Er ist ein "Klassiker" seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts: Im Herzogenauracher Interimsrathaus stellten Klaus-Peter Gäbelein und Christian Kindler vom Heimatverein Bürgermeister German Hacker (SPD) den Heimatkalender 2021 vor. Da sich Kalendermacher Helmut Fischer in Quarantäne befindet, wurde er per Live-Stream der Übergabe zugeschaltet und konnte wichtige Details der historischen Aufnahmen erklären.

Die Fotos gehen zurück bis ins Jahr 1914. Das März-Kalenderblatt zeigt die wahrscheinlich älteste Luftaufnahme Niederndorfs. Wie Fischer erläuterte, erschien der erste Heimatkalender bereits in den 70er Jahren durch den damaligen Heimatpfleger Richard Tille, "und Ende der 70er Jahre bin ich eingestiegen", erklärte Fischer.

"Der Fundus an historischen Aufnahmen scheint unendlich", kommentierte Gäbelein, als er im Kalender blätterte, der eine Reihe von bisher unveröffentlichten Bildern beinhaltet. So den Lohhof mit Dresch- und Dampfmaschine mit zahlreichen fleißigen Frauen und Männern. "Auf der Aufnahme ist zu erkennen, dass das Dreschen kein Vergnügen, sondern harte Arbeit und eine richtige Plagerei war", kommentierte Fischer das Oktober-Blatt.

Beeindruckt zeigte sich der Bürgermeister insbesondere vom Novemberblatt mit Novemberstimmung in Herzogenaurachs "guter Stube" mit dem öffentlichen Brunnen und dem Türmersturm, dem 1928 eine "neue Haube" für die Glocken aufgesetzt wurde. Auch das Hotel Krone hatte damals ein komplett anderes Aussehen. Nach Meinung von Helmut Fischer hätte der "Schusterbrunnen" eigentlich auf den heute nicht mehr sichtbaren Brunnen aufgesetzt werden müssen. In diesem Zusammenhang beklagte Fischer auch, dass bereits in früheren Jahren viele Bausünden begangen wurden.

Die zwölf historischen Bilder sind in schwarz-weiß gehalten und sollen für den Betrachter auch Anregung sein, sich auf Spurensuche zu begeben, um dann festzustellen, welche Wandlungen das Aurachstädtchen im Laufe der Nachkriegsjahre durchlaufen hat. Vom bescheidenen Tuchmacher- und Schusterstädtchen hin zur kleinen Weltstadt mit "Herz", nicht zuletzt wegen der ortsansässigen und weltweit agierenden Firmen. Der Heimatkalender ist auf 2350 Stück limitiert, wurde in Herzogenaurach gedruckt und kostet 7,90 Euro.

Mit mehr als 740 Mitgliedern engagiert sich der Heimatverein seit vielen Jahren mit Stadtrundgängen, Nachtwächterführungen und Vorträgen für Herzogenaurach. Auf das jährliche Erscheinen des Heimatkalenders freuen sich nicht nur alteingesessene Herzogenauracher. Die Kalendermacher haben die teils mehr als 100 Jahre alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus privaten Fotos, dem Stadt- und Pfarrarchiv, dem Archiv Helmut Fischers und dem des Heimatvereins sorgfältig ausgewählt. "Wir wollen zeigen, wie die Stadt seit 1900 gewachsen ist", sagt Fischer, dem besondere Anerkennung gebührt, der seit mehr als 35 Jahren im Vorstand des Heimatvereins aktiv ist.