Das Amtsgericht Coburg hat am 1. September das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Firma Zitzmann GmbH & Co. KG. eröffnet. Die Belegschaft bangt nun um ihre Arbeitsplätze und hofft auf einen Investor. Denn sonst, so der Betriebsrat Ralf Pröschold bei einem Gespräch, wird der Betrieb am 2. Oktober "dichtgemacht".

"Es ist ein Schlag ins Gesicht, die Leute sind wütend und geschockt", beschreibt Pröschold die Stimmung. Und: "So geht man nicht mit seinen Mitarbeitern um!", ergänzt sein Kollege Alexander Löffler. Denn die Belegschaft habe erst am Tag der Anmeldung für das vorläufige Insolvenzverfahren Ende Juni die entsprechende Nachricht per E-Mail vom Geschäftsführer erhalten.

Alexander Löffler arbeitet seit über 30 Jahren bei der Firma Zitzmann. Viele seiner Kollegen können eine mehr als 20-jährige Betriebszugehörigkeit nachweisen. Sie hatten außer Zitzmann nie einen anderen Arbeitgeber, sagt er. Er habe ebenso wie ein Großteil seiner Kollegen auch nie an einen Jobwechsel gedacht. "Für uns war Zitzmann weitaus mehr als nur ein Arbeitgeber, für uns war das wie eine Familie!"

Daher sei die Enttäuschung auch so riesig, weil man vorab die Belegschaft weder in Gesprächen noch bei einer Betriebsversammlung informiert habe. "Wir hätten uns mehr Transparenz und Ehrlichkeit gewünscht", so Pröschold. Der Antrag auf Insolvenz kam völlig überraschend, erklärt sein Kollege Löffler, zumal auch die Auftragsbücher gut gefüllt waren. Er habe sogar im ersten Halbjahr 250 Überstunden geleistet.

Alexander Löffler spricht davon, dass bei der Zitzmann GmbH in der Vergangenheit die Geschäftsführung zusammen mit der Belegschaft einige Krisen bewältigt habe. Er nennt in diesem Zusammenhang als Beispiel die Betriebsschließung des Werks in Stockheim, die Einführung von PET-Flaschen. Damals ging die Nachfrage nach Glasformen stark zurück.

Bereits Verzicht geübt

Die Mitarbeiter haben auch schon längst auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet, eine Lohnerhöhung gab es seit zehn Jahren nicht mehr. Und jetzt dieses Handeln seitens der Geschäftsführung. Keiner wisse warum. "Wir können das nicht nachvollziehen, wir fühlen uns im Stich gelassen!"

Wie bereits in der Pressemitteilung des Insolvenzverwalters, dem Fachanwalt für Insolvenzrecht Ehrlicher mitgeteilt wurde, wird zurzeit das Unternehmen mit der Hälfte der Belegschaft, also mit rund 30 Mitarbeitern, weitergeführt. Die restlichen Arbeitnehmer, so ist zu lesen, "werden im Rahmen des Insolvenzverfahrens widerruflich freigestellt!"

Wie Ralf Pröschold erklärt, sei man nun mit der IG Metall in Kontakt. Es gehe darum, einen Insolvenzsozialplan zu erstellen. Für ihn und Alexander Löffler steht fest, dass bei so einem Plan für die Belegschaft nicht viel zu erwarten ist.

Wenn sich kein Investor findet, dann sind in der Region 64 Existenzen vernichtet. Es sind Mitarbeiter, die sich mit der Zitzmann GmbH identifiziert haben. Es sind Familienväter, die vielleicht Kredite für ihr Eigenheim abzahlen müssen. Es sind Leute darunter, die mehr als 45 Jahre zählen. Es wird schwierig, diese wieder in Arbeit und Brot zu bringen. Zum einen ist da das fortgeschrittene Alter, hinzu kommt die Coronazeit, in der viele Betriebe Kurzarbeit angemeldet haben beziehungsweise sich mit Neueinstellungen zurückhalten.

"Die Situation ist sehr belastend, alles ist so ungewiss", so Ralf Pröschold. Und sein Kollege Alexander Löffler ergänzt, dass der Rest der Belegschaft derzeit noch vorhandene Aufträge erledigt. Er spricht von Loyalität, Qualität und von Know-how der Mitarbeiter, das mit einer Betriebsschließung verloren gehen würde.

IG Metall will helfen

Wie der Geschäftsführer und Erste Bevollmächtige der IG Metall Coburg, Jürgen Apfel, auf Anfrage erklärte, sei seine Gewerkschaft erst seit wenigen Wochen mit dem Betriebsrat und dem Unternehmen Zitzmann in Kontakt. Dass der Geschäftsführer den Antrag auf Insolvenz stellte, ohne zuvor den Betriebsrat zu informieren, sei kein Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz, da das Unternehmer weniger als 100 Mitarbeiter zähle. Die IG Metall werde nun zur Seite stehen, wenn es um die Erstellung des Insolvenzplans geht. Zudem wurde ein Sachverständiger zur Verfügung gestellt.

Ebertsch: Firma hat guten Ruf

Jürgen Apfel bedauert, dass man erst nach dem Antrag für ein vorläufiges Insolvenzverfahren den Kontakt zur Gewerkschaft gesucht habe. Er verweist darauf, dass es im Raum Kronach einige Firmen gebe, deren Belegschaft nicht organisiert sei. Dabei sei es sinnvoll für die Arbeitnehmer, einen Betriebsrat und auch eine Gewerkschaft zu haben. Denn es gehe um Beratung, um Hilfestellungen und um Rechtsschutz. Ein Betriebsrat könne schließlich in Betrieben ab fünf Mitarbeitern gegründet werden. Das sei im Betriebsverfassungsgesetz auch erwünscht. Vielleicht wäre es im Fall Zitzmann besser gewesen, wenn man vor der Insolvenz den Kontakt zur IG Metall gesucht hätte. "Ich hoffe, dass es irgendwie weitergeht", so Bürgermeister Peter Ebertsch. Das Unternehmen Zitzmann habe trotz globaler Mitbewerber, die ihre Glasformen günstiger herstellen können, einen guten Ruf. Es wäre wünschenswert, wenn sich ein Investor, möglicherweise auch eine der ansässigen Glashütten, finden würde. Schließlich gehe es um den Erhalt von rund 70 Arbeitsplätzen und um Einzelschicksale.

Falk Wick, der lange Jahre in der Firma Zitzmann seinen Lebensunterhalt verdiente und gleich nebenan wohnt, bedauert die Entwicklung. Er verweist darauf, dass in den letzten Jahren mehrere Glasformenbauer "pleite" gegangen sind. Aber, dass es einmal bei Zitzmann so weit kommen könnte - das hätten bis vor wenigen Wochen auch Alexander Löffler und Ralf Pröschold nicht gedacht. Aber, so meinen beide einstimmig: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."