Ende gut, alles gut? Eigentlich wollte der Tschirner Bürgermeister Peter Klinger (CSU) die Angelegenheit auf Verwaltungsebene lösen. Doch die Tschirner Bürger waren schneller. Sie initiierten eine Unterschriftenaktion, mit der sie ihren Unmut über den Wegfall der direkten Busverbindung von Tschirn nach Kronach äußerten.

Es dreht sich um die Einführung des neuen Mobilitätskonzepts. Dabei war von Anfang an klar, dass mit dem Konzept zwar der Landkreis in ein neues Zeitalter des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) vorgedrungen war, aber auch, dass an einigen Stellen nachgebessert werden müsse. Deshalb gibt es auch die Testphase, die noch bis zum 7. September läuft. "Es ist ein Projekt, das wachsen muss", betonte Landrat Klaus Löffler (CSU) beim Startschuss.

Neues Mobilitätskonzept im Landkreis Kronach: Tschirner starten Unterschriftenaktion

Günter Böhnlein und weitere Bürger Tschirns sind froh, dass nun mit dem Start des neuen Mobilitätskonzeptes eine Querverbindung von Tschirn nach Tettau geschaffen wurde, nicht zuletzt wegen der auf diesem Weg ansässigen Industrie. Aber dass die Hauptlinie nach Kronach umgestellt wurde, stieß auf Unverständnis.

Bis zum 1. August, so erzählt Böhnlein, hatte die Gemeinde Tschirn über Effelter, Lahm, Hesselblach und Wilhelmsthal regelmäßige und durchgehende Busverbindungen zur Kreisstadt und zurück. In 35 Minuten war man auf der 22 Kilometer langen Strecke über 15 Haltestellen in Kronach. Ein besonderer Vorteil waren die auf der Strecke liegenden Haltestellen direkt an der Frankenwaldklinik, in der Stadtmitte, am Kaiserhof, Marienplatz und am Landratsamt.

Von Pressig aus müssen die Tschirner erst in die Bahn umsteigen

Seit dem Beginn der Testphase am 1. August wurde diese Linie gestrichen. Zehn Mal am Tag verkehren nun große Busse zwischen Tschirn und Pressig, in denen überwiegend keine Fahrgäste zu sehen sind. In Pressig müssen die Tschirner dann vom Bus in die Bahn umsteigen. Teilweise gibt es den Anschluss schon nach vier Minuten, wenn der Bus pünktlich ist und man sich beeilt.

Bei den meisten Anschlüssen beträgt die Wartezeit um die 20 Minuten. Auf der nun 32 Kilometer langen Strecke seien die Tschirner jetzt zwischen 50 und 90 Minuten auf der Hinfahrt nach Kronach unterwegs. Danach muss man am Bahnhof Kronach einen Anschluss zum Stadtbus suchen, wenn jemand beispielsweise zur Frankenwaldklinik möchte.

Eine Alternative ist der Rufbus

Alternativ, so Böhnlein weiter, werde ein Rufbus angeboten, der die Tschirner und auch die Bürger aus Effelter, Lahm und Hesselbach nach Wilhelmsthal bringe. Dort müsse man in die Hauptlinie umsteigen. Zuvor müsse aber der Rufbus bis eine Stunde vor Fahrtantritt telefonisch bestellt werden. Das am besten von zu Hause aus, denn für diejenigen, die kein Handy besitzen, gebe es unterwegs keine Telefonzellen mehr. Zudem haben die Handynutzer im Kronachtal nicht überall guten Empfang. Was die Schulbuslinie betreffe (deren Fahrplan noch nicht bekannt sei), werde wohl Richtung Kronach einmal früh zum Schulbeginn und nach Schulschluss ein Bus wieder zurückkehren.

Böhnlein spricht davon, dass die Tschirner nicht erkennen würden, was der verbesserte Nutzen für das obere Kronachtal sein soll. "Man hat uns damit ein gutes Stück an Wohn- und Lebensqualität weggenommen." Böhnlein erinnert auch daran, dass im November 2018 im Tschirner Gemeinderat ein Beschluss gefasst wurde, in dem das Mobilitätskonzept befürwortet wurde, unter der Voraussetzung, dass die Direktverbindung nach Kronach bestehen bleibt.

Sein Anliegen und diese Situation trug Böhnlein auch dem Landrat vor. Und er freut sich riesig, dass darauf schnell reagiert wurde. "Das Problem wurde erkannt", meinte MdL Jürgen Baumgärtner (CSU). In diesem Zusammenhang bat er die Tschirner um etwas Geduld. Angedacht sei, dass die Tschirner und das obere Kronachtal ab November 2020 jeweils zweimal vormittags und am Nachmittag zwei direkte Busverbindungen in die Kreisstadt und zurück erhalten.

Mobilitätskonzept: "Einbringen ist erlaubt - aber das sollte sachlich bleiben!"

Baumgärtner bezeichnet die Einführung des Mobilitätskonzepts als einen Prozess, in dem die Menschen ihre Anregungen äußern sollen. "Einbringen ist erlaubt - aber das sollte sachlich bleiben!" Er und auch der Pressesprecher des Landrats, Alexander Löffler, weisen darauf hin, dass im Vorfeld das Konzept mit allen Bürgermeistern des Landkreises abgesprochen worden sei.

Aber, so Baumgärtner: "In der Kommunikation zwischen manchen Rathauschefs und dem Landkreis ist noch Luft nach oben!" Bürgermeister Klinger weist auf Schreiben und ein Gespräch mit den beiden Fraktionsvorsitzenden im Herbst 2018 hin, wonach er klargestellt hatte, dass Tschirn dem neuen Mobilitätskonzept offen gegenüberstehe, unter der Voraussetzung, dass eine direkte Verbindung nach Kronach bestehen bleibe.

Dass sich Kommunikation lohnt, hat Günter Böhnlein erfahren. Ihn habe es sehr gefreut, dass Landrat Löffler ein offenes Ohr für die Belange der Tschirner Bürger hätte und nun binnen kurzer Zeit nach einer Lösung gesucht würde.