolen soll die Frau ihren Bewunderer gefügig gemacht haben. Der Verführte habe sich bezirzen lassen und laut Kroier "bis zur völligen Selbstaufgabe" allmählich seinen Kopf verloren. Er habe seine Ehefrau in Sachsen-Anhalt sitzen lassen und sei nach Lauf gezogen, um der holden Dame mit den roten Haaren ganz nah sein zu können. Dummerweise hätte die Mitangeklagte bereits einen Gatten sowie einen Liebhaber gehabt.

Damit das Paar seine Liebe leben kann, soll die Frau den Angeklagten mehrfach aufgefordert haben, die beiden Nebenbuhler unter die Erde zu bringen. "Alle beide bitte wegmachen", habe die Dame dem Mann laut Chat-Protokoll geschrieben. Der Angeklagte habe geantwortet, den "Pakt mit dem Teufel" eingehen zu wollen und zuerst dem Liebhaber eine tödliche Falle zu stellen.

Unter einem Vorwand habe der Täter sein argloses Opfer in der fraglichen Sommernacht getroffen und brutal ermordet. 27 tiefe Stichwunden und 22 schwere Kopfverletzungen habe das Opfer davon getragen. Rund um den Tatort im Wald sei meterweise Blut auf dem Boden verströmt gewesen. Beim Entdecken des Leichnams am nächsten Morgen muss sich dem Pilzsammler ein Bild des Grauens geboten haben. 

Verteidiger: Frau habe Angeklagten nicht explizit zum Mord aufgerufen

Während der Angeklagte zum Prozessauftakt schwieg, hat die wegen Anstiftung zum Mord mitangeklagte Frau über ihren Anwalt ausführlich von ihrem Aussagerecht gebraucht gemacht. Malte Magold hat dem Staatsanwalt vorgeworfen, eine Märchengeschichte konstruiert zu haben. Nirgendwo habe seine Mandantin den Angeklagten explizit zum Mord angestachelt. Die Darstellung in der Anklageschrift beruhe lediglich auf Hypothesen und Interpretationen, die obendrein komplett falsch seien. Magold habe sich in dem letzten Jahr, in dem sich seine Mandantin in Untersuchungshaft befindet, persönlich davon überzeugen können, dass die Frau mit den roten Haaren keine Mord-Anstifterin sei.

Mancher Beobachter im Sitzungsaal hätte sich bei den rhetorisch geschickten Ausführungen des Strafverteidigers durchaus an berühmte Fernsehanwälte erinnert fühlen können. Umgekehrt hat der Staatsanwalt ebenfalls zur Dramatisierung des Stoffes, wenn vielleicht auch unbeabsichtigt beigetragen, in dem er die Chat-Protokolle von zwei Personen in verteilten Rollen vortragen ließ.

Die Richterin hat sich in ihrer Wortwahl von der Atmosphäre offensichtlich ebenso inspirieren lassen, und ihrerseits das "Vormittagsprogramm" nach rund 75 Minuten am Dienstag (8. September 2020) zum Prozessauftakt in dem trotz Corona und Maskenpflicht gut besuchten Schwurgerichtssaal beendet. Erst im Dezember sollen in diesem Mordprozess die Urteile fallen. Die Zuschauer werden wohl einen spannenden Indizienprozess mit dramatischem Inhalt im Gerichtssaal zu sehen bekommen.