Der Bamberger an sich neigt nicht dazu, gleich auf die Barrikaden zu gehen. Wenn es aber um den Bierpreis geht, sorgt schon eine kleine Erhöhung für Unmut und mehr. So ist in die Stadtgeschichte auch der Bamberger "Bierkrieg" von 1907 eingegangen. Weil damals die Bamberger Brauereien den Preis fürs Seidla um einen Pfennig (auf dann elf Pfennig) erhöhten, streikten einige Wirte und verkauften stattdessen den billigeren Forchheimer Gerstensaft.

Seitdem ist viel passiert. Bei einer Stichprobe im Supermarkt bewegt sich der Preis für einen Kasten Bier (20 Flaschen á 0,5 Liter) aus Stadt und Landkreis zwischen 12,49 Euro Cent (Hübner Vollbier) und 18,99 Euro (Mahrs U). Wer in der Wirtschaft ein Bier bestellt, muss im Landkreis meist um die 2,50 Euro hinlegen, in der Stadt überschreiten viele schon länger die Drei-Euro-Grenze. Was hat nun die Corona-Pandemie mit dem Bierpreis gemacht?

"Es gibt momentan keine klaren Anzeichen dafür, dass die Bierpreise auf breiter Front hochgehen werden", sagt Lothar Ebbertz, der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds. "Der Markt ist so, dass die Brauwirtschaft ihre Erzeugnisse viel günstiger anbieten muss, als aufgrund deren Wertigkeit angemessen wäre."

Dass das Bier in unserer Region eigentlich zu billig ist, sagt auch Josef Lindner von der Brauerei "Drei Kronen" in Scheßlitz. Der Obermeister der Brauer- und Mälzer-Innung Bamberg weiß aber, dass es nach der coronabedingten Schließung in einigen Gasthäusern Bierpreiserhöhungen gegeben hat. "Die mussten ja alle wieder ein Geld verdienen, als sie wieder aufmachen durften. Man will seine Gäste zufriedenstellen, aber auch nicht für umsonst arbeiten." Die Brauer in Stadt und Landkreis wüssten inzwischen, dass sie ein sehr gutes Bier produzieren, für das sie auch etwas verlangen können. Und doch müssten alle angesichts der großen Konkurrenz knapp kalkulieren.

"Wir haben zum Glück noch eine wahnsinnig hohe Brauereidichte. Angebot und Nachfrage regeln normalerweise den Preis, aber es gibt halt immer zwei, drei, die meinen, noch billiger sein zu müssen als die anderen" , sagt Innungsobermeister Lindner. Viele würden noch über die Masse auf ihren Schnitt kommen, denn "glücklicherweise gehen hier noch viele Leute gern ins Wirtshaus, es gibt noch zahlreiche Stammtische und Menschen, die gern ein Feierabendbier in geselliger Runde trinken". Der Bierpreis sei aber ein Politikum. Und wenn einer auf 2,80 Euro erhöhe, gingen alle zu dem, der 2,60 Euro verlange.

Vor ein paar Jahren habe Lindner zunächst auf Erhöhungen verzichtet und dann einen "Sprung" von zwei auf 2,20 Euro gemacht. "Dann hat sich einer beklagt, dass ich um zehn Prozent erhöhe, und ist nicht mehr wiedergekommen." Inzwischen kostet aber auch das "Kronabier" 2,60 Euro in der Wirtschaft. Wie würde nun aus Lindners Sicht ein fairer Bierpreis aussehen, wenn es keine billigere Konkurrenz gäbe? "Drei Euro wären wohl angemessen, aber höher würde im Landkreis wahrscheinlich kaum einer gehen."

Pro-Kopf-Verbrauch sinkt

3,30 Euro kostet derzeit ein Stehbier am "Schlenkerla" in der Sandstraße. Aber von den Leuten, die hier am späten Nachmittag ihr Bier trinken, beschwert sich keiner. "Das könnte von mir aus auch vier Euro kosten", sagt ein ostfriesischer Tourist, der sich schon aufs Zweite freut. Fragt man aber die Bamberger im Facebook-Forum des Fränkischen Tags, welchen Seidla-Preis sie für angemessen halten, liegen die Antworten zwischen zwei und allerhöchstens drei Euro. "Ich finde die jährlichen Preiserhöhungen der Bamberger Brauereien inzwischen unverschämt. Da fahre ich lieber aufs Land und genieße mein Seidla für 2,50 Euro", kommentiert einer.

Lothar Ebbertz vom Brauerbund betont, dass die Situation eines jeden Betriebs eine andere sei, die Pachtpreise, zu zahlende Gehälter, die Wettbewerbssituation. Die Lage in der Gastronomie sei zudem nicht zu vergleichen mit der im Handel: Wirtshäuser waren geschlossen und konnten dann nur mit stark reduziertem Platzangebot wieder öffnen, auch Volksfeste fielen als Absatzmarkt weg. Zugleich musste investiert werden, um Hygieneauflagen zu erfüllen. Zudem sei der Pro-Kopf-Verbrauch seit den 1970ern um ein Drittel gesunken. "Wenn ich das Produkt einer kleinen, regionalen Brauerei trinke, bekomme ich etwas Besonderes", weiß Ebbertz. Das werde aber die nicht überzeugen, die vor allem auf den Preis schauen - oder schauen müssen.

"Bier ist nirgends so billig wie in Bayern", stellt Betriebsleiter Anton Antunovic vom Bamberger "Mahrs Bräu" fest, wo die gängigen Biersorten mit je 3,40 Euro auf der Karte stehen. Die Folgen der Corona-Pandemie hätten gerade für die Gastronomie große Einbußen mit sich gebracht. Und nach dem Lockdown musste für weniger Gäste deutlich mehr Aufwand betrieben werden. "Selbst gut gehende Lokale können ja nur 50 Prozent ihrer Plätze besetzen. Und für die ganz Kleinen wird es wirklich schwierig."

Preisdruck im Einzelhandel

Fachkräfte sind schon länger gesucht und müssen entsprechend vernünftig bezahlt werden. "Wir wollen unsere 40 Arbeitsplätze erhalten", sagt Antunovic. Und so wurden bei "Mahrs" bereits zum Jahreswechsel, noch vor Corona, die Bierpreise in Handel und Gastronomie erhöht.

Doch der Preisdruck, gerade im Einzelhandel, sei erheblich. Die Kampfpreise, mit denen gerade große Konzerne auf den Markt gehen, könnten Mittelständler eigentlich nicht mitmachen. "Aber wenn Überkapazitäten auf dem Markt sind, nutzt das der Handel gnadenlos aus." Hoffnung macht dem Betriebsleiter, "dass gerade Jüngere wieder mehr Wert auf Regionalität und Qualität legen und für den Kasten auch mal ein, zwei Euro mehr ausgeben".

Auch auf dem Land sieht Antunovic hohen Kostendruck auf der Gastronomie lasten: "Nicht jede kleine Wirtschaft kann sich eine teure digitale Registrierkasse leisten und trotzdem weiterhin das Bier für zwei bis 2,50 Euro verkaufen. Keine Ahnung, wie da einige kalkulieren können."

Er fürchtet, dass gerade kleine Familienbetriebe Probleme bekommen könnten. "Und wenn sie mal die Preise erhöhen, werden manche Gäste gleich sehr emotional." Denn Regeln, die in anderen Wirtschaftszusammenhängen akzeptiert werden, würden beim Bier einfach nicht gelten.

Pro und Contra: Sind die Preiserhöhungen fürs Seidla in Ordnung?

Pro von Stefan Fößel: Qualität hat ihren Preis

Kein Bamberger wünscht sich Bierpreise wie in Schweden, den USA oder auch nur in München. Die werden wir auch nicht bekommen, dafür ist der Vorsprung viel zu groß. Und doch muss sich manch ein Brauer selbst bei moderaten Preiserhöhungen Gewinnsucht und Wucher vorwerfen lassen. Das ist nicht gerecht, schon gar nicht in einem Jahr wie diesem. Denn wer nimmt schon die vielen Stunden harter Arbeit auf sich, wenn am Ende kaum was übrigbleibt.

Manche betanken ihre Autos wöchentlich für 50 Euro aufwärts und meiden den Wirt, der beim Bier zehn Cent raufgeht.

Doch dürfen wir die Preise unserer kleinen Brauereien nicht mit denen der großen Konzerne vergleichen. Diese produzieren unter anderen Bedingungen in viel größeren Mengen. Und ihr Bier ist meist nicht zu vergleichen mit der wohlschmeckenden Vielfalt in Stadt und Landkreis Bamberg. Der fränkische Biergenießer erkennt die Einzigartigkeit der heimischen Biere, er mag das gemütliche Ambiente auf dem Keller und in der Wirtschaft. Die Qualität soll stimmen und auch die Mitarbeiter anständig bezahlt werden. Weil aber kaum ein anderer Preis, von den Rohstoffen bis zu den Personalkosten, gleich bleibt, wird sich auch der Bierpreis stetig verändern. Die Gastronomen wissen, dass sie bei jeder Erhöhung mit viel Fingerspitzengefühl agieren müssen. Denn dass wir je Mondpreise beim Bier bekommen, verhindert zum Glück schon die starke Konkurrenz vor Ort.

Contra von Michael Wehner: Bier darf kein Luxus sein

Dass es die Brauer nur allzu gerne sähen, wenn das Seidla auch in der heimlichen Bierhauptstadt für über vier Euro über die Theke ginge - geschenkt! Mehr zu verlangen, gehört auch bei den Biererzeugern zum Handwerk.

Allerdings ist gerade der Bierpreis kein Wunschkonzert der Anbieter, sondern eine im wahrsten Wortsinn bierernste Angelegenheit, die am Markt, bei den Käufern und nicht zuletzt tief im Gefühl einer Biertrinkernation ausgehandelt wird. Der Bierkrieg in Bamberg war legendär. Wer hätte jemals etwas von einem Weinkrieg gehört? Frankens Charme lebt nicht zu einem geringen Teil davon, dass es hier mehr Brauereien gibt als irgendwo sonst und dass ihr Bier meist noch erschwinglich ist.

Der Wettbewerb, das Brauhandwerk funktionieren also. Warum sollte man an dieser Situation rütteln? Wenn Bierpreise schneller als die Einkommen wachsen, gerät auf Dauer eine fein austarierte Balance ins Wanken. Und Bier hat in Bamberg kein Imageproblem. Es ist ein Kulturgut. Nirgendwo gibt es treuere Kunden.

Hohe Bierpreise abzulehnen, ist kein Plädoyer für Billigbiere oder eine industrialisierte Produktionsweise. Eher bedeutet es, Hopfen und Malz treu zu bleiben. Bier war schon immer das Lieblingsgetränk der Masse, das lange Zeit von der Landbevölkerung selbst hergestellt wurde. Wer den Gerstensaft zum edlen Lifestyle-Gesöff hochstilisiert, hat dagegen nichts gewonnen, sondern ein Problem. Denn der Bierdurst wird weiter schrumpfen.