Die Beibehaltung der Eigenständigkeit des Notariats Ludwigsstadt steht auf dem Prüfstand. Nach Informationen des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz wird derzeit die Anregung der Landesnotarkammer Bayern, nämlich eine Verlegung der Notarstelle nach Kronach - unter Beibehaltung einer auswärtigen Geschäftsstelle in Ludwigsstadt - geprüft. Die Anregung, die in diesem Zusammenhang für und gegen eine Anpassung der Struktur der Notarstellen im Landkreis Kronach sprechen, bedürfe sorgfältiger Abwägung, hieß es weiter.

"Das wäre ein weiterer Schlag ins Gesicht", sagt der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Stadtrat, Hermann Feuerpfeil. Er erinnert daran, dass Ludwigsstadt nach der Wende bezüglich verschiedener Ämterauflösungen bittere Pillen habe schlucken müssen. Einrichtungen wie das Arbeitsamt, der Sitz der ehemaligen Kreissparkasse Ludwigsstadt, das selbstständige Dekanat, die Hauptschule und die Fachoberschule am Rennsteig brachen weg. Hinzu kam, dass vor rund zehn Jahren die einzige Brauerei Insolvenz angemeldet habe.

Er erinnert an die Zeit unmittelbar nach der Grenzöffnung, als den Ludwigsstädtern Einrichtungen zugesichert wurden. "Stattdessen passiert das Gegenteil".

Sicherlich habe sich in den letzten Jahren - nicht zuletzt dank der großzügigen Förderung des Freistaats und der guten Zusammenarbeit im Stadtparlament und in der Verwaltung einiges bewegt. In diesem Zusammenhang spricht Feuerpfeil unter anderem von der Sanierung des Stadtkerns, von der Revitalisierung von Gebäuden etc. Aber all das könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach und nach immer mehr Einrichtungen, die nicht nur für Ludwigsstadt, sondern für die gesamte Rennsteig-Region wichtig sind, abbrechen beziehungsweise verlagert werden. Und er betont, dass eine Notariatsstelle in Ludwigsstadt wegen der kurzen Wege auch für die umliegenden Gemeinden mit Lebensqualität verbunden ist.

Als mögliche Gründe für eine Auflösung der Eigenständigkeit des Notariats Ludwigsstadt vermutet Feuerpfeil rückläufige Einwohnerzahlen und niedrige Immobilienpreise. In der Kreisstadt, so sagt er, seien nicht nur die Immobilienpreise wesentlich höher, sondern es sei durch den Lucas-Cranach-Campus auch mit viel Bewegung auf dem Bausektor zu rechnen. Dies würde sich auch auf das Einkommen eines Notars auswirken.

Intern und vertraulich

Es ist ein Prozess, der intern und vertraulich geführt wird, so der Ludwigsstädter Bürgermeister Timo Ehrhardt. Deshalb wolle er sich auch nicht äußern. Nur soviel: "Notarielle Dienste müssen auf Dauer in Ludwigsstadt angeboten werden!" Würde dieses Angebot gestrichen, würde das eine Schwächung der gesamten Rennsteig-Region bedeuten. Denn bei jeder Beurkundung, bei jeder Eintragung ins Vereinsregister müssten die Bürger beziehungsweise Vereinsvorstände nach Kronach fahren. Somit würde ein Stück Attraktivität einer Region verloren gehen.

Nicht äußern wollte sich der amtierende Ludwigsstädter Notar Jochen Keßler, der im Februar 2016 die Nachfolge von Thomas Reich antrat. Die Notariatsstelle war damals vakant, nachdem Thomas Reich im Oktober 2015 nach Lichtenfels wechselte. Keßler verwies darauf, dass die Entscheidung das Justizministerium treffen wird.

Nicht äußern wollte sich auch der CSU-Fraktionsvorsitzende David Martin. Er verwies auf die derzeit vorhandene "Nichtöffentlichkeit" der Thematik. Er können dazu nichts sagen, er wisse von nichts, zeigten sich der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch und sein Steinbacher Kollege Thomas Löffler überrascht.

Und aus dem Jusitzministerium ist noch zu hören, dass die Notariatsstelle in Ludwigsstadt - sollte die Stellenstruktur entsprechend angepasst werden - nach Kronach verlegt werden kann. Derzeit würden Stellungnahmen vor Ort eingeholt, die in die Prüfung einbezogen werden können.

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