Helmut Will In der Sitzung des Stadtrates Ebern dieser Tage in der Frauengrundhalle stand der Punkt "Beauftragung eines Quartiersmanagers - erneute Beratung und Beschlussfassung" auf der Tagesordnung. Darauf angesprochene Stadträte wollten sich nicht dazu äußern, und es wurde noch vor Beginn des öffentlichen Teils der Sitzung eine nichtöffentliche Beratung eingeschoben. Wozu diese außergewöhnliche Vorgehensweise, und was ist ein Quartiersmanager? Welche Aufgaben hat er?

Das wurde in der Sitzung für Außenstehende nicht deutlich. Laut Sitzungsvorlage sind die Kernaufgaben und das Anforderungsprofil für diese Aufgabe vom Stadtrat mit Beschluss 107 bereits am 23. Juli 2020 festgelegt worden. Die Beauftragung eines Quartiermanagers könne, wie in der vorgenannten Sitzung festgelegt, erst dann erfolgen, wenn die Bewilligung des Zuwendungsantrags durch die Regierung von Unterfranken vorliegt. Und so ging es dann weiter: Mit dem Beschluss Nummer 137 vom 13. Oktober 2020 hat der Stadtrat Ebern den Beschlussvorschlag der Verwaltung, die Firma "Projektm 19" aus Coburg (verantwortlich ist Michael Böhm), als Quartiersmanager für die Stadt Ebern zu beauftragen, abgelehnt.

Im Hauptausschuss

Diese Firma und die konkurrierende Firma "K&M AG", vertreten durch Stefan Kaiser und Björn Hieber (Firma "Markatus" aus Rödental), hatten sich zuvor in der Sitzung des Hauptausschusses des Stadtrats am 29. September 2020 vorgestellt. Seitens des Hauptausschusses wurde damals festgestellt, dass die Firmen zwar unterschiedliche Schwerpunkte und Erfahrungen im Bereich Quartiersmanagement hätten, aber wohl beide geeignet seien, weshalb noch zu entscheiden wäre, ob die Firma "K&M Arbeitsgemeinschaft" mit dem Quartiersmanagement beauftragt werden soll.

"Keine Erfahrungen"

Festgestellt wurde laut Sitzungsvorlage vom 29. Oktober 2020, dass der Schwerpunkt vorgenannter Firma bisher bei Veranstaltungsdurchführungen und Marketing lag und laut eigener Aussagen "keine Erfahrungen im Quartiersmanagement" vorliegen. Deshalb verwundert es, dass der Stadtrat in seiner Sitzung jetzt am 29. Oktober diese Firma der bereits auf diesem Gebiet erfahrenen Firma "Projektm 19" bei drei Gegenstimmen vorzog. Die drei Gegenstimmen kamen von Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) sowie den beiden Stadträten Irene Jungnickl (SPD) und Sven Steffan (FWE).

Was macht ein Quartiersmanager? Laut Bürgermeister Jürgen Hennemann soll er sich als ein "Kümmerer für Quartier", gefördert von der Städtebauförderung, in der Altstadt um die Vermarktung und Belebung sowie Aktivitäten kümmern. Eine solche Aufgabe müsse vergeben und könne nicht mit eigenem Personal ausgeführt werden, erklärte der Bürgermeister auf Anfrage. Ein solcher Posten solle geschaffen werden, um zu versuchen, für die Altstadt eine höhere Attraktivität zu erreichen, wobei mit einer hohen Förderung des Staates gerechnet werden kann. Handlungsnotwendigkeit wäre nach dem Weggang von Helen Zwinkmann gegeben, die sich als Beauftragte für Tourismus um Veranstaltungen der Stadt in der Altstadt gekümmert und diese abgewickelt habe.

Das Aufgabengebiet müsse sich, so Hennemann weiter, nach den Vorgaben der Städtebauförderung richten, was im VG-Mitteilungsblatt bekanntgemacht worden war. 1200 Stunden pro Jahr könnten mit dem Quartiersmanager über einen Stundensatz (Hennemann beziffert ihn auf 65 bis 75 Euro, was üblich wäre) abgerechnet werden.

Jürgen Hennemann zeigte sich im Nachhinein verwundert, dass der Stadtrat das von der Verwaltung vorgeschlagene Büro "Projektm 19", das in Bad Staffelstein diese Aufgabe erfolgreich wahrnimmt, abgelehnt hat und die Firma "K&M Arbeitsgemeinschaft", die nach eigenen Angaben auf dem betreffenden Gebiet noch keine Erfahrung nachweisen konnte, beauftragt hat. "Ich blieb bei meiner Linie, weil das meine Überzeugung ist", so Hennemann.

Und warum wurde bei der Stadtratssitzung noch schnell ein nichtöffentlicher Punkte eingeschoben? Laut Bürgermeister ist bei diesem Punkt kein Beschluss gefasst worden; allerdings waren noch interne Klärungen zum Vertragspartner (Gesellschaftsform) notwendig. Das musste der Stadtrat gleich erfahren.