Es herrscht reges Treiben auf dem Marktplatz. Hier bietet jemand Kleidung an, ein anderer sein altes Handy. Die Menschen diskutieren, tauschen und handeln. Wenn jemand unhöflich wird oder gar ein unseriöses Angebot macht, dann schreitet Thomas Kolb ein. Er und seine zwei Mitstreiter sind Marktaufseher. Es geht zu wie seit Hunderten von Jahren auf allen Märkten.

Das Außergewöhnliche: Dieser Markt steht in keiner Stadt, sondern ist im Internet. Es ist die Facebook-Gruppe "Biete & Suche (Raum Kronach, Coburg, Lichtenfels)". "Ich habe solche Gruppen bei Facebook entdeckt und dachte, dass ist eine feine Sache", sagt Thomas Kolb. Er hat die Gruppe vor knapp drei Jahren gegründet.
Fast jede größere Stadt oder Region hat inzwischen eine "Biete & Suche"- Gruppe.

Gesetze gelten auch im Chat

Das Prinzip ist ähnlich wie beim Internetauktionshaus Ebay: alte CD's, Kleidung oder Handys anbieten und warten bis jemand kaufen will. Im Gegensatz zu Ebay ist jedoch alles kostenlos. Die "Biete & Suche"- Gruppen funktionieren wie schwarze Bretter im Supermarkt. Der Kauf wird nur zwischen Käufer und Verkäufer abgewickelt.

Wird dieses einfache Prinzip eingehalten, dann sieht auch die Verbraucherzentrale Bayern keine Probleme bei solchen Gruppen. "Die Abwicklung eines Kaufvertrages unterliegt auch in diesen Foren den gesetzlichen Bestimmungen", betont Juristin Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale.

Die Nachrichten oder Chat-Texte zwischen Verkäufer und Käufer seien ganz normale Vertragsverhandlungen. Sie empfiehlt jedem Verkäufer darauf hinzuweisen, dass er für seine Waren keine Gewährleistung gibt und bei der Artikelbeschreibung bei der Wahrheit zu bleiben. Rechtlich sei solch eine Gruppe in keiner Grauzone, sagt Halm: "Es gelten die normalen Gesetze für Vertragsverhandlungen, eben nur in einer unkonventionellen Umgebung."

Juristin warnt vor Datensammler Facebook

Probleme sieht die Juristin eher beim Datenschutz. Unabhängig von der Art der Gruppe, sammle Facebook auch hier Daten. Die Gruppenverwalter könnten nichts dafür, sagt Halm. "Darüber sollten sich die Leute Gedanken machen", mahnt sie. Als vor drei Jahren alles anfing, hat der 42-jährige Kolb seine Facebook-Freunde eingeladen. Inzwischen tummeln sich über 8300 Leute auf dem digitalen Marktplatz. "Anfangs lief es etwas schleppend", sagt Kolb. Im Mai vor zwei Jahren seien es dann schon 2000 Mitglieder gewesen, erinnert sich der Steinberger Kolb (Landkreis Kronach).

Da habe er seine Schwester Sybilla Gledde als Administrator - so heißen die Verwalter in Online-Portalen und Gruppen - dazugeholt. Auch Kerstin Petersam aus Stadtsteinach verwaltet die Gruppe seitdem mit. Bis zu 30 Minuten täglich investiere er in die Verwaltung der Seite. Für die Leute liege der Vorteil darin, dass es nichts koste und sie die Sachen meistens abholen können. Außerdem sei es schnell und unkompliziert.

Kolb und seine Mitverwalter mussten nach einer Weile lernen, dass es ohne Regeln nicht geht. Inzwischen muss ein Preis oder eine Verhandlungsbasis mit angegeben werden. Die drei Verwalter prüfen seit zwei Jahren jedes Angebot bevor sie es freischalten. An guten Tagen seien es bis zu 100, sagt Kolb. Am häufigsten werde Kleidung angeboten. Ansonsten alles, was der eine nicht mehr braucht und ein anderer noch verwenden kann. "Es ist schon Wahnsinn, was alles angeboten wird." Manchen Scherz wie die "original Luftblase aus einer Wasserwaage" lassen die Verwalter durchgehen: "Damit die Leute ein bisschen was zu lachen haben", sagt Kolb. Die böse Schwiegermutter, die jemand verkaufen wollte, schaltete er hingegen nicht frei. Inzwischen können die Mitglieder auch einen Link ihrer Ebay-Angebote in die Gruppe stellen.

Waffen und "Kredithaie"

Negative Erfahrungen gab es auch schon. Eine Zeit lang versuchten Leute, Waffen wie Schwerter, Luftgewehre oder Ähnliches zu verkaufen. "Solche Dinge werden gar nicht erst freigeschaltet. Wir habe auch Jugendliche in der Gruppe", betont Kolb. Eine besonders schwierige Phase gab es, als die "Kredithaie" kamen. Unbekannte hätten versucht ihre unseriösen Angebote unter die Gruppenmitglieder zu bringen. Sie überschwemmten die Seite mit Kommentaren. "Eine Zeit lang hat das mit den Kredithaien überhand genommen. Mittlerweile ist es weniger geworden", so Kolb. Denn es gilt: Wer beleidigt, unseriöse Angebote macht oder zu oft gegen die Grundregeln - rechts auf der Startseite zu sehen - verstößt, der fliegt ohne Vorwarnung raus.

Keine Kosten für den Handel

Konflikte müssen die Käufer unter sich ausmachen. Nur in Ausnahmefällen mischen sich die Administratoren ein. "Wir sind dafür da, dass in der Gruppe Frieden herrscht", sagt Kolb.
Dieser Ansatz ist auch aus der Sicht von Juristin Halm richtig. Solange die Betreiber nicht gewerblich agieren, also kein Geld verlangen, sei vom Rechtlichen her alles in Ordnung. "Es sollte transparent und klar sein, dass die Administratoren nur ein schwarzes Brett organisieren", sagt Halm. Ihr Fazit: "Wenn man sich an die Spielregeln häl,t kann man da ruhig ein Schnäppchen machen", sagt Halm.

Für Kolb ist die Seite ein Hobby. Er freue sich über jedes neue Mitglied und sei auch ein wenig stolz. Neben der "Biete & Suche"-Gruppe verwaltet er auf Facebook mit anderen noch eine Jobbörse für Oberfranken und ein Gruppe für Fans des 1. FC Nürnbergs, in der Tickets und Mitfahrgelegenheiten ausgetauscht werden. Nächstes Jahr will Kolb mit "Biete & Suche" die 12 000er Marke knacken.

Biete und Suche

Finden Bei Facebook in der Such-Leiste "Biete & Suche (Raum Kronach, Coburg, Lichtenfels)" eingeben.