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Zeyern
Verkehr

Neues Lebensgefühl in Zeyern

Seit 2003 kämpfte die Interessensgemeinschaft "Ortsumgehung Zeyern!" für ihr Ziel. Seit Freitag ist der Ort vom Durchgangsverkehr befreit.
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Nachdem die Ortsumgehung Zeyern (links im Bild) fertiggestellt ist, kehrt nun Ruhe in Zeyern ein. Veronika Schadeck
Nachdem die Ortsumgehung Zeyern (links im Bild) fertiggestellt ist, kehrt nun Ruhe in Zeyern ein. Veronika Schadeck
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Seit Freitagmorgen ist die Ortsumgehung Zeyern für den Verkehr freigegeben. Die Zeyerner Bürger atmen auf. Für sie beginnt eine Epoche, die mit einem neuen Lebensgefühl verbunden ist.

"Was ist denn da los?" fragte Johannes seinen Opa Christian Zeuß am Samstagmorgen. Der Dreijährige besucht oft seine Großeltern, die direkt im Ortskern Zeyern an der B 173 wohnen. Für den jungen Mann war es jedesmal ein Highlight, wenn ein Lkw nach dem anderen, nur wenige Meter vom Haus entfernt, vor dem Fenster vorbeifuhren. Er war von den endlosen "Autoschlangen" fasziniert.

Am Samstagmorgen war es still. Nur vereinzelt fuhren Autos am Haus der Großeltern vorbei. Kein Lärm, keine Abgase. Man hörte den Zeyernbach rauschen, Hunde bellen und Vögel zwitschern. "Für viele Bürger im Landkreis mag dies selbstverständlich sein, für uns ist es ein neues Lebensgefühl", sagt Christian Zeuß.

Er war mit aktiv in der Interessensgemeinschaft "Ortsumgehung Zeyern!". Zusammen mit einigen Mitstreitern kämpfte er jahrelang für die Ortsumgehung. Am Dienstagmittag sitzen einige davon im Pfarrheim und erinnern sich. Die Interessensgemeinschaft habe sich im Jahre 2003 gegründet, als die Planungen für den Bau der Ortsumgehung zurückgestellt wurden. Schon damals waren der Durchgangsverkehr und der Lärm unerträglich. Werner Hempfling berichtet von Mitte der 80er Jahre. Damals wohnte er direkt an der B 173 in Zeyern. Er erinnert an einen Ostermontag. Mehr aus Spaß habe man um die Mittagszeit die Autos gezählt. Innerhalb einer Stunde fuhren 620 Fahrzeuge durch Zeyern. Später, so ergänzt Walburga Bayer kam die Grenzöffnung, die Lkw-Maut und die EU-Osterweiterung. Viele Lkw-Fahrer umgingen die Maut, indem sie auf die Bundesstraße auswichen und somit durch Zeyern fahren mussten. Eine Unterhaltung im Freien sei unmöglich gewesen, erzählt Walburga Bayer. Der Lärm sei teilweise unerträglich gewesen, was sich natürlich auch auf die Gemütslage auswirkte. Das Verkehrsaufkommen stieg permanent.

Der Dritte Bürgermeister der Gemeinde, Roland Pompe, zog erst vor zwei Jahren vom Neubaugebiet in den Ortskern. Anfangs habe er gedacht: "So schlimm wird es schon nicht sein!". Binnen weniger Tage wurde er eines Besseren belehrt. Er spricht von Hupen, quietschenden Reifen und unerträglichem Lärm, und das zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Politikern auf den Fersen

Seit der Gründung der Interessensgemeinschaft fanden viele Zusammenkünfte und Gespräche mit den heimischen Politikern und Vertretern des Staatlichen Bauamtes statt. Man scheute auch nicht den Weg nach München und Berlin sowie direkte Gespräche mit Ministerpräsidenten und Staatssekretären, wenn diese in der Region weilten. Werner Hempfling kann sich auch noch gut an eine Bergtour in der Aschauer Region im Jahre 2008 erinnern. Zufällig erfuhr er, dass der damalige Ministerpräsident Günther Beckstein in der Gegend weilte. Beharrlich bat er um einige Minuten, um Beckstein direkt auf die Situation in seinem Heimatdorf ansprechen zu dürfen.

Als man schließlich im Jahre 2013 dem Ziel nahe war, kam eine neue Hiobsbotschaft, nämlich die Klage des DJK/SV Zeyern gegen den Planfeststellungsbeschluss und gegen die Gemeinde wegen Kündigung des Pachtvertrags (wir berichteten). Für die Interessensgemeinschaft ein herber Rückschlag. "Die Nerven lagen blank!", so Pompe. Wiederum fanden viele Gespräche mit den Vertretern des Sportvereins, mit dem Bauamt und der heimischen Politik statt.

Ziehen nun die Mitglieder der Interessensgemeinschaft Resümee, so meint Roland Pompe: "Wenn man beharrlich ist, Durchhaltevermögen zeigt und die Kraft hat, Neues anzugehen, dann erreichst Du etwas!" Die Interessensgemeinschaft Ortsumgehung Zeyern ist überzeugt: "Ohne uns wäre die Ortsumgehung in diesem Zeitraum nicht entstanden. Der Druck von außen hat sich gelohnt!"

Sie wissen aber auch, allein kann man kaum etwas bewirken. Daher gilt ihr großer Dank der heimischen Politik und den zuständigen Mitarbeitern im Staatlichen Bauamt für die Unterstützung.

In diesem Zusammenhang fallen Namen wie MdB Hans Michelbach, der ehemalige MdL Christian Meißner, MdL Jürgen Baumgärtner, ehemalige MdL Christa Steiger, Bürgermeister Norbert Gräbner, von den Landräten Oswald Marr und Klaus Löffler sowie dem Leiter des Staatlichen Bauamtes Uwe Zeuschel, dem ehemaligen Leiter der Servicestelle Kronach, Jürgen Woller, und seinem Nachfolger Jens Lausmann.

Es herrscht Aufbruchstimmung

Und wie geht es nun weiter in Zeyern? "Wir nehmen das Dorf anders wahr - wir haben Lebensqualität!", so Roland Pompe. Für ihn und die Zeyerner sei die Ortsumgehung auch mit Emotionen verbunden, die sich vorteilhaft auf den rund 680 Einwohner zählenden Marktrodacher Ortsteil auswirken werden. Es herrsche Aufbruchstimmung, Begeisterung und ein neuer Gemeinschaftsgeist. Mit Elan und Euphorie werden die Zeyerner zusammen mit der Gemeinde und dem Amt für Ländliche Entwicklung die Dorferneuerung angehen. Die Baunachfrage wird steigen, sind die Mitglieder der Interessensgemeinschaft überzeugt.

Mit am Tisch sitzt Karl Partheimüller. "Ich freue mich besonders, dass man in meinem Biergarten wieder eine Auszeit nehmen und sein Bier ohne Lärm genießen kann!" Er sei oft gefragt worden, warum er als Gastwirt sich für eine Ortsumgehung einsetze. Er sei überzeugt, dass nicht der vorbeiführende Verkehr, sondern die Wohlfühlatmosphäre, der Service und das Preis-LeistungsVerhältnis für den Besuch eines Wirtshaus entscheidend sei.

Jetzt hoffen die Mitglieder der Interessensgemeinschaft auf ein paar schöne Jahre in ihrem alten und doch zugleich neuen Heimatdorf. Mit Freude nehmen sie das Engagement der nachfolgenden Generation wahr. "Da macht es einem nichts aus, in die zweite Reihe zurückzutreten", meint Werner Hempfling. Es wäre aber schön, wenn wir diese Generation noch ein Stück weit begleiten dürfen, jetzt - nachdem der Ort zu Ruhe gekommen ist.