Mit dem Thema der letzten Stadtratssitzung kennt sich Abwassermeister Walter Reuter bestens aus: Die Kläranlage hält er mit drei Kollegen in Schuss. Das war in letzter Zeit nicht so leicht: "Die Anlage ist seit dem Jahr 1997 in Betrieb und das Becken wurde noch nie gereinigt", sagte er.

Eigentlich habe die Anlage schon immer für Probleme gesorgt. "Eine Kläranalage ist halt eine ständige Baustelle", weiß der Abwassermeister. Er berichtet von Spurrillen auf dem Beckenboden, dass die Räumschilder schon ausgebaut und gerichtet werden mussten, ein Taucher kommen musste, um sie neu zu justieren. Dementsprechend zufrieden zeigte sich Reuter über das, was der Eberner Stadtrat jetzt beschloss. Er ist sich recht sicher, dass, wenn das alles erledigt ist, die Anlage störungsfrei läuft und deutlich Strom gespart wird.

Drei beteiligte Kommunen

Das Thema Kläranlage Ebern ist seit längerer Zeit ein Problem, mit dem sich die Betreiber der Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Ebern herumschlagen. Die Anlage ist in die Jahre gekommen und muss dringend modernisiert werden. In der letzten gemeinsamen Sitzung des Stadtrates Ebern, der Gemeinderäte Pfarrweisach und Rentweinsdorf informierte Ingenieur Walter Brandner von der Firma SRP, Schneider & Partner in Zeil zu dem Thema.

Bauträger für die Kläranlage ist die Stadt Ebern. Klar war von vorneherein, wie Martin Lang vom Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Ebern mitteilte, dass sich die Stadt Ebern zu 75, der Markt Rentweinsdorf zu 13,9 und die Gemeinde Pfarrweisach mit 11,1 Prozent an den Sanierungsmaßnahmen beteiligen, was in einer Zweckvereinbarung im August 1994 gemäß eines Verteilerschlüssels festgelegt wurde. Etwa 1,4 Millionen Euro plus Nebenkosten werden für die geplanten Maßnahmen erforderlich. Walter Brandner erläuterte, dass aufgrund der gemeinschaftlich errichten Kläranlage von den Kommunen separate Anträge für eine Förderung gestellt werden müssten.

Wichtige Schlammpresse

Worum ging es? Vor allem um den Neubau einer Schlammpresse, die Sanierung des Nachklärbeckens und die Verbesserung der Belebungsanlage. Brandner stellte den Bürgermeistern, den Stadt- und Gemeinderäten mit einer Präsentation dies alles vor. Wie er beschrieb, wurden bei der Vorplanung ein "Flächennutzungsplan" entwickelt und potenzielle Standorte für künftige Anlagentechnik festgelegt.

"Der sinnvollste Standort befindet sich im südwestlichen Bereich der Schlammsilos", sagte Brandner. Zur Schlammpresse erläuterte er, dass für die spätere Anlieferung von Klärschlamm an die Klärschlammtrockung in Hofheim der Klärschlamm in der Anlage in Ebern vorab mit der Schlammpresse entwässert werden muss, um ihn für den Transport vorzubereiten. Die Entwässerung erfolgt mittels Schneckenpresse in einer neuen Leichtbauhalle mit Wärmeisolierung. "Die reinen Baukosten liegen bei zirka 670 000 Euro, so Brandner. Nach Auskunft des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen sei eine Förderung durch den Freistaat möglich. Ingenieurleistungen dafür hat die Stadt Ebern schon im September beauftragt.

Räumschilder werden beschädigt

Zum Nachklärbecken sagte Brandner, dass es immer wieder Probleme mit den so genannten Räumschildern gibt, die den Schlamm am Boden des Beckens zum Rücktransport in die Belebungsbecken sammeln. Der letzte Schaden war im Sommer 2018. Damals wurden zwei der vier Räumschilder ausgebaut und durch neue ersetzt. Brandner zeigte die Fotos von den Schäden. "Aufgrund der Verschleißerscheinungen an den Räumschildern ist davon auszugehen, dass eine Sanierung des Betonbodens ansteht. Eine Sanierung und Neuausrichtung der vier Räumschilder im Nachklärbecken ist bei Wasserfreiheit zwingend geboten", unterstrich der Referent.

Es geht los bei der Grundreinigung

Er zählte eine Reihe von Arbeiten auf, die dann nötig werden, wie zum Beispiel eine Grundreinigung - die erste nach 23 Jahren Betriebsdauer. Die Baukosten betragen rund 330 000 Euro. Da es sich bei den Verbesserungen und Erneuerungen um reine Unterhaltsmaßnahmen handelt, bestehen derzeit keine Fördermöglichkeiten, erfuhren die Stadträte.

Zur Verbesserung der Belebungsanlage müssen die umlaufenden Lüfterbrücken außer Betrieb gesetzt werden. Moderne Belüftungstechnik ist einzubauen, Messsonden sind zu erneuern, um einige Punkte zu nennen. Das alles verbessert die Anlagentechnik und bringe eine signifikante Einsparung von Energiekosten, sagte Brandner.

Der Staat gibt Geld dazu

Die Kosten kommen hier auf 560 000 Euro. Eine Fördermöglichkeit bestehe im Rahmen der "Kommunalrichtlinie" als Förderung des Bundes. Hierbei sind die Möglichkeiten zur Energieeinsparung durch eine sogenannte "Potenzialstudie" herauszuarbeiten. Diese Potenzialstudie ist zur Beantragung der Fördermittel Grundvoraussetzung.

Photovoltaik kommt

Dabei soll die Deckungsquote des Energiebedarfes für Strom und Wärme durch auf dem Grundstück umgewandelte Energie dargelegt werden. Die Stromerzeugung durch Photovoltaik könne hierbei angesetzt werden. Der spezifische jährliche Energiebedarf der gesamten Anlage je Einwohnerwert ist zu ermitteln. Die Förderung sei, so Brandner, mit den Ergebnissen der Potenzialstudie verknüpft. Nach den umfassenden Informationen beschloss der Stadtrat, noch die Vorarbeiten zu leisten und die drei genannten Punkte umzusetzen sowie die Kläranlage mit einer geeigneten und angepassten Photovoltaikanlage (PV) auszustatten.

Biodiversitätsstrategie

Seit 2018 bastelt die Stadt Ebern, eine von zehn Projektgemeinden in Bayern, mit am "Marktplatz der biologischen Vielfalt". Seitdem finden regelmäßige Treffen des Steuerkreises und Workshops zur Ausarbeitung von Maßnahmen statt.

Für dieses Projekt brachten sich Vertreter der Naturverbände, dem Institut für Biodiversitätsinformation (IfB), der Stadt Ebern und Bürger ein. Mit von der Partie, Florian Lang, der Manager des Biodiversitäts-Projekts "Marktplatz der biologischen Vielfalt" in Tännesberg. Sechs Handlungsfelder sind Schwerpunkte: Wald, Gewässer, Agrarlandschaft, Siedlung, Naturerleben und Bewusstseinsbildung sowie Wertschöpfung. "Insgesamt wurden 37 Ansätze zur Förderung der Biodiversität in Ebern erarbeitet. Der Entwurf der Biodiversitätsstrategie wurde in der Sitzung des Eberner Stadtrats am 24. September 2020 behandelt und einstimmig beschlossen", erinnerte Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD), der mittels einer Präsentation dem Stadtrat das Projekt erläuterte. Damit wurde die Ampel auf Grün gestellt und somit ein großer Schritt für die Artenvielfalt getan. "Damit sind wir eine Vorreiterkommune in diesem Bereich", sagte Hennemann. Die Erarbeitung und die Erfahrung damit soll nun auch auf die Kommunen der Baunach-Allianz übertragen werden. Dazu ist nach den Worten Hennemanns im Frühjahr 2021 eine Fachkonferenz geplant. Einige Starterprojekte wurden nach den Worten des Bürgermeister von Ebern bereits begonnen und umgesetzt. So etwa die Obsternte-Aktion, regelmäßige Führungen zu den Biodiversität-Hotspots im Stadtwald oder ein Schnittkurs an kommunalen Obstbäumen.

Fünf große Projekte

"Nun werden die großen Maßnahmen angegangen. An erster Stelle sollen hier fünf prioritäre Projekte stehen, wie die Entwicklung eines kommunalen Grünflächenmanagements, das die Stadt schon seit Jahren wollte, um die Grünflächenpflege klar zu definieren", erläuterte Hennemann. Die Strukturkartierung im Umfeld des FFH-Gebiets "Ehemaliger Standortübungsplatz" als Lieferbiotop sei ein weiteres Projekt, wie die Ausweitung des Wiesenbrüter-Projekts an der Baunach, der Aufbau eines Naturparkzentrums in Ebern mit der Integration des IfBi sowie Maßnahmen zur Erhaltung und Vermarktung von Streuobst. Das Projekt "Marktplatz der biologischen Vielfalt", es läuft bis Dezember 2021, soll stetig überprüft und fester Bestandteil in der Arbeit des Stadtrates Ebern werden. Wichtige Entscheidungen dazu stünden an: "Wir wollen weiter in einer intakten, struktur- und artenreichen Umwelt leben", beschrieb Bürgermeister Hennemann, den Ausblick für die Zukunft.

In einer gemeinsamen Sitzung des Stadtrates Ebern, der Gemeinden Pfarrweisach und Rentweinsdorf hielt Felix Henneberger von der Baunach-Allianz einen Vortrag. Dazu gab es Infos zu den laufenden Aktivitäten, wie die Förderung der Innenentwicklung durch bezuschusste Beratungsangebote, Vermarktung der Leerstände und Förderprogramm für Leerstände, ebenso die Erarbeitung eines Kernwegenetzes.

Geld für kleine Projekte fließt

Es habe sich viel bewegt, stellten Henneberger und Allianzvorsitzender, Bürgermeister Jürgen Hennemann fest, der dem Allianzmanager für die Koordination der Maßnahmen und die Beratung der Gemeinden dankte. Schnell abgewickelt wurde heuer das erstmals aufgelegte Regionalbudget für die Allianzen. Hier stehen 100 000 Euro im Jahr für Kleinprojekte zur Verfügung. Wegen des kurzen Beantragungs- und Durchführungszeitraums in diesem Jahr, der Abschluss musste bereits am 30. September erfolgen, wurden vorwiegend nur von den Gemeinden Förderanträge eingereicht. Diese wurden schnell umgesetzt. "Wir wollen die Fördermittel nicht verloren geben und sinnvolle Projekte machen, die bei den Gemeinden bereits auf der Liste standen", erklärte Vorsitzender Jürgen Hennemann. "Es ist uns gelungen, die Fördermittel in die Gemeinden und die Region zu holen", freute sich Hennemann. Das Förderprogramm soll 2021 fortgesetzt werden. Gemeinden und Vereine können schon überlegen, was sie angehen und beantragen möchten.