Veronika Schadeck Der Landkreis und die Gemeinde Mitwitz wollen das Wasserschloss mit allen Facetten gut aufstellen. Dabei sollen entlang des Grünes Bandes die Burg Lauenstein und die Festung Rosenberg mit einbezogen werden. Am Donnerstagnachmittag wurde die Machbarkeitsstudie "Eurocampus Grünes Band" im Kreisausschuss in der Reithalle des Wasserschlosses vorgestellt. Darin wurden verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten für das Wasserschloss aufgezeigt, auf die Florian Kirfel vom Architekturbüro Studio Gründer Kirfel näher einging.

Er wies darauf hin, dass das 140 Seiten umfassende Werk bereits im Jahre 2018 abgeschlossen wurde. Nachdem nun die Eigentumsverhältnisse geklärt seien, könne er die Studie vorstellen.

Zuvor gab Kirfel eine Analyse des Ist-Zustandes. Er sprach von einem hochwertigen Einzeldenkmal aus der Zeit der Renaissance mit Sporthalle, Jugendgästehaus und Gasthaus, das in eine herrliche Landschaft eingebettet ist.

Größeres Nutzungskonzept

Er betonte in seinen Ausführungen, dass das Grüne Band mit seiner Artenvielfalt alleine nicht tragfähig als Tourismusidee sei. Das müsse in ein größeres Nutzungskonzept eingebunden werden.

In der Vergangenheit sei es so gewesen, dass der Landkreis zwar das Nutzungsrecht hatte, aber das Wasserschloss mit seinen Gebäuden sich im Eigentum der Familie Cramer-Klett befand. Im vergangenen Jahr wurde das Wasserschloss durch den Landkreis erworben und somit ergäben sich auch ganz andere Möglichkeiten für die Aufwertung des Wasserschlosses.

Bisher wurde dieses Denkmal wenig genutzt. Die Remisen weisen zwar großes Potenzial auf, seien aber nicht zugänglich. Die Sporthalle sei dagegen durch Vereine gut ausgelastet, das Jugendübernachtungshaus funktioniere gut. Ein Schwachpunkt sei die Zugangssituation.

Bezüglich touristischer Betrachtung sprach er von einer Kontinuität von Übernachtungen mit rückläufiger Tendenz. Möglicherweise hänge dies mit dem vorhandenen Investitionsstau zusammen. Und er stellte fest: "Das Wasserschloss bleibt hinter seinem Potenzial als touristisches Ziel zurück."

Er ging weiter auf drei künftig mögliche Szenarien ein. Demnach bleiben Teile des Areals weiterhin unzugänglich, die Beschilderungen bleiben rar, die Gastronomie hat selten geöffnet, das Teehaus bleibt zu klein und die Potenziale schlummern weiter.

Beim anderen Szenario sprach er von einer Ausstellung "Grünes Band", einem kleinen Anbau, einer besseren Beschilderung, Infopoint etc. Er sprach davon, dass das Wasserschloss ein Defizit von 157 000 Euro an Betriebskosten verursache, käme eine wissenschaftliche Begleitung der Ausstellung hinzu, müsste mit einem weiteren Betrag in Höhe von 175 000 Euro gerechnet werden. Er sprach von etwa fünf Millionen Euro an Baukosten.

Beim weiteren Szenario wird seinen Ausführungen zufolge auf die Ausstellung verzichtet und der Fokus auf die Besucherzahlen des Wasserschlosses gerichtet. Demnach könnte man das Kuratenhaus als zentralen Standpunkt instand setzen. Zudem könnte im Gebäude ein Café mit Foyer und Infobereich eingerichtet werden. Im Außenbereich könnte ein Spielplatz, ein Besucherleitsystem etc. angebracht werden. Rad- und Wanderwege könnten mit eingebunden werden. Bei dieser Variante sprach er von Gesamtkosten in Höhe von knapp zwei Millionen Euro.

Er empfahl den Gemeinde- und Kreisräten bei ihrer Entscheidung auf zu bewältigende Herstellungskosten, kalkulierbare Folgekosten und auf die Auswirkungen des Tourismus zu achten.

Kreisrat Markus Oesterlein (JU) fragte nach den "zeitlichen Horizonten". Landrat Klaus Löffler (CSU) wies auf die Vielzahl von laufenden Projekten im Landkreis hin. Die Aufwertung des Schlosses werde daher in Abschnitten vorgenommen. Es gehe darum, den Dreiklang "Umwelt, Klimaschutz und Nachhaltigkeit" zu integrieren.

"Alleinstellungsmerkmal"

Der Landrat bezeichnete das Wasserschloss als ein Alleinstellungsmerkmal des Landkreises, das viele Möglichkeiten biete. Es gehe nun darum, dass man sich in den Gremien über ein Konzept einig werde. Er wies darauf hin, dass der Landkreis nicht nur das Wasserschloss, sondern auch umliegend zehn Hektar an Land erworben habe. In diesem Zusammenhang ging der Dank an die ehemalige Eigentümerfamilie Cramer-Klett, die in den Verkauf des Wasserschlosses eingewilligt hat.

Löffler regte auch an, dass sich die Kreisräte mit der künftigen Nutzung des Wasserschlosses auseinandersetzen sollten.

Kreisrätin Edith Memmel meinte, dass es sich anbieten würde, im Zuge des Lucas-Cranach-Campus im Wasserschloss eine Nebenstelle einzurichten. Das Holzthema wäre gut angesiedelt.

Der Geschäftsführer der Ökologischen Bildungsstätte, Andre Maslo meinte, dass bei der Entwicklung des Wasserschlosses die Landwirtschaft, der Forst und auch das Grüne Band Themen sein sollten. Er wies darauf hin, dass in Thüringen Planungen für ein großes "Grünes-Band-Zentrum" am Laufen seien. "Wir sollten das Grüne Band nicht aus den Augen verlieren, wir waren schließlich Ursprungsort!"

"Wir sollten aufhören, uns mit anderen zu vergleichen", entgegnete Landrat Klaus Löffler. Es gelte die Maxime, unter welchen Voraussetzungen Fördermittel generiert werden können, mit denen der Landkreis und mit einem relativ geringen Eigenanteil beim Wasserschloss viel erreichen kann. "Wir müssen sehr sauber, sehr intensiv diskutieren und die Menschen mit einbinden beim Erstellen einer neuen Konzeption."

Der Steinbacher Bürgermeister und Kreisrat Thomas Löffler (CSU) fragte nach der Größe der Gastronomie. Er wies darauf hin, dass ein möglicher Pächter auch den wirtschaftlichen Aspekt im Auge habe.

Die Gastronomie, so Bürgermeister Oliver Plewa, sei in Mitwitz gut aufgestellt. Er sprach von einer Besonderheit des Wasserschlosses. Jeder Einzelne in seiner Gemeinde seit mit diesem Schloss emotional verbunden. Er sprach von jahrelangen Bemühungen der Gemeinde, für die künftige Nutzung des Wasserschlosses Lösungen zu finden. Er sei dankbar dafür, dass der Landkreis das Areal erworben habe. "Ich sehe jetzt eine Jahrhundertchance."

Keine Konkurrenz

Zwecks Gastronomie erklärte Landrat Klaus Löffler: "Wir wollen keine Konkurrenz zur Gastronomie in Mitwitz schaffen." Es gehe eher darum, Mitwitz mit dem Wasserschloss, entlang des Grünen Bandes mit der Burg Lauenstein und der Festung Rosenberg zu vernetzen. "Wir möchten ein Projekt haben, wo der gesamte Landkreis profitiert!" Und: "Das Wasserschloss Mitwitz ist für den Landkreis eine einmalige Chance."

Entscheidend werde sein, so der Ludwigsstädter Bürgermeister und Kreisrat Timo Ehrhardt, wie man den Landkreis mit einbindet und wie das Ganze vermarktet werde.