Normalerweise würde Ewald Fehn in dieser Jahreszeit mit seinen Musikern regelmäßig für das Frühjahrskonzert 2021 konzertante und mitunter schwierige Musikstücke einstudieren. Er würde wöchentlich in seiner Bläserklasse Grundschüler in Musik unterrichten und ihnen das Spielen eines Musikinstruments beibringen. Zudem würde er sich mit Musikkollegen und Vertretern der Kirche Gedanken über die musikalische Gestaltung der Christmette machen. Das alles ist jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie anders: Statt gemeinsamer Proben mit Kindern und Musikern aus dem Verein musiziert Ewald Fehn täglich zu Hause in seinem Musikzimmer.

Von Beginn an mit Herzblut dabei

Seit 1988 führt Ewald Fehn als Vorsitzender den im Jahr 1909 gegründeten Verein. 15 Jahre lang, von 1995 bis 2010, war er gleichzeitig auch Dirigent.

Während Fehn erzählt, merkt man, dass ihm der Musikverein Steinbach am Herzen liegt. Angefangen habe es in seinem neunten Lebensjahr, erinnert er sich. Damals sei er mit seinem Vater Georg und dem Musikverein bei einem Musikfest gewesen. Voller Stolz habe er beim Festumzug mit einer Hinweistafel den Musikverein Steinbach anführen dürfen. Damals dachte er: "Das ist mein Verein!" Und so ist es bis heute geblieben.

Sein erstes Instrument, das ihm sein Vater gekauft hat, war eine Geige. Nachdem er einige Monate Geigenunterricht genommen hatte, meinte sein Musiklehrer, dass es nun an der Zeit sei, ein weiteres Instrument zu lernen. Mittlerweile beherrscht der 71-Jährige viele Blasinstrumente wie das Tenorhorn und das Flügelhorn. Bisher war er stolz darauf, sein Wissen und seine Erfahrungen an den Nachwuchs weitergeben zu können. "Derzeit geht das aber nicht, und das ist frustrierend!"

Obwohl der Wandel der Zeit auch beim Steinbacher Musikverein Spuren hinterließ, sei man doch gut aufgestellt gewesen, erzählt Fehn weiter. In der Vergangenheit wohnten und arbeiteten rund 90 Prozent der Aktiven in Steinbach und den benachbarten Orten. Mittlerweile habe die Mehrheit der Musiker ihren Lebensmittelpunkt außerhalb, doch zu den Musikproben sei immer ein Großteil anwesend gewesen.

Auch die Nachwuchsarbeit funktionierte. In den letzten Jahren sei er in die Schule gegangen und habe den Heranwachsenden Musikinstrumente vorgestellt. Im Februar 2019 habe er mit Grundschülern der Gemeinde und mit Unterstützung der Schulleiterin Andrea Paschold eine Bläserklasse gegründet. Die Kinder wurden nach ihrer regulären Unterrichtszeit wöchentlich in der Schule unterrichtet. "Das funktionierte hervorragend, die Kinder waren motiviert und übten mit Freude!" Ein Höhepunkt sei im vergangenen Jahr der Auftritt bei der Steinbacher Dorfweihnacht gewesen. Parallel zu den Lernstunden in der Bläserklasse fanden in der Vergangenheit auch regelmäßig Probe-Abende mit den aktiven Musikern in der Pausenhalle der Steinbacher Schule statt - bis der erste Lockdown kam.

Nach der Lockerung der Einschränkungen Ende Mai mussten wegen der Hygiene- und Abstandsregelungen für das gemeinsame Musizieren neue Räumlichkeiten gefunden werden. Glücklicherweise stellte Bürgermeister Thomas Löffler dem Verein die Rennsteighalle zur Verfügung, teilweise probte man auch im Freien. Er sei überrascht gewesen, als bei der ersten Probestunde nach dem ersten Lockdown so viele Musiker anwesend waren, die ihren Lebensmittelpunkt nicht mehr in der Region haben.

Ende Oktober folgte schließlich aufgrund der steigenden Infektionszahlen und der daraus resultierenden strengen Maßnahmen der zweite Stillstand. Niemand wisse, wie lange dieser "Lockdown light" nun andauert, sagt Fehn. Man könne nichts planen, auch im kommenden Jahr würden wahrscheinlich keine Veranstaltungen stattfinden.

"Lebensqualität geht verloren"

Für Ewald Fehn ist klar: Sollte man die Pandemie nicht in den Griff bekommen, würden viele Vereine nicht nur zum Erliegen kommen, es gehe auch ein großes Stück Geselligkeit, Miteinander und Lebensqualität in einer Gemeinde verloren. Da bringe auch der Versuch, den Kindern die Musik und das Lernen eines Instruments auf virtuelle Art beizubringen, nichts. Fehn: "Ich habe das probiert, es funktioniert einfach nicht!" Es fehle die Gemeinschaft, der soziale Kontakt und Austausch.

Keine Veranstaltungen und Feste ausrichten oder musikalisch begleiten zu dürfen, bedeute auch, dass kein Geld in die Kasse kommt, das der Verein für die Nachwuchsarbeit oder die Anschaffung von Instrumenten benötigt.

Für Ewald Fehn heißt es, hoffen, abwarten und dann möglichst schnell wieder ins "normale Vereinsleben" kommen, auch um die Mitglieder und die Jugend im Verein zu halten.

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