Die Freisprechungsfeier der Junghandwerker einer Innung ist normalerweise eine große Veranstaltung, die in Schweinfurt sogar im Theater stattfindet. Solche Veranstaltungen sind in diesem Jahr nur schwer möglich, aber die Schreinerinnungen Haßberge und Schweinfurt, deren Auszubildende die Berufsschule in Haßfurt besuchen, wollten auf eine würdige Freisprechungsfeier nicht verzichten und luden die Junghandwerker zur Freisprechungsfeier nach Haßfurt ein.

"Die Gesellenbriefe einfach mit der Post zuschicken - das passt nicht zum Handwerk", erklärte Jochen Brüggemann, stellvertretender Leiter der Heinrich-Thein-Berufsschule im Gespräch mit dieser Redaktion. Dieser Auffassung schlossen sich auch die Obermeister Gerhard Markert (Innung Schweinfurt) und Klaus Döllner (Innung Haßberge) an.

Aufwärtstrend beim Handwerk

Dass auch die jungen Handwerker die Bedeutung einer solchen Freisprechungsfeier schätzen, zeigte die Tatsache, dass nur ein einziger Absolvent fehlte. Kreishandwerksmeister Hans-Georg Häfner ging förmlich das Herz auf angesichts des Handwerker-Nachwuchses. In seiner Funktion als Kreishandwerksmeister sei er auch viel in Sachen Berufsorientierung unterwegs und er könne beobachten, dass gerade das Schreinerhandwerk an Attraktivität bei den Schülern gewinnt. "Schreiner ist ja auch ein ganz besonderes Handwerk, das unser Lebensumfeld ganz wesentlich und individuell gestaltet", erklärte der Elektriker.

Handwerker werde man, so Häfner weiter, weil man die Abwechslung sucht, seine Kreativität ausleben will, sich Herausforderungen stellt. Deshalb höre man auch jetzt in der Corona-Pandemie kaum Handwerker jammern. "Das Handwerk steht auch das durch und erweist sich wieder einmal als Rückgrat der deutschen Wirtschaft", zeigte sich Häfner überzeugt.

Den Aufwärtstrend bei den Auszubildenden bestätigte auch Schweinfurts Obermeister Gerhard Markert. Der Obermeister habe auch schon einmal ein Jahr erlebt mit einem einzigen Freizusprechenden aus dem ganzen Landkreis Schweinfurt.

Der Berufsschule in Haßfurt, an der jetzt im dritten Jahr auch die Schweinfurter Schreiner-Azubis beschult werden, stellte er ein sehr gutes Zeugnis aus. Hier werde hervorragende Arbeit geleistet.

Erneut 19 Auszubildende

Als besonders wichtigen Schritt im Berufsleben bezeichnete Obermeister Klaus Döllner von der Schreinerinnung Haßberge den offiziellen Schritt vom Auszubildenden zum Gesellen. Der geschah in Form der Freisprechung, die Kreishandwerksmeister Hans-Georg Häfner vornahm.

Die 18 jungen Männer und eine junge Frau wurden somit von den Rechten und Pflichten der Ausbildungszeit freigesprochen und in die Verantwortung als Handwerks-Gesellen gestellt, als die sie jetzt selbst Verantwortung für die neuen Auszubildenden in ihrem Betrieb haben.

Nächsten Montag beginnt das neue Berufsgrundschuljahr der Schreiner an der Heinrich-Thein-Berufsschule mit ebenfalls wieder 19 Schülern.