Pfifferlinge gibt es im Landkreis Haßberge nur noch äußerst selten. In diesem Herbst hat der Eberner Pilz-Experte Herbert Stang bei seinen Exkursionen sogar noch kein einziges Exemplar dieser Art gefunden. "Das ist schon auffällig", sagt Stang.

"Die Älteren haben immer erzählt, dass sie früher viele Pfifferlinge gesammelt haben." Seit etwa zehn Jahren jedoch seien in den hiesigen Wäldern immer weniger Pfifferlinge zu finden. Auch Steinpilze seien rar geworden.

Klimawandel und Trockenheit machen es den Pilzen schwer

Die Ursache: Der Klimawandel und die mit ihm einhergehende Trockenheit. "Ein Pilz besteht zu 80 Prozent aus Wasser", erklärt Stang. Doch die Böden und Wälder seien zum Großteil ausgetrocknet. Der Regen, der in diesem Jahr gefallen sei, reiche bei Weitem nicht aus, um die langfristigen Schäden zu beheben. "Die Pilze und der Wald leben in Symbiose, sie sind also abhängig voneinander. Stirbt der Wald, sterben auch die Pilze und umgekehrt."

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Mit Blick auf den diesjährigen Oktober berichtet Stang, dass er nach einzelnen Regenfällen erwartet hätte, ordentlich Pilze zu finden. "Dem ist leider nicht so, anscheinend war es zu kalt." Die Speisepilze, die den meisten Menschen geläufig sind, seien Steinpilz, Pfifferling, Maronenröhrling, Wiesen-Champignon und Krause Glucke, oft auch Fette Henne genannt. "Von diesen Pilzen sind im Moment nur Wiesen-Champignon und Krause Glucke in genügender Menge für eine Pilzmahlzeit zu finden", sagt Stang.

Der Pilz-Kenner hat in diesem Herbst Pilz-Exkursionen in den Haßbergen bei Ebern und dem Steigerwald bei Oberschleichach unternommen. "Die Haßberge mit ihren Mischwäldern scheinen ergiebiger zu sein, als der Steigerwald, der vorwiegend aus Laubwald mit Buchen und Eichen besteht", so Stang. Auch die Erfahrungen anderer Pilzsammler hätten diesen Eindruck bestätigt.

Über den Beruf zum Hobby Pilze sammeln gekommen

Herbert Stang ist über seinen Beruf zu den Pilzen gekommen. "Ich hatte mehr oder weniger keine Wahl" sagt er und lacht. Als Apotheker habe er sich mit Heilpflanzen beschäftigt. In seine Apotheke in Ebern seien aber immer wieder auch Leute gekommen, die Hilfe bei der Bestimmung von gesammelten Pilzen suchten.

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Stang, inzwischen im Ruhestand, ist heute geprüfter Pilzsachverständiger und Mitglied der Pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaft Coburg, die einmal im Monat eine Exkursion durchführt und in der Region vorkommende Pilze kartiert. Stangs Interesse an den Pilzen ist eher wissenschaftlicher Natur. "Ich esse gar nicht so viele Pilze", sagt er und schmunzelt. "Das ist aber bei vielen Pilzsammlern so."

Stang rät Sammlern, die Pilze sauber abzuschneiden, damit das Myzel, das Wurzelwerk der Pilze, nicht beschädigt wird. Wer den gesammelten Pilz vor dem Verzehr erst noch sicher bestimmen lassen will, der solle ihn sanft aus dem Boden herausdrehen. So könne man sehen, ob der Pilz zum Beispiel eine Knolle hat.

Beim Pilze sammeln die Höchstmenge beachten

Menschen, die sich auf die Suche nach Pilzen machen, sollten außerdem den Naturschutz beachten, sagt Stang. Ein Kilogramm pro Person pro Tag sei die erlaubte Sammel-Menge. Vor allem für selten gewordene Exemplare wie Pfifferlinge und Steinpilze seien diese Beschränkungen wichtig. Und: "Man sollte die Pilze auch nicht kaputt treten. Der Wald braucht die Pilze."

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