Es sei eine unbefriedigende Situation gewesen, erzählt Claudia Wicklein, Assistentin der Geschäftsleitung von Martin-Reisen in Pressig. Mit jeder neuen Verordnung, die in den vergangenen Wochen in München beschlossen wurde, habe auch die Firma Martin-Reisen gehofft, wieder mit ihren Bussen starten zu können.

Die Corona-Krise traf Martin-Reisen, ebenso wie die meisten Unternehmen, völlig unerwartet. Plötzlich standen drei große Reisebusse still, erläutert Claudia Wicklein. Die Busfahrer sowie ein Teil der Verwaltung und des Reisebüros mussten in Kurzarbeit geschickt werden.

Dann ging es richtig rund ...

Das Telefon klingelte unaufhörlich: Was ist mit meiner gebuchten Reise? Was ist mit meinem Geld? Hinzu kam ein zusätzlicher Verwaltungsaufwand, den keiner für möglich gehalten hätte. So musste Martin-Reisen bereits gebuchte Reisen mit Hotels beziehungsweise Veranstaltern stornieren. Fahrgäste wiederum sagten ihre gebuchte Busreise ab. Anzahlungen von Kunden, die diese für ihren Ausflug oder ihre Urlaubsreise geleistet hatten, mussten zurückbezahlt werden. Vorauszahlungen, die Martin-Reisen an Hotels und Leistungsträger wie Konzertveranstalter geleistet hatte, mussten eingefordert beziehungsweise in Gutscheine umgewandelt werden. Die Reisegutscheine, so erzählt Claudia Wicklein, die Martin-Reisen ihren Kunden als Ausgleich angeboten wurden, seien nur teilweise angenommen worden.

Vor etwa zwei Wochen konnten Busreisen zwar wieder durchgeführt werden, aber nur unter strengen Auflagen. So musste die Abstandsregel von 1,5 Metern im Bus eingehalten werden. Es durften nur Einzelbuchungen angenommen werden. Vereins- und Gruppenreisen durften nicht durchgeführt werden, beziehungsweise waren aufgrund des Infektionsschutzgesetzes und der Gruppenbildung nicht erlaubt.

Enorme finanzielle Einbußen

Beides hatte die Durchführung von Busreisen unwirtschaftlich gemacht. "Die finanziellen Einbußen waren enorm und die Kosten liefen weiter", beschreibt Claudia Wicklein die Situation. Zwar habe Martin-Reisen Soforthilfen erhalten, aber damit habe man nur einen Bruchteil der laufenden Kosten kompensieren können.

"Seit Montag entfallen die Mindestabstandsregelungen zwischen den Fahrgästen", sagt Wicklein. Auch können Vereins- und Gruppenreisen wieder gebucht werden. Martin-Reisen will nun trotz Auflagen den Fahrgästen einen unbeschwerten Urlaub beziehungsweise Ausflug bieten. Für ein Hygienekonzept ist gesorgt. So müssen die Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen sowie bei Pausen eine Mund-Nase-Bedeckung tragen.

Um eine Kontaktpersonen-Ermittlung im Falle eines nachträglich identifizierten Covid-19-Falles unter Gästen oder Personal zu ermöglichen, wird eine Dokumentation mit Angaben von Namen, Adressen und Erreichbarkeit geführt. Die Daten, sagt Wicklein, müssten nach einem Monat gemäß der Datenschutzgrundverordnung vernichtet werden.

Hygienekonzept ausgearbeitet

Zudem werden die Fahrgäste über Hygienevorschriften informiert. Mindestens alle zwei Stunden muss eine mindestens 15-minütige Pause eingelegt werden, in der alle Fahrgäste den Bus verlassen müssen. Im Bus dürfen nur verpackte Speisen und Getränke ausgegeben werden. Dabei ist das Personal verpflichtet, Einweghandschuhe und Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. Jeder Fahrgast darf nur den Sitzplatz einnehmen, der ihm zugewiesen ist. Nach jeder Beförderung müssen Kontaktstellen wie Haltegriffe, Armlehnen und Klapptische desinfiziert und gereinigt werden.

"Es ist schon ein großer Aufwand, aber Hauptsache es geht los!" Claudia Wicklein findet es nicht gut, dass in den einzelnen Bundesländern immer noch unterschiedliche Regelungen gelten. Das führe zu Wettbewerbsnachteilen, meint sie.

Seit dem Bekanntwerden der Lockerungen für Busunternehmen kämen nun sukzessive mehr Anfragen. Aber es werde dauern, bis sich auf diesem Gebiet wieder eine gewisse Normalität entwickelt hat, meint sie. Sie hofft nun darauf, dass zumindest in der Adventszeit wieder ein Stück alter Zeiten und Normalität im Bus zurückkehrt.

Die Angst geht um

"In diesem Jahr wird sich trotz Lockerungen im Busreiseverkehr kaum was bewegen", meint der Busunternehmer Edwin Neubauer. Die Leute seien einfach unsicher und hätten Angst. Es gebe kaum Nachfragen. Auch seine Reisebusse stehen still. Erleichtert ist Edwin Neubauer darüber, dass er sich mit seinem Unternehmen nicht nur auf Reisen konzentriert, sondern auch auf Sach- und Personenverkehr und mit Kurierfahrten weitere Standbeine hat.

Noch keine Soforthilfen erhalten

Zwar fiel der Unterricht an den Schulen und somit auch die Schülerbeförderung aus, aber die Schichten in den Industriebetrieben liefen ja weiter, wenngleich auch bei vielen Unternehmen die Corona-Krise Auswirkungen gehabt hätte, sagt der Kehlbacher. Bisher hat Edwin Neubauer noch keine Soforthilfen erhalten. Auch Kollegen aus seiner Branche warteten noch auf eine Nachricht. Allerdings - und dafür ist er Landrat Klaus Löffler dankbar - gab es durch die Sachaufwandsträger, die Gemeinden und den Landkreis, eine Ausgleichszahlung wegen des durch Corona bedingten Ausfalls des Schulunterrichts und der damit verbundenen Schülerbeförderung. Dafür habe sich Landrat Löffler eingesetzt.

"Dennoch ist Busfahren in Zeiten von Corona nicht nur mit finanziellen Einbußen verbunden, sondern es ist auch beschwerlicher geworden", sagt er: Mehr Bürokratie, mehr Schutzvorschriften - das sei alles mit Herausforderungen verbunden. Er ist überzeugt davon, dass eine Rückkehr in Zeiten vor Corona und somit auch steigende Nachfragen für eine Busreise noch einige Monate dauern werden.