Wer wird die Nachfolge des CSU-Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach antreten, der seit 2002 den Stimmkreis Coburg/Kronach in Berlin vertritt? Noch sind es einige Monate bis zur nächsten Bundestagswahl, die im Herbst 2021 stattfindet. Während Bündnis 90/Die Grünen Coburg/Kronach mit dem Coburger Kinderarzt Johannes Wagner ihre Entscheidung getroffen haben und auch der SPD-Stimmkreis Coburg/Kronach mit der "Miss Handwerk" 2018 und Schornsteinfegerin Ramona Brehm seine Direktkandidatin nominiert hat, ist beim CSU-Stimmkreis Coburg/Kronach noch alles offen. Nach aktuellem Stand wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach mit den beiden Coburgern René Boldt und Michael Schulz auch der Kronacher Jonas Geissler als CSU-Bundestagskandidat bewerben.

Jeder Kandidat sollte seine Chance bekommen, erklärt Jonas Geissler. Transparenz und ein offener Diskussionsaustausch seien daher mit allen Beteiligten wichtig. Deshalb werbe er auch dafür, die beiden Coburger Bundestagskandidaten nach Kronach einzuladen.

Geissler ist bereit

Geissler lässt aber keinen Zweifel daran, dass er - sofern er die Unterstützung der Frankenwald-CSU erhält - gerne die Nachfolge von Hans Michelbach antreten möchte. Es gehe darum, die Coburger und Kronacher noch stärker zusammenzuführen. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie stünde die Region vor immensen Herausforderungen, sei es im ökonomischen, ökologischen, gesundheitlichen oder sozialen Bereich. Dafür benötige die Region einen Kandidaten, der noch vorhandene Gräben beseitigen kann. Für ihn sei es wichtig, mit den Menschen mit all ihren unterschiedlichen Problemen und Facetten zu reden und in Kontakt zu bleiben, um deren Anliegen dann mit nach Berlin zu nehmen.

"Eine Nominierungsversammlung ist nicht vor dem 30. März 2021 geplant!", so der CSU-Frankenwald-Vorsitzende Jürgen Baumgärtner, der gleichzeitig betont, dass für ihn eine Kandidatur für den Deutschen Bundestag nicht zur Debatte stehe.

Nichtsdestotrotz sei so ein Mandat eine spannende Aufgabe und eine hervorragende Möglichkeit, sich für eine Region zu engagieren, sagt er.

Baumgärtner verweist darauf, dass sich seine Partei mit einer Bundestagskandidatur von Jonas Geissler in höchstem Maße identifizieren könne. Der 36-Jährige sei ein hervorragender Vorsitzender der Kronacher Stadtratsfraktion. Er engagiere sich beruflich auf Landesebene im Ministerium für Bau, Wohnen und Verkehr. Zudem sei er seit Jahren JU-Bezirksvorsitzender und verfüge über langjährige kommunalpolitische Erfahrungen.

Dennoch, so betont er, alle möglichen CSU-Bundestagskandidaten sollen ein faires Verfahren haben. Deshalb sollen diese auch zum Gespräch mit dem Kreisvorstand, den Ortsvorständen, Delegierten sowie den CSU-Bürgermeistern im Landkreis Kronach gebeten werden.

Bei der Frage, ob denn die Frankenwald-CSU auch einen Coburger CSU-Bundestagskandidaten mittragen würde, meint Baumgärtner, dass die Frankenwald-CSU den Kandidaten mittragen werde, der in der Delegiertenversammlung die Mehrheit auf der Grundlage eines offenen und transparenten Verfahrens erhalte. Die "Freunde in Coburg", so sagt er, haben "relativ schnell und mit relativ wenig Transparenz" den Vorsitzenden der CSU Coburg nominiert. Nun haben sie mit Michael Schulz einen weiteren Aspiranten, der nach wie vor an einer Kandidatur festhält.

Unterstützung erhält Jonas Geissler vom JU-Kreisvorsitzenden Markus Oesterlein. Geissler sei jung, kompetent und kenne die Sorgen und Nöte der Bürger, erklärt er. Er könnte die Region in der Bundeshauptstadt gut vertreten.

Für "frischen Wind"

Bei der Frage, ob es für den "neuen" Bundestagskandidaten schwieriger sein wird, wenn bis zum Jahr 2025 - wie geplant - neue Stimmkreise entstehen, meint Baumgärtner, dass alle, die Politik machen, wissen müssen: "Politik und Mandate sind auf Zeit." Es komme der Tag, an dem die Zeit abgelaufen sei. Dann mache man halt wieder Neues. Er jedenfalls habe große Sympathien dafür, Mandatszeiten zu begrenzen. Das gelte sowohl für Bundestag wie auch Landtag, Bürgermeister und Landräte. "Frischer Wind tut dem Parlament gut!"

Letztendlich wird die Entscheidung, wer nun der nächste CSU-Bundestagskandidat wird, bei der Bundeswahlkreiskonferenz fallen. Bei dieser Zusammenkunft werden die CSU-Delegierten aus den CSU-Kreisverbänden Coburg-Stadt, Coburg-Land und Kronach sitzen. Der CSU-Ortsverband Kronach hat sich bereits für Jonas Geissler ausgesprochen. Ob dies letztendlich reichen wird? Denn bislang hatten die beiden Coburger Kreisverbände die Mehrheit bei der Bundeswahlkreiskonferenz. Damit könnte es allerdings bei zwei CSU-Bundestagskandidaten vorbei sein.

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