Ob Handball, Basketball oder Eishockey: Die Profivereine aus der Region hatten sich akribisch auf eine Saison unter Corona-Bedingungen vorbereitet. Um zumindest einen Teil der Zuschauereinnahmen zu generieren, erarbeiteten die Klubs Hygienekonzepte, passten ihre Etats an - und bekamen positive Rückmeldungen.

Doch die steigenden Corona-Infektionszahlen in Deutschland werfen die Pläne über den Haufen, es drohen Geisterspiele ohne Aussicht auf schnelle Verbesserung. Wie gefährdet ist der fränkische Hallen-Profisport?

Der HSC in Existenzangst

Bei den Coburger Erstliga-Handballern geht die Angst um. Seit Montagnachmittag steht fest, dass der HSC vorerst keine Fans mehr in die über 3000 Zuschauer fassende HUK-Arena lassen darf. Das hat es die Stadt Coburg angesichts des steigenden Sieben-Tage-Inzidenzwertes entschieden. "Wir beobachten ja seit längerem die Corona-Entwicklung in der Stadt und dem Landkreis. Uns war klar, dass es zu dieser Entscheidung kommen kann", bilanziert Geschäftsführer Jan Gorr. "Natürlich hätten wir uns sehr gewünscht, dass wir dieses Heimspiel vor unseren Fans bestreiten können. Allerdings verstehen wir, dass die Eindämmung des Virus jetzt Priorität hat", erklärt der Geschäftsführer.

Wie lange der Klub Geisterspiele ohne Zuschauereinnahmen durchhalten kann, weiß Geschäftsführer Jan Gorr nicht genau: "Eine konkrete Zahl kann ich nicht nennen. Aber eines ist allerdings klar: die Zuschauereinnahmen sind ein wesentlicher Teil unseres Budgets. Und ohne eine Kompensationslösung in diesem Bereich werden wir eine Saison ohne Zuschauer wirtschaftlich nicht überstehen können." Und wie könnte eine solche Lösung aussehen? "Das könnte die Fortführung der Corona-Hilfe Profisport sein. Das wäre für alle Profivereine mehr als wichtig."

Brose Bamberg hofft auf Fans

Obwohl die Corona-Ampel in Bamberg auf Rot steht, hofft Brose Bamberg in der am 6. November beginnenden Bundesliga-Saison vor Zuschauern spielen zu können. Doch über deren Zulassung entscheidet das örtliche Gesundheitsamts. "Wir stehen in ständigem Austausch mit der Behörde und hoffen, dass unser Hygienekonzept insofern überzeugt, dass wir zumindest ein kleine Zahl von Fans in die Halle lassen dürfen", erklärt Thorsten Vogt, Mediendirektor von Brose Bamberg. Da die Bamberger ihr erstes Heimspiel erst am 14. November austragen, lasse sich heute noch nicht voraussagen, wie das Gesundheitsamt entscheiden werde.

Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, hatte kürzlich erklärt, notfalls mit Geisterspielen in die neue Spielzeit starten zu wollen. Eine Verschiebung des Saisonstarts schloss er aus. Für alle Vereine sind Geisterspiele aber keine Dauerlösung, da Zuschauereinnahmen ein wesentlicher Eckpfeiler der Budgetplanungen sind. Auch Philipp Galewski, Geschäftsführer von Brose Bamberg hatte schon mehrfach betont, dass eine Hallenauslastung von 30 bis Prozent das Minimum sei, um wirtschaftlich handlungsfähig zu bleiben.

Tigers vor immensen Einbußen

"Eine ganze Saison mit Geisterspielen können wir nicht finanzieren", sagt der Geschäftsführer des Eishockey-Zweitligisten Bayreuth Tigers, Matthias Wendel. "Aber das geht nicht nur uns so, sondern allen DEL2-Klubs. Die Einnahmen aus den Zuschauern sind immens." Knapp 700 Dauerkarten haben die Wagnerstädter für diese Saison verkauft und mit 1700 Fans im Schnitt kalkuliert. "Die Zuschauer-Einnahmen machen etwa 45 Prozent unseres Etats aus", sagt Wendel. Am kommenden Sonntag bestreiten die Tigers gegen Dresden das erste Vorbereitungsspiel auf eigenem Eis - nach derzeitigem Stand vor maximal 50 Zuschauern. "Die endgültige Entscheidung teilt uns das Ordnungsamt bis Freitag mit." Aber eins ist sicher: "Wir können bis Ende November ohne Zuschauer spielen. Dann ist Schluss", sagt Wendel klipp und klar. Bestenfalls dürfen die Tigers während der Corona-Pandemie 2600 Zuschauer in den über 4000 Zuschauer fassenden "Tiger-Käfig" lassen. "Wir haben seit August ein vom Gesundheitsamt genehmigtes Hygienekonzept", sagt Wendel. Doch über die tatsächliche Zuschauer-Kapazität entscheidet von Woche zu Woche das Ordnungsamt

Tristesse beim HC Erlangen

Knapp 1800 Zuschauer durften im ersten Saisonheimspiel vor gut zwei Wochen einen Erlanger Kantersieg gegen die MT Melsungen bejubeln. Ganz anders war die Gefühlslage in der Nürnberger Arena am vergangenen Sonntag: Zuschauer waren nicht erlaubt, der HCE verlor letztlich klar gegen die Rhein-Neckar Löwen.

"Es war eine sehr eigenartige Atmosphäre. Wir brauchen die Unterstützung der Fans gerade in engen Partien", sagt Geschäftsführer René Selke. Die in der Testphase bis Ende Oktober geltende 20-Prozent-Regel ermöglichte dem HCE 1800 Fans in der Arena. "Eigentlich standen ab November Lockerungen in Aussicht. Realistisch betrachtet können wir froh sein, wenn bald wenigstens die 20 Prozent wieder reindürfen", sagt Selke.

Der Austausch unter den Handball-Bundesligisten sei sehr eng, wie Selke erklärt. Wöchentlich halten sich die Klubs auf dem Laufenden. Aktuell sei die Stimmung laut Selke sehr angespannt: "Wir alle haben das Ziel, unsere Sportart am Leben zu erhalten. Dafür brauchen wir aber Zuschauer. Es war von Anfang an von allen Vereinen kommuniziert, dass wir die Saison nur überstehen, wenn wir mit Zuschauern planen dürfen."

Mögliche Lösungen gibt es viele. Von einer zeitweisen Aussetzung des Spielbetriebs bis zu der Fortsetzung in leeren Hallen ist alles drin. "Fest steht, dass die Vereine dauerhafte Geisterspiele hart treffen würden", sagt Selke.