Um die 80 Stunden investierten Schreiner-Auszubildende in ihr Gesellenstück, um es dann als krönenden Abschluss ihrer Ausbildungszeit der Prüfungskommission zu präsentieren. Das geschah in der Aula der Fachakademie für Sozialpädagogik, da wegen der Generalsanierung die Aula der Berufsschule nicht zur Verfügung stand. Der stellvertretende Schulleiter Jochen Brüggemann, Alexander Eiring und der Prüfungsvorsitzende und stellvertretende Innungs-Obermeister Horst Zitterbart freuten sich über beeindruckende Werkstücke und über die Tatsache, dass alle Prüflinge bestanden. Auf eine Freisprechungsfeier werden die Handwerks-Innungen in diesem Jahr verzichten, ein gemeinsames Essen soll aber im Herbst stattfinden, kündigte Jochen Brüggemann an.

"Wenn Sie am Montag Ihrem Chef das Dokument geben und er schickt Sie nicht nach Hause, sondern an Ihren Arbeitsplatz, sind Sie automatisch als Geselle übernommen", informierte der stellvertretende Innungs-Obermeister die Prüflinge, von denen 19 in Betrieben im Landkreis Haßberge und sieben im Landkreis Schweinfurt ausgebildet wurden.

Große Vielfalt

Groß war die Vielfalt der Werkstücke vom Schreibtisch über Sideboards, Flurgarderoben bis zu einem großen Bett. Erstmals war eine Hantelbank dabei, die Frederik Kirchner baute. Er ist begeisterter Kraftsportler, und für das Schmuckstück aus gebleichter und geölter Esche hat er daheim schon einen Platz reserviert.

Auch der Frisiertisch von Marie Nusser fällt etwas aus dem Rahmen. "Goth" ist ihr Stil, wenn es um Frisur oder Kleidung geht, und auch ihr Spiegel mit den Seitenklappen wurde gotisch inspiriert. Viel Feingefühl war gefordert, als sie die filigranen Ornamente nach dem Zuschneiden mit der Dekupiersäge in Form schliff, bevor sie in Eiche dunkel gebeitzt und lackiert auf die Spiegelflächen aufgeklebt wurden. Marie Nusser ist die einzige Frau im diesjährigen Abschlussjahrgang. Schon im Werken-Zweig der Realschule war für sie klar, dass sie keinen klassischen Frauenberuf ergreifen würde. "Und Holz ist mega-schön", strahlt die junge Frau.

Mit Hundehütte fing alles an

Auch Lucas Wagner war früh klar, dass er Schreiner werden würde. Acht sei er wohl gewesen, als er mit dem Onkel eine Hundehütte baute, erzählt er, "und dann habe ich mir gleich eine Stichsäge gekauft". Er machte sein Abitur und konnte daher die Ausbildung auf zwei Jahre verkürzen, das Berufsvorbereitungsjahr (BGJ) entfiel für ihn. Mit seinem Schreibtisch, der entsprechend seiner Körpergröße von fast zwei Metern etwas höher angelegt ist, gewann er unter den Gesellenstücken den Preis "Gute Form". Die Kombination aus geölter Eiche mit Baumkante und einem widerstandsfähigen HPL-Schichtstoff für die Arbeitsfläche überzeugte die Jury. Durch die beiden Winkel, die auf zwei Ebenen ineinander greifen, habe er eine gute, ergonomische Lösung geschaffen und auch noch eine einfache, aber gute Lösung für die Kabelführung gefunden. Die indirekte Beleuchtung der Arbeitsfläche ist noch eine besondere Zugabe.

Drei Flüchtlinge bestehen

Besondere Anerkennung zollte Jochen Brüggemann im Gespräch mit dieser Redaktion den drei Flüchtlingen unter den Jung-Gesellen. Sie hätten zu Beginn der Ausbildung nur ganz geringe Sprachkenntnisse gehabt und seien vor allem in Sozialkunde oft an ihre Grenzen gekommen. Aber dennoch schlossen sie die Ausbildung ab und bestanden die Abschlussprüfungen. Die neuen Schreinergesellen aus der Innung Haßberge sind: Florian Alka aus Weisbrunn (Rottmann-Möbelwerkstätten Oberaurach), Samer Ashmar aus Haßfurt (Rottmann-Möbelwerkstätten Oberaurach), Leon Döllner aus Westheim (Holzlounge Storch, Hainert), Sebastian Käb aus Sylbach (Schreinerei Brückner Hofheim), Frederik Kirchner aus Zeil (Schreinerei Matthias Kirchner Zeil), Matthias Müller aus Stettfeld (Schreinerei Minas Keil Haßfurt), Mayar Naes aus Hofheim (Woodwork GmbH, Hofheim), Marie Nusser aus Hainert (Schreinerei Robert Kirchner Ermershausen), Noah Pasler aus Königsberg (Schreinerei Brückner Hofheim), David Schneider aus Haßfurt (Schreinerei Kann Zeil), Georg Strekolowskich aus Schweinfurt (Schreinerei Vogel Obertheres) und Lucas Wagner aus Lendershausen (Woodwork GmbH Hofheim