Carolin Herrmann

Des is echt hard. Und des mein ich gar nicht spaßig. Denn bei derlei Komödie kann einem schon schlecht werden. "Good Bayreuth" von Oliver Bukowski mutet einem viel zu, und die Inszenierung von Gastregisseur André Rößler in der Reithalle erspart einem auch nichts. Er hatte im Vorfeld aber gewarnt: "Fäkalkomödie mit nekrophilem Einschlag", hat er im Gespräch mit dem Tageblatt angekündigt und - zu Recht, kein Gag - Altersbeschränkung auf 14.
In diesem Rahmen ist die erste Schauspielpremiere der Saison am Landestheater Coburg gut gemacht, zumal mit Stephan Mertl, Thomas Straus, Kerstin Hänel und Frederik Leberle ein vorzügliches Schauspieler-Team am Werk ist, das einfach jeden Dreck bewältigt.
Womit nicht gesagt sein soll - zumindest nicht gleich - dass Oliver Bukowskis im Dialekt der Niederlausitz geschriebenes, von dem Bamberger Peter Schanz treffend ins Oberfränkische übersetzte Stück an sich theatraler Mist sei. Es ist reichhaltig, in diversen Beziehungen. Die Frage ist nur, was in der Form der extraordinären Aufbereitung des Themas erreicht wird. Schock der Erkenntnis, Mitleid mit den Menschen am untersten Rand der (ländlichen) Gesellschaft, die dann doch die besseren sind als die gutsituierten Schweine? Oder einfach nur Ekel?
Der 1961 in Cottbus geborene Dramatiker begibt sich mit dieser Farce ins Milieu der absoluten Looser, wie man auch bei uns heute sagt, und übertreibt dabei, was der Dialekt nur hergibt. Konrad und Loddar sind biersaufend verlottert, als einsichtige Lebensphilosophen dabei geradezu herzig. Eine Weile ist es lustig, Stephan Mertl und Thomas Straus im Oberfränkisch der allerdrastischsten Ebene herumseiernd, zuzugucken. Die machen das richtig gut. Die echte Sau ist natürlich der Herr Professor Terre (Frederik Leberle), der im abstrakten Bühnenbild von Simone Steinhorst, bei dem du dir alles denken kannst oder nichts, auf die Bauklötze nach oben steigt. Dort doziert er, während die anderen in die Luken des großen Holzkastens abtauchen.


Oberfranken oder egal wo

In dem haben der pflichtvergessene Bademeister Konrad und sein nur scheinbar dämlicher Kumpel Lothar mehrfach die Leiche des jungen Terre versucht zu versenken. (Och Mensch, die Leichen-Statisten, Mees Menzner oder Malik von Berg, müssen ganz schön herhalten.) Nützt alles nix. Die Drecksau von feinem Professor, die der Konrad versucht zu erpressen, will sein nicht minder dreckig gewesenes, sichtlich verblichenes Söhnchen gar nicht zurück haben. Konrad bleibt der Looser im oberfränkischen Outback der Zivilisation.
Das nicht geistlose, aber sehr laute Getrampel des Ordinären stumpft ab, die "Komödie" beginnt sich zu ziehen. Inhaltlich gibt es einige Brüche, was aber auch wurscht ist. Das geile Spiel mit der Provokation lässt den mitdenkenden oder gar mitfühlenden Zuschauer ziemlich geplättet zurück auf unserem sogenannten platten Land, wobei Oberfranken gar nicht speziell gemeint ist, halt herhalten musste wegn dem hier gewöhnlichen Dialekt. Immerhin, das Lachen vergeht einem schon. - Dja, wos solch ich sooch? - Mer werd ja aa mol radlos sein dürfn.