Im September 2015 wurde von den Vereinten Nationen die Agenda 2030 beschlossen. Sie knüpft an die große Umwelt- und Entwicklungskonferenz von Rio 1992 an, die in Herzogenaurach mit der lokalen Agenda 21 bis in die heutige Zeit reicht.

In der jüngsten Sitzung des Agenda-Beirats im Interimsrathaus wurde über eine Stärkung der Agenda-Arbeit und Umstrukturierung der Agenda 21 diskutiert. Ille Prockl-Pfeiffer, Sprecherin des Arbeitskreises Soziales und Kommunikation, machte deutlich, dass es Zeit für eine Veränderung sei und die Bürger noch stärker eingebunden werden müssten, denn mit der jetzigen Struktur sei das gewünschte Ziel nicht erreichbar.

Das beginne insbesondere beim Namen "Agenda 21", damit können viele Menschen nichts anfangen. Deshalb entstand der Wunsch, die Agenda 21 Herzogenaurach auf Basis der 17 Ziele (SDGs) der Vereinten Nationen zur Agenda 2030 Herzogenaurach umzustellen und gleichzeitig die Arbeit zur nachhaltigen Entwicklung der Stadt Herzogenaurach zu intensivieren.

Die Agenda 2030 beschränkt sich nicht darauf, gemeinsame Ziele zu definieren, sondern sie beschreibt auch die Mittel, die zu ihrer Umsetzung benötigt werden. Sie macht deutlich, dass Klimapolitik, nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung untrennbar miteinander verwoben sind. Die 17 Ziele stehen für ein neues globales Wohlstandsverständnis, das über die verengte Betrachtung von Pro-Kopf-Einkommen hinausreicht. Es geht um eine Umgestaltung von Volkswirtschaften hin zu nachhaltiger Entwicklung, beispielsweise durch verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster und saubere und erschwingliche Energie.

Deshalb schlug Ille Prockl-Pfeiffer für Herzogenaurach vor, die bisherigen Arbeitskreise aufzulösen. Stattdessen solle es ein Plenum aller Agenda-2030-Aktiven geben, in der die verschiedenen Projekte und Themen gemeinsam erörtert und entschieden werden. Durch die Umstrukturierung erwarte man, dass mehr Schwung in die Aktivitäten eintritt und neue Aktive sich beteiligen. Dies bedeute aber auch, dass die Unterstützung seitens der Stadt (Stadtrat und Verwaltung) verbessert werden müsse. "Es ist vielleicht die letzte Generation mit der Chance, den Hunger der Welt zu besiegen", so der Appell von Ille Prockl-Pfeiffer.

Johannes Kollinger, Sprecher des Arbeitskreises Energie, erinnerte daran, dass Herzogenaurach bis zum Jahr 2030 eine regenerative Vollversorgung der Stadt anstrebt. Insbesondere bei den kommunalen Gebäuden und Einrichtungen übernehme die Stadt Herzogenaurach dabei eine Vorreiterrolle. Als strategisches Klimaschutzziel wird eine Reduzierung der CO2 -Emissionen bis 2030 um 50 Prozent (auf der Basis des Jahres 2009) angestrebt und bis 2050 um 90 Prozent.

Neue Stabsstelle gefordert

Dafür forderte Kollinger unter anderem die Einrichtung einer Stabsstelle "Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz" in der Verwaltung mit Berücksichtigung der Ziele des Klimaschutzes im Stadtrat sowie einer Dokumentation, die Einrichtung eines runden Tisches und eines "Lenkungsteams Klimaschutz Herzogenaurach" sowie die Bereitstellung städtischer Haushaltsmittel für den Klimaschutz und die Nutzung der Konzessionsabgaben für den Klimaschutz.

Der Stadtrat habe 2018 ein Klimaschutzleitbild beschlossen, in dem konkrete Ziele zur Reduzierung der CO2 -Emissionen durch Nutzung erneuerbarer Energie, Energiesparen und umweltschonende und energieeffiziente Mobilitätsmaßnahmen festgeschrieben sind. "Diese Ziele können aber nur erreicht werden, wenn verstärkt Maßnahmen durchgeführt werden. Die bisher durchgeführten Maßnahmen reichen nicht aus, um die Ziele auch nur annähernd zu erreichen, und bis heute gibt es außerdem noch keine auf klar messbaren Werten basierende Zielverfolgung", kritisierte der Sprecher.

Im Klimaschutzleitbild sei weiterhin beschrieben, dass die Mitglieder des Stadtrates die Ziele des Leitbildes bei allen Entscheidungen berücksichtigen. Damit dies auch konsequent beachtet werde, beantragte der AK Energie, dass bei jeder Entscheidung dokumentiert wird, inwieweit der Klimaschutz betroffen ist und dass die Ziele des Leitbildes berücksichtigt werden. "Die Unterstützung durch die Stadt muss stärker werden, denn die Nachhaltigkeit der Stadt muss noch mehr nach vorne gebracht werden", forderte Kollinger.

"Es gibt keinen Mangel an Unterstützung, die Diskussion verstehe ich jetzt nicht so richtig", konterte Bürgermeister German Hacker (SPD). Einige Maßnahmen wie bei den städtischen Neubauten ließen sich nur sehr schlecht abbilden, erklärte er und meinte damit eine Kosten-Nutzen-Rechnung sowie die Bilanzierung der Maßnahmen zur CO2 -Einsparung und dergleichen, denn bis zur Übergabe eines Gebäudes werde sehr wohl CO2 erzeugt.

Einige Forderungen könnten sicher umgesetzt werden, wenn der Stadtrat zustimme. Aber einige Forderungen aus dem Arbeitskreis Energie könnten nur mit einem erheblichen Arbeitsaufwand, also mit mehr Personal und damit höheren Kosten, erfüllt werden. "Nicht alles kann und muss umgesetzt werden, man kann es auch auf die Spitze treiben", erklärte Hacker. Er riet von einem Beschluss des Maßnahmenpaketes ab. Seiner Meinung nach sollten im Planungsausschuss die Maßnahmen einzeln diskutiert werden, denn letztlich müsse der Stadtrat entscheiden. Und er riet dazu, die Ziele schrittweise umzusetzen, denn die Forderungen müssten auch bezahlt werden.