Veronika Schadeck Der Nordhalbener Bürgermeister Michael Pöhnlein (FW) wurde vor wenigen Wochen bei der Gründungsversammlung der Interessensgemeinschaft (IG) wasserliefernder Kommunen in Bayern (IWK Bayern) in Nürnberg zum Sprecher für Nordbayern gewählt. Er verspricht sich durch diese Mitgliedschaft, seinem Ziel, dass Nordhalben an der Wertschöpfungskette der Trinkwasservermarktung partizipiert, näherzukommen. Denn, so meint er, die Bewirtschaftung und damit die Wertschöpfungskette bei der Trinkwasservermarktung fange nicht erst beim Aufstau des Wassers in der Talsperre, sondern schon mit der Bereitstellung der Wasserschutzgebiete durch die Gemeinden an.

"Ein sehr wertvolles Gut"

Schon Anfang des Jahres hatte Pöhnlein geäußert, dass die Trinkwasservermarktung im Falle seiner Wiederwahl ein Schwerpunkt seiner kommunalpolitischen Arbeit sein werde.

Was hat es nun mit "IWK Bayern" und Nordhalben auf sich? "Ohne Wasser kein Leben - Trinkwasser ist ein sehr wertvolles Gut", sagt Pöhnlein. Seinen Ausführungen nach sind Wasserschutzgebiete im ländlichen Raum die Grundlage dafür, dass die Bevölkerung und die Wirtschaft in entfernten Städten und Gemeinden mit dem wertvollen Nass versorgt werden können. Dafür würden große Mengen an Trinkwasser aus dem ländlichen Raum durch die Fernwasserversorgungen in diese Kommunen geliefert, in diesem Fall aus der Trinkwassertalsperre Nordhalben. "Ohne dieses Wasser wären manche Städte und Gemeinden gar nicht lebensfähig", erklärt Pöhnlein.

Der Haken dabei sei, dass die Gemeinde Nordhalben, die mit ihren Wasserschutzgebieten diese Leistung vollbringe, gar nicht an dieser Wertschöpfungskette Trinkwasser beteiligt werde.

Nürnberg kassiert Gewerbesteuer

Pöhnlein geht ins Detail: Die bayerischen Landeskraftwerke, die sich im Eigentum des Freistaats Bayern befänden, erzeugten mit Hilfe der Wasserkraft aus der Ködeltalsperre Ökostrom. Die daraus resultierende Gewerbesteuer erhalte jedoch nicht die Gemeinde Nordhalben, sondern die Stadt Nürnberg. Dort befinde sich der Firmensitz.

Pöhnlein empfindet es als ungerecht, dass aufgrund der im Jahr 2007 durchgeführten "Zerlegung" die damals ohnehin schon klamme Gemeinde Nordhalben 130 000 Euro an Gewerbesteuer habe zurückzahlen müssen. Er fordert deshalb, wie bei anderen Großanlagen zur erneuerbaren Energiegewinnung, eine Aufteilung der Gewerbesteuer: 70 Prozent Anlagenstandort und 30 Prozent Firmensitz. Ferner will er dafür kämpfen, dass die damals an die bayerischen Landeskraftwerke entrichtete Gewerbesteuer an Nordhalben zurückgezahlt wird. Außerdem will er sich mit Hilfe der IWK Bayern für die Einführung eines sogenannten "Wasserpfennigs" einsetzen. Diesen gebe es in einigen Bundesländern bereits; er sei ein Ausgleich für die Nachteile, die die Eigentümer bei der Entnahme von Rohwasser auf ihren Flächen in Kauf nehmen müssten.

Die Hälfte der Nordhalbener Gemarkung, erzählt Pöhnlein, sei Wasserschutzgebiet, von dem der Freistaat Bayern das Rohwasser beziehe, in der Ködeltalsperre speichere und an die Fernwasserversorgung Oberfranken weiterverkaufe. In der Talsperre werde das Rohwasser über Turbinen abgearbeitet und der FWO zur Trinkwasseraufbereitung in Rieblich zugeführt. Gleichzeitig werde dabei der ökologische Strom erzeugt.

Paradox sei, dass die Grundstücke in den Wasserschutzgebieten eigentlich wertlos seien. Gleichzeitig profitierten aber Städte dauerhaft von diesem Trinkwasser. Dort würden deren Grundstücke dagegen als wertvolle Baugebiete ausgewiesen, weil sie keine eigenen Wasserschutzgebiete zur Sicherstellung ihrer Trinkwasserversorgung benötigten.

Mehr Einfluss erhofft

Jetzt hofft Pöhnlein, durch die Gründung von IWK Bayern, in der neben dem Markt Nordhalben die Gemeinden Langfurth, Dürrwangen, Dentlein am Forst, Uehlfeld, Farchant und die Stadt Miesbach vertreten sind, in München mehr Gehör zu finden. Denn, so ist er überzeugt: "Ein Wasserentnahmegeld sollte dort eingesetzt werden, wo Wasser gefördert wird."

Insgesamt setzt sich die IWK Bayern für den Schutz von Trinkwasservorkommen, für die Honorierung dieser wertvollen Leistungen bei den betroffenen Kommunen und für eine gerechte Lösung für Einschränkungen vor Ort ein. Pöhnlein ist sich sicher: "Zusammen werden wir eine andere Schlagkraft als bisher in München für unsere Interessen haben." Und er freut sich darüber, dass weitere Kommunen aus Oberbayern und Mittelfranken bereits Interesse an der IWK Bayern gezeigt haben.