Wie es ist, in Kulmbach zu studieren? Arameh Abbasianchavari, die aus dem Iran kommt, machte der Stadt und den Kulmbachern beim ersten Campustag, zu dem die 7. Fakultät "Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit" der Uni Bayreuth am Samstag eingeladen hatte, ein Kompliment. "Kulmbach ist eine schöne Stadt", sagte die studentische Hilfskraft, die seit einem Jahr in Kulmbach ist und in einem Wohnheim eine Unterkunft gefunden hat. In der Kleinstadt könne man sich auf das Wichtige konzentrieren. Man könne in aller Ruhe arbeiten und studieren. "Alles ist in der Nähe, und die Leute sind sehr nett."

Es waren freundliche Worte an einem Tag, den viele Kulmbacher nutzten, um das Mitarbeiterteam kennenzulernen und einen Blick in die neuen Labore im zweiten Obergeschoss des Fritz-Einkaufszentrums zu werfen, in dem die Uni-Fakultät, die ihren Fokus auf die aktuellen Herausforderungen im Bereich Ernährung und Gesundheit legt, heimisch geworden ist.

Schon 150 Studierende

Auf dem Gelände der "Alten Spinnerei" wartete auf die Besucher ein attraktives Programm. Die Kulmbacher kamen mit den Professoren ins Gespräch und erfuhren zum Beispiel, dass neben der Lebensmittelanalytik in den Studiengängen auch rechtliche Fragen behandelt werden. Das teilte Lehrstuhlinhaberin Janin Henkel-Oberländer mit, die Professorin für Biochemie der Ernährung ist. Henkel-Oberländer machte deutlich, dass die Uni kontinuierlich wächst. Schon jetzt gebe es in Kulmbach 150 Studierende. Einige von ihnen besuchen den Bachelorstudiengang "Lebensmittel- und Gesundheitswissenschaften", den Professorin Laura König vorstellte.

Experimente

Die Kulmbacher erhielten am Campus-Tag viele Informationen, konnten aber auch kleine Experimente bestaunen und an einer Studie mitwirken. An einem "Fake Food Buffet" konnte aus einer Reihe künstlicher Lebensmittel und Speisen, die in Farbe, Form und Gewicht den Originalen täuschend ähnlich waren, ein "typischer" Mittagsteller zusammengestellt werden. Die Auswahl wurde anschließend fachmännisch analysiert. Die Besucher erfuhren, was Gemüse mit Stressabbau in den menschlichen Zellen zu tun hat, konnten unter dem Mikroskop sehen, was mit der Leber passiert, wenn man sich über einen längeren Zeitraum ungesund ernährt.

Visionen vom Campus

Campus-Koordinatorin Susanne Strebin führte die Besucher durch die Räumlichkeiten. Wie sich Studenten der Hochschule Coburg den Kulmbacher Campus vorstellen, erfuhren die Gäste bei einer Ausstellung in der Hornschuch-Villa.Dort waren Projektarbeiten angehender Architekten zu sehen, die sich mit der Gestaltung des Campus auf dem Güterbahnhofsgelände befasst haben. Die 1. Vizepräsidentin des Kuratoriums der Uni Bayreuth, Marion Resch-Heckel, die Leiterin der Bauabteilung an der Regierung von Oberfranken war, sagte zu den Visionen: "Die Entwürfe haben interessante und innovative Ansätze, auch was die Nutzung erneuerbarer Energien angeht." Die Vernetzung mit der Stadtgesellschaft sei "ein interessanter Ansatz".

"Ein spannendes Projekt"

Dass es ein spannendes Projekt ist, die neue Fakultät mit aufzubauen, stellte Professorin Susanne Baldermann fest, die seit eineinhalb Jahren in Kulmbach ist. Es sei eine sehr interessante Herausforderung. Räume müssten geschaffen, Studiengänge strukturiert werden. "So eine Gelegenheit bekommt man sicher nur einmal im Leben", sagte sie im Gespräch mit der jungen Iranerin Arameh Abbasianchavari, die den Besuchern erläuterte, was für sie den Reiz des Studiums in Kulmbach ausmacht.

Die Weichen sind gestellt

Noch viele Jahre werden die Professoren und Studenten der neuen Fakultät mit Provisorien leben müssen. In rund zehn Jahren, so wird geschätzt, könnte der Campus entstehen. Dass vor wenigen Wochen die Weichen für das Projekt auf dem Güterbahnhof gestellt wurden, teilte MdL Rainer Ludwig (FW) mit, der darauf verwies, dass der Grundstückserwerb über die Bühne gegangen ist. Dass die Uni in Kulmbach realisiert werde, sei mit ein Verdienst des früheren OB Henry Schramm (CSU), machte stellvertretender Landrat Jörg Kunstmann (CSU) deutlich. "Er hat es zu seiner großen Lebensaufgabe gemacht." Auch Schramms Nachfolger Ingo Lehmann (SPD) war unter den Besuchern und zeigte sich von den Campus-Räumen in der Verwaltungsvilla und im Einkaufszentrum beeindruckt.