16-Stunden-Tage, hitzige Diskussion in den Gemeindegremien, auf der Straße wird man von jedem wegen allem angesprochen - so oder so ähnlich sieht ab Donnerstag der Alltag der neuen Bürgermeister aus.

Welche Tipps und Ratschläge gibt es, damit der neue Beruf oder die Berufung nicht zum Alptraum wird? Wie laufen Amtsantritt und die Jahre im Rathaus reibungslos ohne Burnout ab? Für Josef Stark (SPD) ist es wichtig zu unterscheiden, wie der neue Bürgermeister ins Amt gekommen ist.

Der scheidende Bürgermeister ist in der Pflicht

Stark war von 1990 bis 2008 Bürgermeister der Gemeinde Marktzeuln und ist zur Zeit Ortsvorsitzender der SPD. Schwierig werde es, wenn es zuvor einen harten Wahlkampf mit dem scheidenden Bürgermeister gab. Denn den Vorgänger sieht Stark in einer wichtigen Funktion für seinen Nachfolger.

"Für einen reibungslosen Übergang sollte der ausscheidende Bürgermeister seinem Nachfolger aktuelle Probleme schildern", sagt Stark. Außerdem sollte der Vorgänger seinem Nachfolger wichtige und richtige Kontaktpersonen nennen. Wichtig sei auch die Zeit von der Wahl bis zum Amtsantritt. Der Ausscheidende sollte den Neuen auf wichtige Termine schon einmal mitnehmen, damit dieser dann Bescheid wisse, sagt Stark.

Er fordert vor allem die scheidenden Amtsinhaber auf, über Differenzen mit ihren Nachfolgern hinwegzusehen. "Wenn er den Amtseid, zum Wohl der Gemeinde zu handeln, ernst nimmt, dann sollte er so handeln", betont Stark.

Nicht jede Diskussion mitmachen

Als große Kunst bezeichnet Stark die Trennung von Arbeit und Privatleben. Was ihm selbst nicht wirklich gut gelungen sei. Hier müsse man vor allem bei der Größe der Kommune unterscheiden. "In kleineren Kommunen ist man von 0 bis 24 Uhr Bürgermeister", sagt Stark. Jeder im Ort kenne eben das Gemeindeoberhaupt. Obwohl Stark immer wieder mahnt, bei diesem Thema zu differenzieren, hat er noch einen Tipp: Bei Diskussionen im Wirtshaus solle man nicht auf jede Einzelheit eingehen und sich nicht auf jeden verbalen Schlagabtausch einlassen, sondern seine Schlüsse ziehen.

Jürgen Melzer hat Menschen mit Burnout in Behandlung. Darunter seien auch Personen aus "solchen Positionen" wie einem Bürgermeisteramt. Melzer ist am Bezirksklinikum Obermain in Kutzenberg Leitender Diplom-Psychologe und weiß, wie schwierig es für Priester oder Bürgermeister ist Berufliches und Privates zu trennen. "Es muss einen Zeitrahmen geben und man muss sich auch abgrenzen können", sagt Melzer. Dabei gilt zwischen wichtigen Themen und Dingen, die warten können, zu unterscheiden.

Das Nein-Sagen lernen

"Ab 21 Uhr sollte einfach eine Schranke da sein. Da sind Notfälle und abendliche Veranstaltungen natürlich ausgeschlossen. Es gilt aber für das Tagesgeschäft", sagt der Psychologe. Geht es nach Melzer, dann müssen die neuen Bürgermeister schon sehr früh lernen, auch mal nein zu sagen. Das schlechte Gewissen im Hintergrund, das mit dem Satz "Ich bin doch Bürgermeister und muss für alle da sein", versucht ein ja von der Zunge zu klopfen, muss man unterdrücken lernen.

Zudem seien regelmäßige Entspannung, zwei bis drei Mal die Woche, Achtsamkeit und ziellose Gespräche mit Freunden wichtig. Erste Warnzeichen für einen Burnout können Herzrasen, Verspannungen oder der starke innere Wunsch nach Ruhe sein.