Die kleinen Killer kommen mit dem Postboten. Er liefert sie in durchsichtigen, runden Plastikdosen an, die auf acht bis zwölf Grad Celsius heruntergekühlt sind. Volker Kronmüller nimmt die Ladung mit hörbarer Freude entgegen: „Da sind sie ja, meine Raubmilben, Gallmücken und australischen Marienkäfer!“

Volker Kronmüller ist gelernter Zierpflanzengärtner und Nützlingsfachmann. Sein Wissen über Schädlinge und ihre Gegenspieler, die Nützlinge, ist in der Fränkischen Toskana in Wiesentheid sehr gefragt – und kann auch dem privaten Gartenbesitzer nutzen. Während Kronmüller die Nützlinge zu Hundertschaften ordert, kann der Hobbygärtner sich mit Kleinpackungen behelfen, die zahlreiche Nützlingsfirmen anbieten.

Mit Argusaugen geht der 41-Jährige durch die weitläufigen Gewächshäuser und Grünanlagen am Wiesentheider Ortsrand. Und sind die ungebetenen, gefräßigen Gäste auch noch so winzig: Keine Laus und keine Spinnmilbe entgeht dem geschulten Blick des Kenners.

Rasch holt er nicht etwa die chemische Keule heraus, sondern die entsprechenden Nützlinge herbei. Diese haben die Pflanzenvernichter, im wahrsten Sinn des Wortes, zum Fressen gern. Der Stärkere gewinnt. So ist das im Tierreich.

„Zum Glück gibt es fast immer einen Stärkeren“, sagt Kronmüller und zählt auf: „Gegen Napfschildläuse, Minierfliegen und Motten helfen Schlupfwespen. Wollläusen macht der australische Marienkäfer den Garaus und gegen die Weiße Fliege gehen Raubwanzen und Raubmilben vor.“ Auch gegen andere Blattlausarten, gegen Thrips und Trauermücken, den Dickmaulrüssler und die Mauswurfsgrille hat die Natur Kreaturen geschaffen, die sie im Zaum halten.

Sie sind zwar winzig, aber mindestens genauso interessant wie Elefanten. Wer Volker Kronmüllers „Haustiere“ mit der Lupe beobachtet, staunt nicht schlecht. Wer hätte gedacht, dass sich hinter dem Namen „Microterys flavus“ ein gerade mal zwei Millimeter kurzer, orangefarbener Körper mit schwarz-weiß-geringelten Fühlern und schwarz-weiß-gefleckten Flügeln verbirgt? So schick können Schlupfwespen aussehen...

Die filigrane Florfliege mit ihren durchsichtigen Flügeln und dem langgezogenen, grüngelben Körper wird bis zu vier Millimeter groß und ist damit ein Riese unter den Nützlingen. Ihre Leibspeise sind Blattläuse. „Das macht sie zu unserem Verbündeten“, stellt Volker Kronmüller fest. Gerade im Sommer gibt es viele Faktoren, die eine Ausbreitung von Schädlingen begünstigen können: ein nicht ganz passender Standort, falsche Gießpflege, zu hohe oder zu niedrige Luftfeuchtigkeit – und schon haben Blatt-, Woll- und Napfschildläuse leichtes Spiel.

„Man muss dann nicht gleich in Panik verfallen und Spritzmittel kaufen gehen“, meint Volker Kronmüller. Für ihn ist es wichtig, dass Pflanzenschutz einhergeht mit Naturschutz. „Heutzutage wird viel zu viel gespritzt.“ Das belaste Boden und Grundwasser.

„Ich habe schon während meiner Ausbildung angefangen, mich für Nützlinge zu interessieren“, erzählt der gebürtige Schwabe. „Die Wechselwirkungen in der Natur fand ich einfach faszinierend.“ Statt mit Chemikalien könne man gegen fast alle Schädlinge ganz natürlich vorgehen, indem man Fressfeinde nutzt.

Praktizierter Naturschutz

Die biologische Schädlingsbekämpfung begeisterte Volker Kronmüller dermaßen, dass er einige Jahre lang selbst in einer Nützlingsfirma arbeitete. Deshalb weiß er auch ganz genau, wie er die Hydrokulturen und die mediterranen Pflanzen in Wiesentheid am besten schützen kann. Und falls er sich beim Schädlingsbefall doch einmal unsicher ist, stellt er eine so genannte Gelbtafel auf, an der Insekten kleben bleiben. So zeigt sich, welcher Schädling gerade die Überhand hat. „Je nach Art des Schädlingsbefalls dauert die Behandlung von wenigen Wochen bis hin zu mehreren Monaten“, berichtet der 41-Jährige.

Natürlich ist es schwieriger und aufwändiger, winzig kleine Nützlinge im Geäst, auf Blättern und in Blattachsen von Pflanzen zu platzieren als einfach mal schnell zu spritzen. „Aber es ist eben auch praktizierter Naturschutz!“ Vom Bienensterben bis hin zu belastetem Wasser zeige die Natur selbst ganz genau, dass der Mensch sein Verhalten ändern müsse.

Da es sich allerdings sowohl bei den Schädlingen als auch bei den Nützlingen um Lebewesen handelt, kann es bei der natürlichen Behandlung schon Überraschungen geben. Manchmal muss man Nützlinge öfter einsetzen, bis ihre Gefräßigkeit Wirkung zeigt und die Schädlinge sichtbar dezimiert. „Aber es funktioniert auf jeden Fall wunderbar. Und ganz ohne Nebenwirkungen.“

Auch in privaten Gärten lassen sich Nützlinge problemlos einsetzen, versichert Volker Kronmüller. Es gibt verschiedene Firmen, die auch Nützlings-Kleinpackungen anbieten. „Ansonsten wird nach Fläche, als Quadratmetern, berechnet.“ Wer möchte, kann es einfach ausprobieren. Im Internet finden sich mehrere Firmen, die Nützlinge züchten und sachgerecht versenden. Die kleinen Killer kommen dann mit dem Postboten nach Hause.