Die Regeln unserer Serie "Jeder gegen jeden" zur Bundestagswahl sind denkbar einfach: Jeder Kandidat darf jedem anderen Kandidaten eine Frage stellen. Nach der Antwort des Befragten hat der Fragesteller noch die Möglichkeit, darauf zu reagieren. Heute will Markus Tutsch (Bündnis 90/Die Grünen) von Stefan Wolf (FDP) wissen, was die Menschen von seiner Partei bei der Vermeidung von Kinder- und Altersarmut erwarten können.

Markus Tutsch: Was können die Menschen von Ihrer Partei bei der Vermeidung von Kinder- und Altersarmut erwarten?

Stefan Wolf: Eine ganze Menge! Gegen Kinderarmut möchten wir a) ein Kindergeld 2.0 sowie b) mehr Investitionen in Bildung einführen. Die derzeitige Kindergeldregelung ist ungleich, an zahlreiche Bedingungen geknüpft, verhindert also Kinderarmut nicht.
Stattdessen benötigen wir eine Bündelung der kindesbezogenen Leistungen in ein Kindergeld mit folgenden Komponenten: ein einkommensunabhängiger Grundbetrag + einkommensabhängigem Kindergeld + Gutscheinen für Bildung. Das Ausstellen von Bildungsgutscheinen, die zur Förderung individueller Talente und Fähigkeiten bei Bildungseinrichtungen eingetauscht werden können, leisten einen zusätzlichen Beitrag zur elternunabhängigen Förderung.
Mit Bildungssparen (für jeden Euro, der für Bildung zurückgelegt wird, gibt der Staat einen Zuschuss) sowie einer elternunabhängigen Ausbildungsförderung soll jedem Kind der soziale Aufstieg ermöglicht werden. Bildung ist immer noch die beste Vorsorge gegen Altersarmut. Aber auch gegen Altersarmut selbst hat die FDP konkrete Maßnahmen - zum Beispiel eine Stärkung der betrieblichen Rente durch Übernahme bestehender Vorsorgeverträge bei einem Arbeitgeberwechsel oder die Einrichtung einer betrieblichen Rente auch bei kleinen, nicht tarifgebundenen Unternehmen.
Aber auch abseits von Rentenpolitik gäbe es Maßnahmen: Die eigenen vier Wände sind der beste Schutz vor Altersarmut. Dies gelingt unter anderem, wenn wir die Grunderwerbssteuer abschaffen. Einnahmen aus freiwilliger Vorsorge sollen bei Langzeitarbeitslosen nicht vollständig auf die Grundsicherung angerechnet werden, damit der Anreiz zur zusätzlichen Altersvorsorge gestärkt wird.
Zusätzlich fordern die Freien Demokraten die Einführung eines Grundeinkommens, das Bürgergeld, welches jedem Bürger (als soziales Netz) zur Verfügung steht.

Markus Tutsch:
Auch wenn es an dieser Stelle eher ungewöhnlich ist, stimmen viele dieser Ansätze mit grünen Positionen überein. Bildung ist der Schlüssel zur Vermeidung von Altersarmut! Bildungssparen, die Übernahme von Versorgungsleistungen beim Arbeitgeberwechsel sind sinnvolle Maßnahmen, die helfen, die Altersarmut in den kommenden Generationen zu mindern, helfen allerdings bei der sich aktuell abzeichnenden Situation bei der Altersarmut nicht.
Am Ende eines Arbeitslebens muss die Rente einen gesicherten Lebensabend ermöglichen, ohne auf erniedrigende Gänge zum Sozialamt angewiesen zu sein!

Im Teil 22 unserer Serie fragt Markus Tutsch (Bündnis 90/Die Grünen) morgen Oswald Greim (Die Linke), welche Ideen seine Partei für die äußere und innere Sicherheit hat.

Hinweis der Redaktion: Argumente und Thesen stammen vom jeweiligen Kandidaten und sind redaktionell weder gegenrecherchiert noch in irgendeiner Weise bearbeitet.