Gleich vier fränkische Teams kämpfen in den nächsten Tagen um den Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals. Während die Spielvereinigung aus Fürth nominell das leichteste Los gezogen hat, wird es für den Club aus Nürnberg und die Würzburger Kickers schon schwieriger. Schweinfurt hofft derweil auf die Sensation. Die Spiele im Überblick:

Vorschau: Chancen und Probleme der fränkischen Teams

Die erste Runde des DFB Pokals ist für viele Clubs nicht nur der Einstieg in die Saison - ihm kommt auch aufgrund der Corona-Lage in diesem Jahr eine besondere Bedeutung zu. Besonders betrifft das in diesem Jahr zwei fränkische Teams: Während nach einem positiven Corona-Test bei den Würzburger Kickers zwischenzeitlich sogar die Teilnahme auf der Kippe stand, gibt der 1. FC Schweinfurt aufgrund der Corona-Lage sein Heimrecht auf und wird auf Schalke auflaufen.

Club gegen Leipzig

Der Nürnberger Trainer Robert Klauß ist vor dem Wiedersehen mit seinem langjährigen Verein RB Leipzig im DFB-Pokal auf Distanz zu früheren Weggefährten gegangen. "Grundsätzlich habe ich keine Spitzel dort", sagte der Coach des Fußball-Zweitligisten vor der Erstrundenpartie gegen den Champions-League-Halbfinalisten am Samstag (15.30 Uhr) in Nürnberg.

Klauß hat bei den Leipzigern zwar noch viele Kollegen, die er schätzt, er habe aber "aktiv keinen Kontakt" gesucht. "Weil ich diese Situation vermeiden wollte, dass da irgendwelche Gerüchte entstehen", erläuterte der 35-Jährige am Freitag. "Das gehört sich nicht, dass man versucht, dort Informationen zu ziehen. Wenn es andersrum wäre, möchte ich das auch nicht." So etwas sei "schlechter Stil". Klauß arbeitete ab 2009 im Trainerstab von RB und war zuletzt Co-Trainer von Julian Nagelsmann. Seit diesem Sommer betreut er den "Club". Mit dem Leipziger Trainerteam habe er aber geschrieben und telefoniert, erzählte der Jung-Coach der Franken.

"Grundsätzlich musst du als Zweitligist immer gucken, wie kannst du die Stärken des Gegners etwas eliminieren, ohne gleichzeitig deine eigene Identität zu verlieren", beschrieb Klauß seine große Herausforderung für das Pokal-Duell. Zugutekommen könnte den Franken, dass Leipzig nach der letzten Saison kaum eine Verschnaufpause hatte: Nur fünf Tage Urlaub erhielten die Profis nach dem verlorenen Halbfinale in der Champions-League gegen Paris. Anderseits: RB Leipzig ist deswegen auch noch Rhythmus. Es wird also schwer für den Club aus Nürnberg.

Fürth gegen Oberligisten

Auf dem Papier ist die SpVgg Greuther Fürth klarer Favorit: Am Samstag geht es gegen den Oberligisten RSV Meinerzhagen. Trotzdem: Mit großer Entschlossenheit will die SpVgg Greuther Fürth die erste DFB-Pokal-Hürde RSV Meinerzhagen nehmen. "Wir müssen schon Ernsthaftigkeit und Seriosität an den Tag legen, um in das Spiel zu kommen", sagte Trainer Stefan Leitl vor der Erstrundenpartie gegen den Fußball-Oberligisten am Samstag (15.30 Uhr) in Franken. "Wir spielen hier zu Hause in unserem Stadion und für uns gilt es, in die nächste Runde einzuziehen." In der vergangenen Saison scheiterten die Fürther zum Auftakt am Drittligisten MSV Duisburg (0:2).

Leitl muss gegen die Amateure aus dem Sauerland auf Innenverteidiger Mergim Mavraj verzichten, der eine Oberschenkelverletzung erlitten hat. Abwehrspieler Alexander Lungwitz hat Adduktorenprobleme. Zudem sei auch ein Einsatz von Mittelfeldspieler Paul Seguin fraglich. "Wir sind Favorit, dementsprechend wollen wir auch auftreten", betonte Leitl, der mit der Vorbereitung "sehr zufrieden" ist. Den Kapitän für die kommende Saison will er erst kommende Woche benennen. Gegen Meinerzhagen werde ein Mitglied des Mannschaftsrates die Binde des Spielführers tragen, kündigte Leitl am Donnerstag an.

"Die Mannschaft ist eingespielt, von daher haben wir alle ein sehr gutes Gefühl", sagte auch Geschäftsführer Rachid Azzouzi. Er lobte die Arbeit des Trainers. "Er weiß, dass wir alle sehr, sehr zufrieden mit der Arbeit sind und dass wir uns natürlich vorstellen können, sehr, sehr langfristig mit Stefan zusammenzuarbeiten", führte der frühere Bundesligaprofi aus. Leitls Vertrag bei den Fürthern läuft noch diese Saison.

Schweinfurt verzichtet gegen Schalke auf Heimrecht

Der Fußball-Regionalligist 1. FC Schweinfurt 05 hat sein Heimrecht im DFB-Pokal an Gegner Schalke 04 abgegeben. Wegen der Anti-Corona-Maßnahmen in Bayern hätte die Erstrundenpartie am Sonntag (15.30 Uhr) in Unterfranken ohne Zuschauer stattfinden müssen. Das Match wird nun in der Veltins-Arena des Bundesligisten ausgetragen. Finanziell sind Geisterspiele für die gastgebenden Teams ein Verlustgeschäft, das vor allem Amateurclubs oft hart trifft.

Die Viertliga-Kicker aus Schweinfurt haben auch ohne Heimvorteil riesige Vorfreude auf das ungleiche Duell mit dem Bundesligisten. "Nervosität spüre ich bei der Mannschaft und mir nicht. Es kitzelt ein bisschen mehr, weil es etwas Besonderes ist", sagte Strobl, der seit November die "Schnüdel" betreut. "Für uns ist das ein Highlight in unserem Leben, auf das wir uns unfassbar freuen." Schon 2018/19 trafen die Schweinfurter in der ersten Pokal-Runde auf Schalke und zeigten beim 0:2 im heimischen Stadion eine mutige Vorstellung. Von damals sind nach Strobls Rechnung noch drei Kicker in seinem Kader übrig geblieben. "Ich glaube, dass wir Räume entdeckt haben, wo wir ihnen weh tun können", meinte der Trainer des Regionalligisten. "Wir wissen, was wir können und dass wir gerade gut drauf sind."

Schweinfurt träumt derweil von der Sensation: Gegen den Erstligisten sind die Unterfranken der klare Außenseiter. Aber: Schalke 04 hat sich in der Vorbereitung auf die neue Saison nicht immer mit Ruhm bekleckert. So verlor Schalke 4:5 gegen den Drittligisten Verl - um sich dann drei Tage später beim1:3 gegen den KFC Uerdingen gleich nochmal zu blamieren. Die Mannschaft des schon vor dem Punktspielstart kritisierten Coaches David Wagner hatte in ihrem Trainingslager in Österreich außerdem einen Corona-Fall. Das Mannschaftstraining war vorübergehend nur eingeschränkt möglich. Der Bundesligist wankt also bedenklich.

Würzburger Kickers mit Corona-Sorgen

Im Aufeinandertreffen der beiden Zweitligisten Würzburger Kickers und Hannover 96 stand das Coronavirus im Vorfeld besonders im Fokus. Am Dienstag hatten die Kickers bekannt gegeben, dass ein Spieler positiv getestet worden sei. Das Team sagte das am Dienstagabend geplante Testspiel beim FSV Zwickau aus Sicherheitsgründen ab. Der Profi, der namentlich nicht genannt wurde, sei bereits isoliert worden und zeige keine Symptome. Alle anderen Tests in der Mannschaft und beim Betreuerstab seien negativ ausgefallen, hieß es.

Die Kickers waren nach eigenen Angaben im engen Austausch mit den Gesundheitsbehörden und der Deutschen Fußball Liga (DFL). Wie im Hygienekonzept vorgesehen, wurde das komplette Team am Mittwoch nochmal getestet: Die Ergebnisse waren nun negativ. Damit  steht dem DFB-Pokal-Spiel am kommenden Montag nichts mehr entgegen.

Das Spiel ist auf dem Papier das ausgeglichenste der vier Partien mit fränkischer Beteiligung. Beide Vereine hatten zuletzt durchwachsene Leistungen gezeigt. So verloren die Kickers gegen 1860 München im Landespokal. Hannover verlor hingegen gegen Werder Bremen und den österreichischen Bundesligisten TSV Hartberg. Es wird also spannend.  rowa/mit dpa