Der Weg zum Container gleicht inzwischen einem Hindernislauf. Wer in Kronach bei den am Kaulanger-Parkplatz aufgestellten Behältern sein Altglas loswerden möchte, muss schon auf Zehenspitzen ein unfreiwilliges Tänzchen aufführen, um nicht auf den zahlreich herumliegenden Flaschen oder Gläsern auszurutschen.

Doch selbst, wessen Füße den Hindernislauf unbeschadet überstanden haben, wird keinen Erfolg haben: Schließlich liegen die Glasmassen nicht um die Container herum, weil die Kronacher ihren Abfall lieber in die Ecke werfen, anstatt ihn ordnungsgemäß zu entsorgen. Die roten, grünen und silbernen Metallboxen sind schlichtweg voll. Mal wieder.

Wachsender Unmut

;

Denn neu ist ein solches Bild nicht. Nicht am Kaulanger und auch nicht an weiteren Glascontainer-Standorten im Kreis Kronach. Immer wieder berichtete infranken.de darüber, dass es seit diesem Sommer mehrfach nicht gelang, die Glascontainer zu leeren (die Artikel finden Sie hierund hier). Zwar hat die mit der Entsorgung beauftragte Firma Remondis die Glasmengen zwischendurch entfernt, die sich allerdings innerhalb kürzester Zeit wieder angestaut hatten.

Ebenso schnell wie Glasmengen scheint allerdings auch der Unmut in der Bevölkerung zu wachsen. Das ist nicht nur durch wütende Posts in den sozialen Netzwerken festzustellen, sondern auch durch verärgerte Anrufe beim Kronacher Landratsamt. "In den letzten Wochen haben sich immer wieder Bürger bei uns gemeldet", sagt Pressesprecher Bernd Graf.

Das Landratsamt habe damit zwar nichts zu tun, weil Remondis vom Grünen Punkt und nicht vom Landratsamt beauftragt ist, dennoch habe sich das Sachgebiet für Abfallwirtschaft sofort mit dem Unternehmen in Verbindung gesetzt, "sobald uns Missstände bekanntgeworden sind". Das Problem dabei: Ein echtes Druckmittel habe das Landratsamt nicht.

Der Kern des Problems

;

Zur unendlichen Geschichte soll die Altglas-Situation im Landkreis aber nicht werden. Das verspricht jedenfalls Remondis-Pressesprecher Michael Schneider. "Eine Lösung ist in Sicht", betont er. "Wir haben zwei weitere Fahrer mit Personal einbestellt, so dass seit Montag die liegengebliebenen Glasabfuhren nachgefahren werden."

Wie lange das genau dauert, sei schwer zu sagen. "Das sind ja mehrere Dutzend Anlaufstellen, daher wäre das Kristallkugel-Guckerei." Er hoffe aber, dass in einer, maximal in zwei Wochen alles wieder nach Plan verlaufe.

Dass die Firma in den vergangenen Wochen und Monaten gleich mehrfach nicht die Leistung erbrachte, die sie vertraglich zugesichert hat, liege an gleich mehreren Gründen. In erster Linie liege es an fehlenden Fahrern. Deutschlandweit sei es ein großes Problem, Berufskraftfahrer zu finden.

150 Containerstandorte

;

Doch noch immer gelte: "Fällt ein Fahrer aus oder ein Fahrzeug, hat man sofort ein Problem", erklärt Schneider. Genau das sei auch vergangene Woche passiert, als ein drittes Fahrzeug dabei mithelfen sollte, den Kampf mit den Altglasmengen aufzunehmen. "Da hat es ein technisches Problem gegeben, so dass es noch einmal ausgefallen ist. Aber das ist behoben, jetzt sind vier im Einsatz."

Die beiden aus Ostdeutschland zur Unterstützung nach Kronach geschickten Altglas-Lastwagen sollen so lange im Landkreis unterwegs sein, bis es an jedem der 150 Containerstandorte wieder so aussieht, wie es eigentlich aussehen sollte: mit Gläsern und Flaschen im Container, statt davor und darauf.

Danach ist aber geplant, wieder auf das Modell mit zwei Fahrzeugen umzusteigen, die im 14-tägigen Rhythmus die Glascontainer leeren. "Die reichen normalerweise auch aus, wenn eine routinemäßige Abfuhr läuft", meint der Remondis-Sprecher. Es dürfe nur keinen technischen Ausfall geben. "Dann muss man da flexibel reagieren und von auswärts Fahrer und Fahrzeuge hinzuholen."

Und warum hat das im Fall Kronach nicht funktioniert? "Da kam leider noch hinzu, dass wir einen Disponentenwechsel hatten", sagt Schneider. "Da ist es mit der Planung etwas durcheinandergekommen." Die Touren hätten angepasst werden müssen, was zu "Reibungsverlusten" geführt habe. "Das hat dazu beigetragen, die Situation in Kronach zu verschärfen. Das in Verbindung mit einem Fahrerausfall, geht dann nicht."

Vertrag mit Remondis läuft Ende 2020 aus

;

Angesichts der Altglassituation in den vergangenen Monaten stellen sich gleich mehrere Fragen: Wie etwa einer solchen Entwicklung zukünftig entgegengewirkt werden kann? Wäre es beispielsweise denkbar, mehr Container aufzustellen, um so mehr Stauraum zu haben, falls es erneut zu Personalproblemen kommt? "Das liegt nicht im Einflussbereich desjenigen, der mit der Sammlung beauftragt wird", erklärt Remondis-Sprecher Michael Schneider.

Im Kreis Kronach sei es der Grüne Punkt, der zusammen mit dem Landratsamt ausformuliere, was genau der Grüne Punkt ausschreibt. "Da steht dann konkret drin, wo die Stellplätze sind, wie viele es sind und welches Sammelsystem überhaupt eingeführt wird", sagt der Remondis-Sprecher.

Was kein Lösungsansatz ist

;

Das bestätigt auf FT-Nachfrage auch Bernd Graf, der Sprecher des Kronacher Landratsamtes. Generell sei es eine Sache des Grünen Punkts, der Landkreis komme erst dann wieder ins Spiel, wenn es um Standorte für die Glascontainer geht. "Mehr Container aufzustellen, sehen wir allerdings nicht als Lösungsansatz", betont Graf. "Ich denke, man hat es damals bewusst so ausgeschrieben."

Einbringen könne sich die Verwaltung erst wieder Ende 2020, wenn der turnusmäßig alle drei Jahre ausgeschriebene Auftrag und der damit verbundene Vertrag ausläuft.

Ganz machtlos ist das Landratsamt übrigens trotzdem nicht. Obwohl der Landkreis kein Vertragspartner ist, wird ihm in dem Schriftstück ein sogenanntes Durchgriffsrecht eingeräumt. Das greife dann, wenn "das Gemeinwohl es erfordert, dass der Landkreis unaufschiebbare Maßnahmen auf Kosten der beauftragten Firma durchführen lässt", erklärt Graf.

Was genau aber ein solcher Fall ist, sei nicht ganz klar zu sagen. Eine solche Situation liege sicherlich vor, sobald etwa Öl in die Erde sickert. "Wenn Glas rumsteht, ist das selbstverständlich ärgerlich und nicht hinzunehmen. Aber wann ist da etwas vergleichbares wie beim Öl erreicht?", fragt er.

Kommentar von Marian Hamacher: Ein Sommer für den Hinterkopf

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt - obwohl es in diesem Fall wohl eher heißen müsste "zersplittert zuletzt". Gehen wir also einmal davon aus, dass Remondis sein Versprechen einhält und spätestens in zwei Wochen die Flächen vor den Glascontainern nicht mehr als Standort eines ganzen Flaschenparks dienen.

Doch an dieser Ankündigung muss sich das Abfallunternehmen messen lassen. Sollte sich die Situation in 14 Tagen nicht geändert haben beziehungsweise erneut eintreten, darf sich Remondis nicht noch einmal soviel Zeit lassen, ehe gehandelt wird. Klar: Geeignetes Fahrpersonal zu finden, ist schwierig. Erst recht im ländlichen Bereich. Der Kreis Kronach kann davon ein Lied singen. Stichwort "Schülerbeförderung".

Ein Unternehmen dieser Größenordnung sollte allerdings in der Lage sein, entsprechend zu reagieren. Schließlich macht Remondis einen jährlichen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro.

Wer aber Aufträge sammelt wie Grundschüler vor einer Fußball-Weltmeisterschaft Paninibilder, muss den Anspruch an sich selbst haben, diese auch ausführen zu können. Ansonsten sollte sich Remondis 2020 bei der kommenden Ausschreibung lieber zurückhalten.

Und das Landratsamt? Das hat zugegebenerweise getan, was in seiner Macht stand. Und das war in diesem Fall leider nur die des Wortes. Wenn in zwei Jahren zusammen mit dem Grünen Punkt überlegt wird, wie die Ausschreibung formuliert werden soll, sollten die Verantwortlichen den Sommer 2018 im Hinterkopf haben.