Es war im Jahre 2014, als die Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) im Zuge des Kooperationsvertrages mit dem damals schwer angeschlagenen Wasserzweckverband Frankenwaldgruppe (FWG) nicht nur dessen Betriebsführung und das technische Personal übernahm, sondern sich auch verpflichtete, die Fernleitungen der FWG im Norden zu sanieren. Am Dienstagmittag gab es im Gasthaus Schirmer einen aktuellen Sachstandsbericht und eine Besichtigung von einer der laufenden Baumaßnahmen. Dabei handelt es sich um die Verlegung der Fernleitung von Windheim aus zum neuen Hochbehälter in Kehlbach, der im nächsten Jahr in Angriff genommen wird.

"Wir haben einen hohen Investitionshaushalt", so der FWO-Vorsitzende Heinz Köhler. Insgesamt zwölf Millionen Euro investiert die FWO in die Sanierung der Fernleitungen im Norden sowie in den Bau von neuen Hochbehältern. Das sind Maßnahmen, die eigentlich - wäre kein Kooperationsvertrag zustande gekommen - die FWG hätte tätigen müssen.

Dass ein Investitionsschwerpunkt der FWO in diesem Jahr zwischen dem Rennsteig und Windheim liegt, ist derzeit nicht zu übersehen. Wie Heinz Köhler erklärte, werde derzeit in diesem Bereich die Fernleitung gebaut. Rund drei Millionen Euro investiert die FWO in diese etwa rund drei Kilometer lange Leitung, die in diesem Jahr bis zum Ortsausgang Richtung Kehlbach fertiggestellt werden soll. Im Zuge dessen wird auch eine Wasser-Einspeisestelle am Ortsausgang/Rennsteig und eine Zubringerwasserleitung nach Hirschfeld mit verlegt. Ziel sei es, dass jede Gemeinde mit einer eigenen Zubringerleitung ausgestattet wird. Bisher, so Rauh, sei diese Gemeinde mit der Windheimer Leitung verbunden.

Synergien werden genutzt

Der Zeitpunkt der Baumaßnahme wurde bewusst mit der Attraktivierung des Ölschnitzsees durch den Landkreis verbunden, um somit Synergien zu nutzen, erklärte Köhler weiter. Denn im Zuge der neuen Fernwasserleitung werden im Auftrag des Landkreises auch der Radweg entlang der Strecke und neue Abwasserleitungen mit gebaut. Das bedeute, dass somit auch der Kanalanschluss des Seeareals, genauer für die Seehütte und Sanitäranlagen, mit verlegt wird. Zudem erfolgt auch die Ortsnetzeinspeisung nach Windheim durch die FWG (dieser Zweckverband ist für den Unterhalt der Ortsnetze nämlich zuständig).

Die neuen Fernleitungen von Windheim zum neuen Wasserhochbehälter Kehlbach mit Anschluss an die Fernleitung nach Langenau und Buchbach soll im nächsten Jahr in Angriff genommen werden. Der neue Hochbehälter soll, so erklärte der Geschäftsführer der FWO, Markus Rauh, die bisherigen in Windheim, Kehlbach und Buchbach ersetzen. Die Kapazitäten dieser "alten Hochbehälter" reichen nicht mehr aus, zudem sei auch deren Bausubstanz in die Jahre gekommen. Vom neuen Hochbehälter aus soll dann das Wasser in die verschiedenen Richtungen gepumpt werden. "Wir wollen den Aufwand zentrieren und die Unterhaltskosten minimieren!" Und, so Rauh weiter: "Wir wollen das ganze Wassersystem effizienter und sicher aufstellen!"

Er erinnert in diesem Zusammenhang an den Plan, der unmittelbar nach dem Kooperationsvertrag mit der FWG erarbeitet wurde und der nun sukzessive bis zum Jahre 2022 abgearbeitet werden soll.

Den Worten von Heinz Köhler zufolge wurden bereits im Jahre 2014 und 2015 über zwei Millionen Euro in Sanierungsmaßnahmen, die eigentlich die FWG hätte stemmen müssen, investiert. Dazu zählt die 2,5 Kilometer lange Rohrleitung vom Hauptbehälter Tschirn bis Effelter, die Übergabeeinrichtung mit dem Schacht Haßlach. In den Jahren 2015/16 wurden die Rohrleitung vom Schacht bei Wiegand-Glas nach Lauenhain verlegt, zudem der Speicher am Hochbehälter in Tschirn erweitert sowie der Hochbehälter in Kehlbach geplant (rund 2,7 Millionen Euro). Am Ende des Plans soll schließlich der Neubau der Fernleitung vom Pumpwerk in Steinbach nach Lauenhain durchgeführt werden.

Sowohl Rauh als auch Köhler sind überzeugt, dass die Baumaßnahmen Entlastung und Stabilität bringen. Auch sei die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem und qualitativ hochwertigem Trinkwasser gesichert, so Köhler.

Wasserreserve vorhanden

In diesem Zusammenhang erklärte der Sachgebietsleiter Planung der FWO, Christian Beierkuhnlein, dass bei der FWO jährlich rund 20 Millionen Kubikmeter Wasser zur Verfügung stehen. Der Bedarf beziehungsweise die Abgabe liege bei rund 15 Millionen Kubikmetern. "Da ist eine Reserve vorhanden." Dass bei der FWO die Wasserversorgung sichergestellt sei, hänge auch mit der Ködeltalsperre zusammen, erklärt er. Denn im Gegensatz zu den Tiefbrunnenspeichern füllte sich diese auch bei Starkregen, während bei den Tiefbrunnen starke Regenfälle an den Oberflächen abfließen.

Und, das hat zumindest Christian Beierkuhnlein bei seinen vielen Besichtigungen rund um den Freizeitsee festgestellt: "Ich hätte nicht gedacht, dass Windheim so ein viel befahrener Ort ist!"