Ebern —  Unter dem Motto "Musik für Schüler" stand eine Unterrichtsstunde am Freitagvormittag: Drei Profimusiker, die sonst für die gemeinnützige Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation spielen, waren nach Ebern gekommen, um dort ein Konzert am Friedrich-Rückert-Gymnasium und anschließend auch an der Dr.-Ernst-Schmidt-Realschule zu geben.

Realschulleiter Hartmut Weis freute sich, in seiner Schule drei Profimusiker willkommen heißen zu können. "Wir haben ja gerade eine kulturarme Zeit, umso mehr freue ich mich, dass ihr heute Musik auf höchstem Niveau hören könnt", sagte er an die Schüler gewandt. Die Veranstaltung kam auf Intention von Heiko Müller, Musiklehrer an der Realschule Ebern, zustande. Er und der Tenorsänger Martin Fösel waren früher Studienkollegen. Fösel, der durch das etwa 50-minütige Programm führte, betonte, dass Musik zurzeit zu kurz komme. "Ich denke, das ist heute für euch eine schöne Abwechslung in eurem Schulalltag", rief er den Kindern zu, die er in seine Ausführungen einbezog.

Nachdem er seine beiden Musikkolleginnen vorgestellt hatte, nahmen die drei Künstler die Schüler auf eine Zeitreise durch die Musikgeschichte mit, beginnend mit der Renaissance, die zu den schillerndsten und unvergänglichen Epochen der Menschheit zähle. Den Part des sonst üblichen Orchesters übernahm professionell die Konzertpianistin Susanne Strauss am Klavier. Die Berufsmusikerin Rebekka Wagner brillierte an ihrer Violine ebenso wie der Tenor Fösel mit seinem Gesang.

Von klassisch bis romantisch

Nachdem mit dem Stück "Fine Knacks for Ladies" die Renaissancezeit aufgelebt hatte, entführten Violinistin Wagner und Pianistin Strauss die Kinder in die Barockzeit. Mit dem Sommer aus Vivaldis "Die vier Jahreszeiten" wurden Bilder und Worte in die Musik übersetzt. Klassisch ging es weiter mit dem Wunderknaben Wolfgang Amadeus Mozart, der schon mit sechs Jahren an den Höfen von Mächtigen spielte. Im Stück "Der Vogelfänger" aus der Oper "Die Zauberflöte" zeigte Fösel mit seiner Baritonstimme, dass der Liedstifter nicht nur als Vogel-, sondern auch als Mädchenfänger unterwegs war.

Es folgte die Romantik mit "Der Schwan" aus dem "Karneval der Tiere" mit Violine und Klavier. "Jeder Satz ist Tieren gewidmet, heute haben wir den Schwan dabei", erklärte Fösel und forderte die Schüler auf, in Gedanken mit dem Schwan auf einem See schwimmen zu gehen. "Wer genau hinhört, merkt, dass man mit Musik Bilder schaffen kann."

Ludwig van Beethoven sei ein "ganz spezieller Vogel" gewesen, erzählte Fösel. Er sei in Wien 70 Mal umgezogen und habe für Goethe viele Lieder vertont. Fösel und Pianistin Strauss ließen mit dem Flohlied aus Goethes Faust "Flöhe" durch den Saal hüpfen. Rassig wurde es, als mit großem Kon-trast in der Musik - mal piano, mal forte - der ungarische Tanz "Hungarian Dance" mit Violine und Klavier zu hören war. Als "wunderbares Stück" bezeichnete Fösel das Lied "Seligkeit D 433" von Franz Schubert, der mehr als 600 Lieder komponiert hatte. "Schubert lebte in Wien und komponierte jeden Tag etwa sieben Stunden lang", erläuterte Fösel.

Dann ging es weiter auf eine musikalische Reise nach Brasilien und zurück nach Europa, bevor die "besondere Schulstunde" ihr Ende fand und mit begeistertem Beifall belohnt wurde. Sicher ist, dass das Konzert für die Kinder etwas Besonderes war, auch wenn möglicherweise nicht jedermanns Musikgeschmack getroffen wurde.

Fösel und die beiden Musikerinnen stellten sich anschließend den vielfältigen Fragen der Kinder und Jugendlichen. Diese wollten beispielsweise wissen, wie lange die Künstler schon zusammenspielen, in welchen Ländern sie schon waren, ob sie eigene Lieder komponieren und ob sie schon mit Weltstars zusammenspielten. Martin Fösel versprach, auch im nächsten Jahr nach Ebern zu kommen.