Wie aus verschiedenen Quellen zu erfahren war, fand im März eine Zusammenkunft mit einem Windkraftbetreiber, einigen Unternehmern und den Bürgermeistern statt. Es ging um einen möglichen Windpark in der Rennsteig-Region.

Das Projekt sei lange noch nicht spruchreif, sagt der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch, der bei diesem Gespräch mit dabei war. Für Ebertsch steht außer Frage, dass ein Windpark am Rennsteig eine breite Zustimmung in der Bevölkerung finden müsste. Wenn dies der Fall sei, dann müsste auch darauf geachtet werden, dass die Wertschöpfung in der Region bliebe. Außerdem gehe es auch um den Schwarzstorch, um die Frage, inwieweit ein Spagat zwischen Windkraft und Artenschutz möglich sei.

Es gebe keine Planungen. Grundsätzlich sei er aber für alles offen, erklärt der Steinbacher Bürgermeister Thomas Löffler. Bevor das Thema aber in der Öffentlichkeit diskutiert wird, müsste auch der Staatsforst mit einbezogen und das mit dem Naturschutz geklärt werden. Löffler verweist darauf, dass ein Großteil des Areals zwischen Steinbach und Kleintettau sich im Besitz des Staatsforsts befinde.

Der Ludwigsstädter Bürgermeister Timo Ehrhardt wollte sich dazu nicht äußern und verwies auf seine beiden Kollegen aus den Nachbargemeinden.

Forstleute wissen von nichts

Sie wüssten nichts von Gesprächen und Gedanken wegen eines möglichen Windparks am Rennsteig, sagen der Leiter des Forstbetriebs Rohenkirchen, Peter Hagemann, und der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michael Schmidt. Es sei nicht ungewöhnlich, so Schmidt, dass Windkraftbetreiber immer auf der Suche nach möglichen Standorten sind. Peter Hagemann weist auf das Programm des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder hin, der im vergangenen Jahr davon gesprochen habe, in den kommenden zwei Jahren in den Bayerischen Staatsforsten 100 neue Windräder aufzustellen.

Bei der Zentrale der Bayerischen Staatsforsten in Regensburg, die zuständig sei, wenn es um Staatsforstflächen für Windräder geht, habe es aber keine Auskünfte über mögliche Standorte gegeben. Die Zentrale habe auf die Urlaubszeit der Ansprechpartner verwiesen.

Aufgeschlossen für einen möglichen Windpark mit sechs Windrädern am Rennsteig zeigt sich der Präsident der Heinz-Gruppe und Tettauer Gemeinderat, Carl-August Heinz: "Mit unserem energie-intensiven Unternehmen begrüßen wir jede Form grüner und günstiger Energiegewinnung - auch vor der Haustür!" Die Windkraft bezeichnete er als die dafür beste Möglichkeit. Für die Standorte Kleintettau und Piesau würde dies mehr umweltfreundliche Elektroschmelzwannen bedeuten.

Sorge um Stromversorgung

Seit Jahren spricht Heinz diese Thematik immer wieder bei verschiedenen Veranstaltungen an. Ihn plagt die Sorge, dass nach dem Ausstieg aus Atom- und Kohle-Energie künftig keine ausreichende und auch bezahlbare Menge an Strom gewährleistet sei. Mehrmals übte er im Tettauer Gemeinderat Kritik, dass vor rund zwei Jahren durch eine Resolution auf Landkreisebene im benachbarten Thüringen Windräder verhindert wurden.

Für den Unternehmer steht nach wie vor fest, dass es - wenn man aus der Atomenergie und auch aus der Kohle-Energie aussteigt, ohne ein Grundlastkraftwerk, Stromtrassen und Windräder nicht gehen werde. Er äußerte sein Unverständnis darüber, dass im Tettauer Winkel und am Rennsteig - obwohl dieses Gebiet laut Windatlas nach der Küste als zweitstärkstes Windgebiet zähle - bisher keine Windräder zugelassen worden seien. Mit der Alternative Photovoltaikanlagen kann sich Heinz nur wenig anfreunden: Um seine Glashütte mit dieser Energie zu versorgen, müsste man 150 Hektar an Flächen zupflastern, erklärte er. Die gesamten Flächen, die derzeit die Hochlandrinder beweiden, würden somit versiegelt.

Sein Vergleich: "Vier große Windräder auf einer vier Hektar großen Fläche könnten dagegen den Strombedarf von Heinz-Glas und Kleintettau decken." Was sei da umweltfreundlicher?

Heinz: "Wenn wir in Deutschland weiterhin produzieren wollen, dann bleibt als stärkste grüne Energiequelle nur der Wind."

Bevölkerung soll es wissen

Durchaus sei ihm bewusst, dass das Thema Windkraft ein sensibles Thema ist. Er verstehe auch die Bürgermeister, die wegen einer Wiederwahl den Weg des geringsten Widerstandes gehen möchten. Aber, so sagt er, wenn der Wille der Bevölkerung für einen Windpark am Rennsteig maßgebend ist, dann müssten diese doch Bescheid wissen.

Auch sei er verwundert darüber, dass der Forst von der Thematik möglicher Windräder am Rennsteig keine Kenntnisse habe. Mit Windrädern könnten die Fichtenmonokulturen aufgelockert werden, zudem hätte der Staatsforst Pachteinnahmen.

Frankenwald-CSU aufgeschlossen

Carl-August Heinz glaubt, dass sich beim Thema "Windpark in der Region" erst dann etwas bewegen wird, wenn es einmal zu einem "Blackout" kommt. Und er ist überzeugt davon, dass einige Betriebe, auch bei uns in der Region, schließen beziehungsweise ihre Standorte verlagern werden müssen, "wenn Deutschland es nicht schafft, nach dem Atom- und Kohle-Ausstieg die Versorgungssicherheit sowie bezahlbare und wettbewerbsfähige Strompreise zu schaffen".

Die Frankenwald-CSU stehe einem Windpark aufgeschlossen gegenüber, erklärt Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner. Entscheidend sei allerdings die Frage, ob die Bevölkerung so ein Projekt mittragen würde: "Gegen den Willen der Bevölkerung gibt es auch keinen Windpark."