Am Freitag soll in einer Telefonkonferenz eine finale Abstimmung durchgeführt werden. Es geht um die Kreisräte, die am Montag bei der konstituierenden Sitzung des Gremiums einen Posten als stellvertretender Landrat erhalten sollen. Als sicher gilt, dass der Landkreis Kronach statt wie bisher von vier, künftig von fünf Landräten vertreten wird.

Landrat Klaus Löffler (CSU) soll neben einem Stellvertreter von drei weiteren Räten vertreten werden. Begründet wird dies mit der Vielzahl von Terminen (nicht zu Coronazeiten) und damit, dass sich viele Vereine und Organisationen bei ihren Veranstaltungen die Anwesenheit eines Landrats wünschen.

Die Drähte glühen

Die Drähte zwischen den einzelnen Fraktionssprechern liefen in den vergangenen Tagen heiß. Als nahezu festgesetzter Kandidat für den Stellvertreterposten gilt der bisherige Amtsinhaber und Steinwiesener Bürgermeister Gerhard Wunder (CSU). Als weitere Stellvertreter sind der SPD-Kreisvorsitzende Ralf Pohl, Bernd Steger und Gerhard Löffler (beide FW) im Gespräch. Und damit sind nicht alle einverstanden!

"Ich finde es unmöglich, dass künftig fünf Männer den Landkreis repräsentieren wollen", ärgert sich Petra Zenkel-Schirmer (Frauenliste). Sie weist auf unsere Nachfrage darauf hin, dass der Frauenanteil im Landkreis bei über 50 Prozent liegt. Sie spricht davon, dass die CSU mit einem 50-prozentigen Frauenanteil eine "Super-Kreistagsliste" vorgelegt habe. Wenn diese Fraktion nun vier Männer als Vertreter des Landrates befürworte, dann "übt die CSU einen Betrug ihres Wahlversprechens aus!"

Kein Verständnis für das Fehlen der Frauen

Und an ihre männlichen Kreistagskollegen appelliert sie vor der Stellvertreterwahl: "Statt ihr Ego zu befriedigen, sollten sie einen guten Job machen!" Die Gremien und die Stellvertreterposten des Landrats müssten paritätisch besetzt werden, fordert Zenkel-Schirmer. Sie spricht von vielen Herausforderungen, wie zunehmende Trockenheit, Lucas-Cranach-Campus und davon, dass Frauen oftmals lösungsorientierter arbeiten. Deshalb sollte auch das Paritätsprinzip angewendet werden.

Sie ist überzeugt, dass jede Fraktion (Ausnahme Freie Wähler: Bei ihnen ist keine Frau im Kreistag vertreten) eine Bewerberin zur Wahl stellen könnte. Auch sie beziehungsweise ihre Kollegin Maria Gerstner würden zur Verfügung stehen. Ihre Favoritin, so Petra Zenkel-Schirmer, wäre allerdings Edith Memmel (Grüne), denn diese sei über 20 Jahren im Kreistag vertreten und verfüge über ein umfangreiches Wissen.

Oesterlein: "Ich habe massive Bauchschmerzen"

"Ich habe massive Bauchschmerzen", meint der Fraktionsvorsitzende der Jungen Union, Markus Oesterlein. Er konnte sich mit seiner Liste auf Anhieb vier Kreistagsmandate sichern. Zu alt und zu männlich, findet er die Vorschlagsliste. Die CSU-Fraktion sollte sich Gedanken darüber machen, ob sie nicht die "Grünen" unterstützt, die mit einer "Super-Truppe" im Kreistag vertreten seien.

Für Oesterlein ist es ein Skandal, dass "ältere Männer damit versuchen, ihre Rente aufzubessern". Er spricht von kompetenten Frauen im Kreistag, die für dieses Amt auch die notwendige Zeit mitbringen würden.

Als zweitstärkste Fraktion wäre es nur legitim, dass die SPD einen Stellvertreterposten bekommt, so Ralf Pohl. Er wäre dafür jedenfalls bereit. Für ihn wäre die Position eines weiteren stellvertretenden Landrats mit mehr Möglichkeiten für eine Kommunikation mit den Menschen verbunden.

"Mir macht der Job unheimlich Spaß", so Bernd Steger (FW), der bisher schon als weiterer stellvertretender Landrat den Landkreis nach außen vertrat. Er sei gerne unterwegs und mit Menschen zusammen.

Steger verweist auf Gespräche innerhalb seiner Fraktion, in denen man sich auf ihn und seinen Kollegen Gerhard Löffler geeinigt habe. Der Kleintettauer Bäckermeister steht ebenfalls in den Startlöchern. Er spricht davon, dass man mit ihm, nachdem die Stellenvertreter aus Steinwiesen und Küps kommen, den Norden berücksichtigen wolle. Sollte er gewählt werden, wolle er vor allem den Menschen zuhören.

Keine einfache Aufgabe

Mit 19 Mitgliedern sei die CSU im Kreistag am Stärksten vertreten, so der CSU-Fraktionsvorsitzender Bernd Liebhardt. Dennoch brauche man einen Koalitionspartner, um Mehrheiten zu erzielen. Liebhardt spricht von einem Dialog mit anderen Parteien und der Wichtigkeit, stabile Verhältnisse zu schaffen. Es sei schwierig, innerhalb der CSU-Fraktion Frauen zu finden, die Ambitionen für ein Vertretungsamt haben und auch die notwendige Zeit dafür mitbringen. Dass die CSU mehr Frauen wolle, stehe außer Frage. Deshalb sei man auch bemüht, die einzelnen Ausschüsse paritätisch zu besetzen. Und: "Die CSU versucht, alles möglich zu machen, kann aber nicht alle Probleme lösen!"

Kein Statement kam vom Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, Stefan Wicklein. Auf die Frage, wie er denn zu den Stellvertreterposten steht, und warum die Freien Wähler gleich mit zwei Kreisräten diese einnehmen wollen, meinte er: "Ich äußere mich nicht zu Fragen, die ich vorher nicht mit meiner Fraktion abgestimmt habe."

Er könne dazu nichts sagen, so Harald Meußgeier von der AfD, die erstmals mit drei Mandaten in den Kreistag einzieht. Er denke aber, dass es diesbezüglich nicht um die Sache, sondern um die Verteilung von Posten gehe.

Eine, die sich klar äußert, ist Edith Memmel (Grüne). Sollte sie bei der konstituierenden Kreistagssitzung als weitere stellvertretende Landrätin vorgeschlagen und gewählt werden, würde sie dieses Amt übernehmen. Denn: "Fünf Männer als Landräte, das widerspiegelt nicht den Landkreis." Und: "Ein Grußwort kann ich auch sprechen!"

Nicht tragbar

Klar bezieht auch der CSU-Landtagsabgeordnete und Kreisrat, Jürgen Baumgärtner, Position: "Ich trage keine vier Männer als Stellvertreter des Landrats mit!" Er strebe eine Lösung an, die jünger und weiblicher wird, so Baumgärtner.

Durchaus könne er sich vorstellen, dass in der ersten Halbzeit der Wahlperiode eine erfahrene Kollegin einen Landrats-Stellvertreterposten übernimmt und diese nach drei Jahren ihren Erfahrungsschatz an eine jünger Kollegin weitergibt. Dem Vernehmen nach könnte dies Edith Memmel sein, die nach drei Jahren von Marie Therese Wunder abgelöst werden könnte. Darauf angesprochen, wollte Baumgärtner sich nicht äußern.

Leider konnte der SPD-Fraktionsvorsitzende, Timo Ehrhardt, nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.